Unterstützung für Eltern

Mein Kind hat ADHS: Ratgeber für Eltern

Wenn die Diagnose ADHS das eigene Kind betrifft, geraten viele Eltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Häufig kann professionelle Unterstützung von außen helfen, um den Alltag mit ADHS zu meistern. Wichtig sind klare Strukturen, aber auch Liebe, Zuwendung, Verständnis und das richtige Maß an Lob.

Kind schaukelt
Kinder mit ADHS brauchen Möglichkeiten, ihrem Bewegungsdrang auszuleben.
Thinkstock

Wenn der eigene Nachwuchs ADHS hat, dann bedeutet das für die Eltern neben der Sorge um das Kind vor allem auch eine nervliche Zerreißprobe. Egal ob es das Zähneputzen, Hausaufgabenmachen oder Zubettgehen betrifft – alltägliche Vorgänge werden häufig zum Kampf. Kein Wunder, dass viele Eltern hier an ihre Grenzen stoßen.

Hinzu kommen die bohrenden Blicke der anderen, wenn sich das Kind in der Öffentlichkeit auffällig verhält und das Gefühl, selbst etwas falsch zu machen.

Diagnose und optimale ADHS-Behandlung als Basis

Eine gesicherte Diagnose ADHS ist oft der erste Schritt, um den Eltern etwas von der Belastung zu nehmen und ihnen klar zu machen: "Nicht ich habe Schuld – mein Kind ist krank und leidet darunter!" Quälende Selbstzweifel können so häufig nach Jahren endlich abgeschüttelt werden. Doch die aktive Mitarbeit der Eltern ist besonders gefordert: Sie müssen den Rahmen dafür schaffen, dass sie und ihr Kind mit der Diagnose ADHS umgehen und leben können.

Die Basis für das Leben mit einem an ADHS erkrankten Kind ist eine individuell angepasste Behandlung. Hierbei spielen als Therapie-Bausteine spezielle Medikamente, Verhaltenstraining sowie psychotherapeutische Maßnahmen eine Rolle.

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Was die Eltern für ihr Kind mit ADHS tun können

Daneben sind die Eltern für Kinder mit ADHS die wichtigste Stütze. Doch wie kann man selbst eine Stütze sein, wenn einen der Stress und die vielen täglichen Konfliktsituationen immer wieder an die Grenze der eigenen Belastbarkeit bringen? Was, wenn man selbst nicht weiter weiß und einfach die Geduld verliert? Es gibt einige grundregelnde Tipps, die Eltern von an ADHS erkrankten Kindern berücksichtigen können, um den Alltag besser zu gestalten.

Tipp 1: Regeln erarbeiten

Eines der Hauptprobleme bei ADHS ist die Reizüberflutung. Die Kinder können die auf sie einströmenden Reize häufig nicht richtig einordnen und es fällt ihnen besonders schwer, Prioritäten richtig zu setzen. Umso wichtiger ist es, ADHS-Kindern klare Regeln und Strukturen vorzugeben. Natürlich können Sie diese Regeln gemeinsam mit Ihren Kindern erarbeiten.

Vermitteln Sie dem Kind auch, dass das Regelverstöße nicht ohne Konsequenzen bleiben. Überfrachten Sie aber den Alltag nicht mit Prinzipen und Paragraphen: Setzen Sie Prioritäten und heben Sie auf verständliche Weise hervor, was Ihnen am Herzen liegt. Sprechen Sie darüber auch mit Ihrem Partner, schließlich sollten Sie Geschlossenheit im Auftreten gegenüber Ihrem Kind vermitteln.

Wichtige Regeln können sein:

  • Alle bleiben während einer Mahlzeit am Tisch ruhig sitzen.
  • Geschwister werden nicht geschlagen oder an den Haaren gezogen.
  • Nach 20 Uhr wird nicht mehr ferngesehen.

Tipp 2: Den Tag strukturieren

Ebenso wichtig wie Regeln ist auch ein strukturierter Tagesablauf. Alles, was Gewohnheit vermittelt, schafft gleichzeitig auch ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe – und das ist gerade für von ADHS betroffene Kinder von zentraler Bedeutung.

Beispiele für Strukturen im Tagesablauf

  • Nach dem Mittagessen ist eine Stunde Zeit zum Spielen.
  • Am Nachmittag werden von 14 bis 16 Uhr Hausaufgaben erledigt.
  • Am Abend gibt es eine Gute-Nacht-Geschichte.
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Tipp 3: Immer wieder loben

Natürlich liegt es bei ADHS nahe, auf die nächste Konfliktsituation geradezu vorprogrammiert zu sein. Es gibt ja auch immer wieder genügend Gründe für Ärger. Doch Vorsicht – versuchen Sie, Ihre Perspektive ein wenig zu korrigieren. Achten Sie auf die positiven Verhaltensweisen und loben Sie Ihr Kind immer wieder ganz bewusst. Das gibt nicht nur Ihrem Kind, sondern auch Ihnen ein gutes Gefühl.

Tipp 4: Dem Bewegungsdrang Raum geben

Kleine ADHS-Patienten brauchen Regeln und klare Strukturen, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, ihrem Bewegungsdrang nachzugeben. Schließlich sitzt kein Kind gerne still – und Kinder mit ADHS weniger. Während also zu bestimmten Anlässen wie zum Beispiel am Mittagstisch oder beim Hausaufgabenmachen das Stillsitzen durchaus trainiert werden sollte, gilt es gleichzeitig, genügend Gelegenheiten fürs Austoben zu bieten, um eine gesunde Balance zwischen Ruhe und Bewegung herzustellen.

Auch bestimmte, regelmäßig ausgeübte Sportarten wie zum Beispiel Fußball oder Handball bieten sich bei ADHS an – Aufmerksamkeit und Gedächtnis bessern sich durch Bewegung. Zusätzlich wird bei solchen Team-Sportarten auch die Integrationsfähigkeit Ihres Kindes geschult. Liegen motorische Störungen vor, können auch spezielle Angebote wie beispielsweise therapeutisches Reiten genutzt werden. Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt über die verschiedenen Möglichkeiten.

Tipp 5: Von Reizen abschirmen

Eine reizarme Umgebung kann therapeutische Maßnahmen untersützen. Nach dem Konzept der Snoezelräume kann man zu Hause eine Zimmerecke oder das gesamte Kinderzimmer so gestalten, dass das Kind zur Ruhe kommt. Ausstattungsgegenstände, die die Sinne ansprechen, sollten reduziert werden. Stattdessen bildet eine Kuschelecke mit Decken und leiser Musik einen Kontrast zum hektischen Alltag. Die bewusst eingesetzte Ruhe kann – kombiniert mit Zuwendung – Verhaltensstörungen reduzieren und Medikamente mitunter überflüssig machen.

Tipp 6: Liebe und Zuwendung zeigen

Nicht zuletzt zählt im Umgang mit einem an ADHS erkrankten Kind vor allem eines: Liebe und Zuwendung. Und genau das kann mitunter schwer sein. Zu sehr strapaziert die Situation die Nerven, zu häufig gab es Konfliktsituationen oder sogar dazu, dass bestimmte Situationen eskalieren. Machen Sie sich also immer wieder die positiven Seiten Ihres Kindes bewusst. Wo liegen seine Stärken? Welche unverwechselbaren Charakterzüge zeichnen Ihr Kind aus und machen es so einzigartig?

Tipp 7: Auf die richtige Ernährung achten

Fettes Essen liegt schwer im Magen und erschwert die Konzentration. Was für Arbeitnehmer und den Gang in die Kantine gilt, trifft auch für Kinder zu. Auch hier sollte leichte, ausgewogene Kost auf dem Programm stehen. Achten Sie auf die richtigen Nährstoffe. Vitamine und Mineralstoffe dürfen für eine gesunde Basis-Ernährung nicht fehlen.

Professionelle Unterstützung für Eltern von ADHS-Kindern

Auch Eltern von ADHS-Kindern brauchen oft professionelle Unterstützung von Sozialpädagogen oder anderen Experten. In Elterntrainings lernen Betroffene gemeinsam mit Gleichgesinnten unter Anleitung eines Coachs, typische Konfliktsituationen zu meistern. In solchen Trainings geht es nicht zuletzt auch darum, wieder die guten Seiten an dem kleinen "Störenfried" in den Mittelpunkt zu rücken.

Andere Eltern wünschen sich einen qualifizierten Elterntrainer, der nach Hause kommt und die individuelle Situation entsprechend beurteilt und praktische Tipps gibt. Egal wofür Sie sich entscheiden – nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie sich diese Unterstützung wünschen.

Die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen

Ein wesentlicher Punkt am Schluss: Denken Sie auch an sich selbst! Nicht selten geraten Eltern von ADHS-Kindern in die Burnout-Falle. Dann können Sie Ihren Kindern nicht den Halt geben, der so dringend benötigt wird. Insofern gilt: Gönnen Sie sich Auszeiten und machen Sie das, was Ihnen Spaß macht.

Dafür ist Unterstützung nötig. Vielleicht ist Ihre Mutter, die Schwiegermutter oder auch die beste Freundin bereit, sich ein paar Stunden um den Nachwuchs zu kümmern? Versuchen Sie es und sprechen Sie Ihren Wunsch offen an. Natürlich ist es dann wichtig, auch die Aufsichtsperson über das Krankheitsbild ADHS sowie einige grundlegende Regeln zu informieren.

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Letzte Aktualisierung: 27. April 2017