Gut für Allergie-Patienten

Schulungen für Allergiker

Spezielle Schulungen für Heuschnupfen-, Neurodermitis- und Asthma-Patienten sollen helfen, Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Schulungen für Allergiker
Wie sie mit ihren Allergien besser leben lernen, können Betroffene in speziellen Schulungen erfahren.
(c) Getty Images/Creatas RF

Nach dem bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) leiden etwa 17 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland an einer allergischen Erkrankung. Zu den häufigsten Allergien gehören Heuschnupfen, Neurodermitis und Asthma. Doch auch andere chronische Erkrankungen können die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen teilweise erheblich beeinträchtigen. Um die Risiken zu begrenzen und die Beschwerden zu bessern, ist eine konsequente fachgerechte Therapie erforderlich. Daher werden Eltern von erkrankten Kindern mit der Diagnose oft unvorbereitet vor eine zusätzliche Lebensaufgabe gestellt: Sie müssen gleichzeitig die Rolle des Erziehers und des Therapeuten ihres Kindes übernehmen.

Um sie auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten, wurden für einige Krankheiten, etwa Asthma und Neurodermitis, strukturierte Schulungskonzepte für die Eltern sowie die betroffenen Kinder selbst entwickelt und deren Nutzen wissenschaftlich evaluiert. Darüber hinaus befindet sich derzeit eine strukturierte Schulung zur Anaphylaxie (Anaphylaktischer Schock) in der Entwicklung. Ziel derartiger Angebote ist es, nicht nur Wissen über die Erkrankung zu vermitteln, sondern auch die eigenverantwortliche Behandlung und die seelische Bewältigung der Krankheit sowie der einhergehenden Belastungen wirksam zu unterstützen.

Entsprechende Schulungen sollen bundesweit flächendeckend und einheitlich von speziell dafür ausgebildeten Trainern (Ärzten, Psychologen, Pädagogen, Physiotherapeuten, Ernährungsberaterinnen usw.) durchgeführt werden, die die gesamte Bandbreite der jeweiligen Erkrankung abdecken. Teilweise befinden sich die Schulungen jedoch noch im Aufbau, sodass ein flächendeckendes Angebot bislang nicht immer umgesetzt werden kann. Auch die Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen ist zum Teil noch nicht einheitlich geregelt.

Neurodermitis-Schulung

Eine Schulung zur Neurodermitis wurde von der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung im Kindes- und Jugendalter (AGNES) entwickelt. Sie soll den Verlauf der Hauterkrankung positiv beeinflussen, die Bewältigungsstrategien und Lebensqualität verbessern, die psychischen Belastungen in der Familie senken und die Arzt- sowie Therapiewechsel reduzieren.

Zu den Inhalten gehören unter anderem Informationen zur stadiengerechten Behandlung, praktische Übungen für den Alltag (zum Beispiel Eincremeverfahren), mögliche Auslöser und deren Vermeidung, geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von akuten Schüben, Entspannungsverfahren, Strategien im Umgang mit psychosozialen Belastungen von Kindern und Eltern, Besprechung familiärer Belastungen durch die Erkrankung und Umgang mit Juckreiz sowie Erarbeiten von Kratzalternativen. Hinzu kommen kindgerechte Ernährung und Diagnostik von Nahrungsmittelallergien.

Asthma-Schulung

Die Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter (AGAS) hat eine Asthma-Schulung entwickelt. Zu den Zielen gehören ein größeres Wissen über die Krankheit, das Erlernen von Notfallvermeidungsmaßnahmen, eine bessere Selbständigkeit im Umgang mit der Erkrankung, die Unterstützung bei der psychischen Krankheitsbewältigung, die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten und das Reduzieren von Fehlzeiten in der Schule sowie von Krankenhausaufenthalten.

Die Asthmaschulung soll alltagstaugliches Wissen an Kinder, Jugendliche und deren Familien vermitteln. Zu weiteren Inhalten gehört ein Verhaltenstraining, die Verbesserung der Körperselbstwahrnehmung und das Umgehen mit körperlich empfundenen Symptomen (insbesondere Frühzeichen) und Ängsten. Zudem sollen Auswirkungen im familiären sowie sozialen Bereich verringert werden.

Anaphylaxie-Schulung

Darüber hinaus entwickelt die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxietraining und Edukation (AGATE) eine strukturierte Schulung für Allergiker mit erhöhtem Anaphylaxie-Risiko und deren Angehörige. So wurden dem bundesweiten Anaphylaxie-Register an der Berliner Charité innerhalb der ersten drei Jahre 1.452 schwere anaphylaktische Reaktionen gemeldet. In 1.177 Fällen waren Erwachsene, in 275 Fällen Kinder betroffen. Die häufigsten Auslöser stellten bei Erwachsenen Insektengifte und Medikamente, bei Kindern hingegen Nahrungsmittel, vor allem Erdnüsse und Nüsse dar. Insgesamt nutzten nur zehn Prozent der Patienten wie empfohlen ein Notfallset. Ein Drittel der Betroffenen erlitt wiederholt anaphylaktische Reaktionen.

Daher sollen Patienten beziehungsweise Eltern von erkrankten Kindern in der Schulung lernen, wie sich relevante Allergene - mit Augenmaß - meiden lassen, um das Risiko eines anaphylaktischen Schocks zu mindern, jedoch zugleich die Lebensqualität nicht zu stark zu beeinträchtigen. Darüber hinaus erfahren sie, dass es wichtig ist, für den Notfall Strategien gegen die Angst zu entwickeln. Zudem sollte der Allergiker das Notfallset immer mit sich führen. Auch der richtige Umgang mit dem Notfallset wird erlernt. Die Trainer vermitteln umfassende Informationen, aber auch sehr viel praktisches Wissen über Allergien.

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Letzte Aktualisierung: 27. Februar 2013

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