Medizin-Mythos der Woche (35)

Die größten Allergie-Mythen

Falsche Vorstellungen über Allergien sind oft Grund für übertriebene Vorsichtsmaßnahmen

In den Medien kursieren teils längst überholte Informationen zum Thema Allergien. Darauf hat der Allergologe David Stukus hingewiesen und vor übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen gewarnt, die sogar gesundheitsschädlich sein können.

Die größten Allergie-Mythen
Dass es Züchtungen wie beispielsweise die haarlose Sphynx-Katze gibt, auf die Tierhaar-Allergiker nicht reagieren, ist ein Mythos.

Rund 72 Prozent der Internet-Nutzer suchen im Netz nach Gesundheitsinformationen, berichtete der US-amerikanische Allergologe David Stukus auf der Jahrestagung der Fachgesellschaft American College of Allergy, Asthma and Immunology (ACAAI), die Anfang November in Baltimore stattgefunden hatte. Im weltweiten Netz, aber auch in anderen Medien kursierten gerade zum Thema Allergien immer noch eine Reihe von Fehlinformationen. Wie Stukus erläuterte, gehen diese teils auf Expertenmeinungen zurück, die aber inzwischen wissenschaftlich widerlegt sind.

Die Folge seien übertriebene und unnötige Vorsichtsmaßnahmen, die im ungünstigen Fall die Gesundheit schädigen statt sie zu schützen. Dann zum Beispiel, wenn Allergiker oder Personen, die glauben, es zu sein, aus Angst vor allergischen Reaktionen Impfungen oder wichtige Untersuchungen verweigern.

Auf der Jahrestagung in Baltimore räumte Stukus mit den größten Allergie-Mythen auf.

Mythos 1: "Ich mit allergisch gegen Haarfärbemittel"

Laut Stukus gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis für einen Zusammenhang zwischen Haarfärbemitteln und Allergien. Kontrovers diskutiert würde, ob Verhaltensänderungen bei Kindern sowie chronische Nesselsucht (Urtikaria) oder Asthma mit dem Gebrauch von Haarfärbemitteln zusammenhängen könnten.

Mythos 2: "Ich kann mich nicht impfen lassen, weil ich eine Eiweißallergie habe"

Stukus räumt ein, dass Hühnerembryonen beispielsweise zur Herstellung von Impftstoff gegen Grippe, Gelbfieber und Tollwut verwendet werden. Gegen Grippe gibt es jedoch inzwischen einen Impfstoff, der auf Basis von Zellkulturen hergestellt wird und auch für Einweißallergiker verträglich ist. Damit ist eine Eiweißallergie kein Grund mehr, auf die Grippeimpfung zu verzichten, die vor ernsthaften Erkrankungen schützen kann.

Mythos 3: "Ein Bluttest für zu Hause zeigt alle Allergien an"

"Diese Arten von Selbsttests für zu Hause sind nicht zuverlässig und führen oft zu Fehlinterpretationen, diagnostischer Verwirrung und unnötigen Ausschlussdiäten", lautet das vernichtende Urteil des Facharztes. Wer glaubt, eine Allergie zu haben, solle einen Allergologen aufsuchen, um einen zuverlässigen Test machen zu lassen und die richtige Diagnose und Behandlung zu erhalten, rät Stukus.

Mythos 4: "Kinder unter zwölf Monaten sollten keine hochallergenen Lebensmittel bekommen"

Über den vierten bis sechsten Lebensmonat hinaus Kindern hochallergene Lebensmittel vorzuenthalten, sei in den meisten Fällen nicht wissenschaftlich begründbar, stellt Stukus klar. Im Gegenteil: Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass ein frühzeitiges Anbieten hochallergener Nahrungsmittel hilft, Allergien zu vermeiden.

Mythos 5: "Ich bin allergisch gegen Hunde und Katzen, aber ich darf hypoallergene Rassen halten"

Wirklich hypoallergene Hunde oder Katzen, die Allergiker problemlos halten können, gibt es nach Auskunft des Allergologen leider nicht. Es sei nicht das Fell, das die Allergien auslöse, die Allergene würde vielmehr über den Speichel oder verschiedene Drüsen freigesetzt. Allerdings gebe es Züchtungen, auf die Allergiker weniger stark reagieren.

Mythos 6: Ich bin gegen Schalentiere allergisch und darf mich deshalb keinen bildgebenden Untersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln unterziehen"

"Jod ist kein Allergen und kann auch keines sein, da es im menschlichen Körper vorkommt", sagt Stukus dazu. Eine Allergie gegen Schalentiere habe nichts mit einer Reaktion auf Kontrastmittel zu tun, stellt er fest. Die Entstehung des Irrglaubens erklärt er damit, dass Ärzte fälschlicherweise einen Zusammenhang zwischen einer Allergie auf Schalentiere und Reaktionen auf jodhaltiges Kontrastmittel hergestellt hätten, da das Fleisch von Krebsen und anderen Schalentieren ebenfals jodhaltig ist. Damit ist eine Allergie auf Schalentiere kein Grund, eine notwendige Röntgenaufnahme oder Computertomografie (CT) abzulehnen.

Mythos 7: "Ich darf kein Brot essen, weil ich eine Glutenallergie habe"

Eine echte Allergie gegen Gluten, also eine heftige Überreaktion des Immunsystems gegen das in Getreide enthaltene Klebeeiweiß, ist laut Stukus extrem selten. Eher liegt eine Unverträglichkeit vor. Die meisten allergischen Reaktionen nach dem Genuss von glutenhaltigen Nahrungsmitteln seien auf Weizen zurückzuführen, erläutert der Allergologe. Viele selbsternannte Gluten-Allergiker würde ohne jeden medizinischen Grund glutenhaltige Lebensmittel meiden, so die Beobachtung des Experten.

13 Heuschnupfen-Mythen: wahr oder falsch?

Autor:
Letzte Aktualisierung: 22. November 2013
Quellen: "Defining Allergy Fact from Fiction" (Allergie-Fakten von -Mythen unterscheiden), Pressemeldung der Fachgesellschaft American College of Allergy, Asthma and Immunology (ACAAI) vom 07.11.2013

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