Know How bei der Diagnosefindung

Zappelphilipp-Syndrom: Diagnose von ADHS

Ärztin mit Kind auf dem Arm
Für die Diagnose von ADHS ist ein hohes Maß an Professionalität auf Seiten des Arztes gefragt.
Thinkstock

Körperliche Untersuchungen sowie die Abarbeitung eines ausführlichen Fragenkatalogs zählen zu den Diagnosemöglichkeiten bei ADHS – hier sind vor allem die Erfahrung des behandelnden Arztes sowie die Mitarbeit der Eltern gefragt.

Die Diagnose ADHS wird meist im Vorschulalter oder im Grundschulalter gestellt. Der eindeutigen Diagnose von ADHS gehen dabei häufig vage Vermutungen voraus. Eltern bemerken an ihren Kindern des Öfteren, dass sie besonders unruhig sind, in der Schule auffallen oder schlechte Noten nach Hause bringen, dass sie sich einfach nicht konzentrieren können oder auch, dass sie häufig zu Wutausbrüchen neigen. Doch ist das nicht bei vielen Kindern so? Bedeutet dieses Verhalten sofort die Diagnose Zappelphilipp-Syndrom? Tatsächlich ist die Diagnosefindung von ADHS nicht ganz einfach. Es fehlt schlichtweg ein eindeutiges Indiz wie beispielsweise ein Laborwert, der die Frage „ADHS: Ja oder Nein?“ zuverlässig beantworten würde.

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Und dennoch: Es gibt Möglichkeiten, die Störung ADHS eindeutig zu diagnostizieren. Dafür ist allerdings ein hohes Maß an Professionalität auf Seiten des Arztes (Kinder- und Jugendarzt, Psychologe, Psycholtherapeut) gefragt, der bei Verdacht auf ADHS eine umfassende Untersuchung und Befragung auf Basis eines international anerkannten Klassifikationsschemas durchführen wird.

Das Verhalten erkunden

Basis der Diagnosestellung ist ein umfassendes und intensives Gespräch, das ADHS typische Verhaltensauffälligkeiten ergründen soll. Handelt es sich bei dem Patienten um ein Kind, ist hier die aktive Mitarbeit der Eltern gefragt. Fremd- und Selbsteinschätzung spielen hier eine wichtige Rolle. Auch Einschätzungen seitens der Lehrer können gefragt sein.

Insbesondere auf folgende Verhaltensauffälligkeiten wird bei der ADHS-Diagnosestellung ein Augenmerk gerichtet:

Aufmerksamkeit

Mögliche Fragen des Arztes (Beispiele):

  • Kommt es häufig zu Flüchtigkeitsfehlern bei Hausaufgaben oder auch Prüfungen?
  • Erscheint das Kind oft abwesend, auch wenn gerade ein Gespräch geführt wird?
  • Vergisst Ihr Kind häufig ganz alltägliche Aufgaben wie zum Beispiel das Zähneputzen oder Haare kämmen?
  • Reichen bereits geringe äußere Reize aus, um die Aufmerksamkeit des Kindes von einer eigentlich beabsichtigen Aufgabe abzulenken?

Hyperaktivität

Mögliche Fragen des Arztes (Beispiele):

  • Hat Ihr Kind ständigen Bewegungsdrang, z.B. auch dann, wenn alle anderen ruhig am Tisch sitzen?
  • Läuft Ihr Kind häufig umher oder macht "Radau", während alle anderen still sitzen – z.B. wenn ein Buch vorgelesen wird?
  • Will Ihr Kind am liebsten den ganzen Tag umhertoben – auch wenn es sich gerade erst Austoben konnte und zum Beispiel von einem Fußballspiel kommt?

Impulsivität

Mögliche Fragen des Arztes (Beispiele):

  • Redet Ihr Kind auch dann, wenn gerade andere Gespräche im Gang sind und diese nicht gestört werden sollten?
  • Neigt Ihr Kind generell dazu, andere zu stören?
  • Hat das Kind Probleme, etwas abzuwarten, z.B. beim Spielen?

Dies sind natürlich nur beispielhaft aufgeführte Fragen eines umfassenden Fragenkatalogs, der von Arzt zu Arzt immer ein wenig unterschiedlich ausfallen kann und die hier auch nur exemplarisch für die Diagnose ADHS bei Kindern aufgeführt werden sollen. Für die Diagnose ADHS steht jedoch fest, dass gewisse Symptome laut internationaler Richtlinien mindestens über einen Zeitraum eines halben Jahres in Erscheinung getreten sein müssen und dass diese Symptome bereits im Vorschulalter ihren Anfang genommen haben. Auch eine gewisse Abweichung von der altersüblichen Entwicklung eines Kindes spielt für die Diagnosestellung eine wichtige Rolle. Der Arzt wird sich in der Regel auch nach Begleitsymptomen wie zum Beispiel einer Lese- und Rechtschreibschwäche sowie Angststörungen und Depressionen oder Koordinationsstörungen erkundigen.

Auch die familiäre Situation und das soziale Umfeld werden durch den Arzt im Regelfall näher beleuchtet.

Weitere Diagnose-Methoden bei ADHS

Die Einschätzung des Verhaltens des Betroffenen ist die Grundlage, auf der die Diagnosestellung bei ADHS fußt. Hinzu kommen weitere Tests und Untersuchungen, durch die sich der Arzt ein möglichst umfassendes Bild des Patientenverschaffen kann.

Zum Beispiel:

  •     Körperliche Untersuchung (Körpergröße, Gewicht etc.)
  •     Blutdruckmessung
  •     Untersuchung des Hör- und Sehvermögens
  •     Laboruntersuchungen (z.B. Messung der Schilddrüsenwerte)
  •     Aufmerksamkeitstest
  •     Intelligenztest

ADHS: Und nun?

Für viele Eltern geht mit der Diagnose Zappelphilipp-Syndrom häufig eine lange Odyssee zu Ende. Der lang gehegte Verdacht ist Gewissheit. Vielleicht ist es auch eine Erleichterung, endlich eine Erklärung für das auffällige Verhalten des eigenen Kindes zu haben. Doch was nun? Wird es dadurch leichter?

Mit der gesicherten und frühzeitigen Diagnose von ADHS ist ein erster und wichtiger Schritt getan. Denn jetzt kann in Absprache mit dem Arzt und dem betroffenen Kind die individuell richtige Therapie Therapie eingeleitet werden. Darüber hinaus gibt es einige Grundregeln und Tipps, die Eltern im Umgang mit ihrem an ADHS erkrankten Kind beachten können, um den Alltag ein wenig leichter zu machen und sich selbst ein wenig die Last von den Schultern zu nehmen.

Hier geht´s zum großen Eltern-Ratgeber ADHS kranker Kinder.

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