Überaktive Abwehrkräfte

Ursachen von Allergien: Überreaktion des Immunsystems

Bei Allergien kämpft die Körperabwehr gegen Fremdstoffe, die eigentlich harmlos sind. Das hat vermutlich eine ganze Reihe von Ursachen. Auch die Gene spielen eine Rolle.

Eigentlich ist das Immunsystem ein gut funktionierendes, fein abgestimmtes Abwehrsystem, das für uns überlebenswichtig ist: Rund um die Uhr schützt es uns vor schädlichen Eindringlingen wie Viren, Bakterien oder Würmern, die uns krank machen oder sogar töten können. Doch vor allem in Industrienationen haben heute immer mehr Menschen mit einer gestörten Kontrolle ihres Immunsystems zu kämpfen. Die körpereigene Abwehr reagiert dann plötzlich fälschlicherweise auf Fremdstoffe, die sie eigentlich tolerieren würde, weil sie nicht schädlich für die Gesundheit sind: Blütenpollen, Tierhaare, Insektengifte, Arzneimittel oder Nahrungsmittel. Diese Auslöser (nicht Ursachen!) von Allergien werden auch Allergenen genannt.

Von der Sensibilisierung zur Allergie

Die Entstehung einer Allergie setzt als eine der Ursachen zunächst eine Sensibilisierung voraus, die noch symptomlos, aber beispielsweise mittels Bluttests messbar ist: Das Immunsystem kommt in Kontakt mit einem Allergen und stuft es - etwa weil bestimmte Risikofaktoren vorliegen - fälschlicherweise als fremd ein. Es reagiert daher auf das Allergen und entwickelt vom Betroffenen unbemerkt ein immunologisches Gedächtnis. Beim nächsten Kontakt mit dem entsprechenden Allergen kann es dann weiterhin bei der beschwerdefreien Sensibilisierung bleiben, jedoch auch zur allergischen Reaktion kommen, die mit den typischen Symptomen einhergeht. Von den echten allergischen Reaktionen abzugrenzen sind sogenannte Pseudoallergien. Sie gehen mit ähnlichen Symptomen einher, sind jedoch nicht auf Fehlreaktionen des Immunsystems infolge eines Allergen-Kontakts zurückzuführen, sondern haben andere, bislang oft nicht vollständig verstandene Ursachen.

Je nach Art der ausgelösten Immunreaktion unterscheidet man im Wesentlichen zwischen vier Allergie-Typen (Typ I bis IV), deren Ursachen unterschiedlich sein können und von der Wissenschaft noch nicht ganz geklärt sind.

Atopie: Die Gene spielen eine Rolle

Eine Rolle spielt die familiäre Vorbelastung. So hat ein Kind ein deutlich erhöhtes Allergierisiko, wenn der Vater und/oder die Mutter an einer Allergie erkrankt ist. Die Untergruppe an allergischen Erkrankungen, bei denen der Patient aufgrund einer genetisch bedingten Empfänglichkeit nach einem Allergenkontakt eine Typ-I-Allergie entwickelt, wird auch als Gruppe der atopischen Erkrankungen bezeichnet. Hierzu gehören vor allem das allergische Asthma, der Heuschnupfen, die Neurodermitis und als Maximalvariante die Anaphylaxie. Treten diese Formen gemeinsam auf oder gehen sie ineinander über, sprechen Mediziner vom atopischen Marsch.

Weitere mögliche Risikofaktoren

Da die Häufigkeit der Allergien vor allem in wohlhabenden westlichen Ländern zunimmt, werden darüber hinaus verschiedene Umweltfaktoren als Ursachen diskutiert, die womöglich in komplexen, altersabhängigen Wechselwirkungen mit erblichen Faktoren das Allergierisiko erhöhen. So gilt inzwischen als anerkannt, dass eine Kindheit auf dem Bauernhof vor der Entwicklung von bestimmten Allergien schützen kann. Zu dem Schutzeffekt trägt unter anderem der Kontakt zu Nutztieren und Futtermitteln bei. Diese Befunde unterstützen die Hygienehypothese, nach der Kinder weniger Allergien entwickeln, wenn ihr Immunsystem in jungen Jahren häufiger mit mikrobiellen Erregern in Kontakt kommt und demnach „trainiert“ wird. Bei Kindern, die in vergleichsweise sterilerer Umgebung aufwachsen, entfällt dieses Training hingegen, was womöglich das Risiko für überschießende Immunreaktionen erhöht.

Darüber hinaus könnten weitere Umweltfaktoren Ursachen für den Anstieg der Allergien-Häufigkeit sein. Hierzu gehören Luftschadstoffe, beispielsweise durch die zunehmende Umweltbelastung, aber auch in Innenräumen etwa durch Passivrauchen. Zudem hat die Einführung von gepolstertem Mobiliar, Teppichen sowie verbesserten Isolierungstechniken für Fenster und Türen vermutlich die Konzentration von Luftallergenen und Hausstaubmilben in Innenräumen erhöht. Auch klimatische Veränderungen, die neben dem Pollenflug das Wachstum von Insekten, Milben oder Schimmelpilzen begünstigen, könnten sich auf das Allergie-Risiko auswirken. Als weitere Einflüsse auf das Allergie-Risiko werden die Ernährung und der sozioökonomische Status, der wiederum Faktoren wie Bildung, Einkommen und Lebensweise einschließt, diskutiert. Auch bestimmte Berufe, die den häufigen Kontakt mit einem potentiellen Allergen voraussetzen, etwa das Bäckerhandwerk, bei dem ein übermäßiger Kontakt mit Mehl besteht, erhöhen das Allergierisiko womöglich.

Autor: Springer Medizin, Petra Eiden / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 22. Februar 2013

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