Aktives oder hyperaktives Kind?

Wann ADS und ADHS für Eltern zum Thema wird

AD(H)S steht für Aufmerksamkeits-Defizit(-Hyperaktivitäts)-Störung

Der Zappelphilipp – Hauptfigur der gleichnamigen Geschichte aus Wilhelm Buschs Bilderbuch der Struwwelpeter – steht symbolisch für Kinder, die unter einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (kurz ADHS) leiden. Bekannt ist die Erkrankung deshalb auch als das Zappelphilipp-Syndrom und äußert sich bei Kindern durch ein unkonzentriertes sowie unruhiges Verhalten. So fällt es ihnen beispielsweise schwer, still zu sitzen oder sich auf eine Aufgabe über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren.

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Bundesgesundheitsblatt: Gesundheitsschutz 7/2014

Laut Untersuchungen nehme die Zahl der diagnostizierten Fälle deutlich zu. So sei in allen Altersgruppen nach Ergebnissen des Barmer GEK Arztreports 2013 zwischen 2006 und 2011 ein Anstieg von fast 50 Prozent ermittelt worden. Die Aufmerksamkeit der Krankheit in den Medien ist entsprechend groß und Eltern schlagen entsprechend Alarm, deutet sich Hyperaktivität beim Kind nur ansatzweise an. Allerdings ist nicht klar, ob eine derzeit unerklärliche Ursache für den Anstieg der diagnostizierten Fälle in den letzten Jahren verantwortlich ist oder ob schlichtweg zu leichtfertig eine Diagnose gestellt wird. Dass Letzteres für ein Kind fatale Folgen haben kann, lässt sich allein durch die unnötige Einnahme von starken Medikamenten wie Ritalin begründen.

Unbegründet ist ein kritischer Blick auf die diagnostizierten Fälle wohl nicht, wird beispielsweise Würzburg, von Medien als „ADHS-Welthauptstadt“ betitelt, betrachtet. Hier liegt die Diagnoserate deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Interessanterweise befindet sich im Universitätsklinikum der Stadt aber auch eine Spezialambulanz für ADHS. Entsprechend steigt dieUnsicherheit bei Familien und die Frage stellt sich, wann der Gang zum Arzt mit dem Kind wirklich notwendig wird.

Betroffene mit ambulanter F90-Diagnose

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Betroffene je 1.000 Personen
BARMER GEK-Daten 2006, Arztreport 2013, Seite 144

Was konkret sind ADHS und ADS?

Bevor Eltern mit dem Kind zum Arzt gehen, sollte sich zunächst umfassend über AD(H)S informiert werden. Schließlich handelt es sich bei AD(H)S um keine temporäre Erkrankung wie eine Grippe, sondern um eine anhaltende Funktionsstörung im Hirn, die bei positiver Diagnose den Alltag der Familie nachhaltig ändern wird. Mit diesem Bewusstsein sind Definition, Diagnoseform und auch Unterschiede kritisch zu hinterfragen. Erst nach Wissensaneignung sollten Eltern ihre Kinder bei Verdacht auf AD(H)S beobachten, um die zentralen Verhaltensweisen auch zu erkennen oder ausschließen zu können.

ADHS-Definition der Bundesärztekammer

„Über die Symptome Unaufmerksamkeit, motorische Unruhe und Impulsivität wird eine Gruppe von Störungsbildern definiert, die in den gebräuchlichen Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM IV als Hyperkinetischen Störungen (HKS) bzw. Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) detailliert beschrieben und mit diagnostischen Kriterien versehen werden. […]“

ADHS fällt unter die neurobiologischen Funktionsstörungen des Gehirns, welche durch psychologische Diagnoseformen erkannt werden. Weltweit verwendet und bewährt haben sich für die Diagnose die Nutzung verschiedener Klassifikationssysteme, wie die von der Weltgesundheitsorganisation WHO definierte ICD-10 (International Classification of Diseases) oder das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders). Beide Systeme klassifizieren im Grunde verschiedene Auffälligkeiten bzw. Merkmale wie beispielsweise Verhaltensstörungen oder Entwicklungsstörungen in Bereichs-Gruppen. Je nachdem, ob ein Kind Auffälligkeiten in den drei Hauptmerkmalen für ADHS aufzeigt, kann eine Diagnose gestellt werden. Zu den Hauptmerkmalen zählen:
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Unterscheidung: ADS und ADHS

Nicht gleichzusetzen sind die Begrifflichkeiten ADHS und ADS. In beiden Fällen handelt es sich zwar um das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, dennoch verfügen beide Varianten sowohl über unterschiedliche Symptome als auch Verhaltensauffälligkeiten. Gemein haben ADS und ADHS, dass es sich jeweils um eine Funktionsstörung im Hirn handelt, welche sich in einer ungefilterten Informationsverarbeitung äußert. Emotionen und Erlebtes werden entsprechend intensiver von den Kindern wahrgenommen.

Der Unterschied liegt hingegen in der von außen wahrnehmbaren Hyperaktivität, was sich bereits aus den Begriffen herauslesen lässt. Von ADS betroffene Kinder wirken meist eher ruhig, stören kaum im Unterricht, sind aber trotzdem nicht bei der Sache, sondern scheinen vielmehr in ihren Träumen und Gedanken versunken. Auch sie haben Probleme, sich zu konzentrieren. ADHS-Kinder sind in ihrem Verhalten hingegen sehr auffällig, werden nicht selten als sehr anstrengend oder sogar aggressiv empfunden. Genauer betrachtet, leiden aber auch ADS-Kinder unter Hyperaktivität, allerdings nur in ihren Gedanken, nicht nach außen hin. Trotz vieler Gemeinsamkeiten sind beide Formen unterschiedlich zu diagnostizieren und auch zu behandeln.

Die Symptome von ADHS und ADS

Ob das eigene Kind an AD(H)S leidet, können Eltern im Grunde an den typischen Symptomen für die Funktionsstörung festmachen. Allerdings sei im Vorfeld gesagt, dass in den wenigsten Fällen die Hinweise so eindeutig sind, dass Zweifel an der Laien-Diagnose außer Acht gelassen werden können. Aus diesem Grund sollten Eltern das jeweilige Kind beobachten sowie Erzieher, Lehrer, Freunde und Verwandte nach ihrer Meinung fragen. Zudem existieren geschlechtsspezifische Besonderheiten und die Unterscheidung von ADS- und ADHS-Symptomen ermöglicht eine verbesserte Einordnung.

Zappelphilipp oder Traumsuse: Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen

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Interessanterweise erhalten deutlich mehr Jungen, rund dreimal so viel, als Mädchen die Diagnose ADHS. Vermutet wird zum einen, dass Erbanlagen bei Jungen stärker zu ADHS tendieren. Zum anderen sei aber auch die Erziehung von Jungen ein möglicher Grund, wenn auch kein gravierender. Kritische Stimmen weisen allerdings darauf hin, dass deutlich mehr Jungen als Mädchen auch zum Psychologen geschickt werden, weil sie sich angeblich in der Kita oder in der Schule auffällig verhalten hätten. Hintergrund sei beispielsweise das weiblich geprägte Schulsystem in Deutschland. So prognostizieren Studien bereits jetzt, dass ein größerer Anteil an Mädchen das Abitur schaffe. Damit wird den Jungen bereits vor ihrem Abschluss ein Stempel auferlegt, wodurch sich Jungen in der Schule stärker beweisen müssen als Mädchen, so Kritikerstimmen. Auch der schrumpfende Anteil an männlichen Lehrkräften wird vielerorts als negativ angesehen, da männliche Vorbilder für die Jungen fehlen würden. Allerdings wehrt sich das Schulministerium vehement gegen solche Äußerungen und bezieht sich auf konkrete Beispiele, in denen sogar das Gegenteil der Fall ist.

Insgesamt betont das ADHS Infoportal aber, dass Jungen mit AD(H)S eher ein auffälliges und aggressives Verhalten als Symptome aufweisen. Mädchen hingegen mehr verträumt, melancholisch oder unsicher wirken.

Auffälligkeiten bei ADHS

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Wie bereits oben angemerkt, existieren Unterschiede zwischen ADS und ADHS, wobei sich viele Punkte überschneiden, aufgrund der Hyperaktivität aber weitere Symptome bei ADHS hinzukommen. So beschreibt es auch die Lernplattform tutoria, die des Weiteren betont, dass die verschiedenen Symptome in einer besonders ausgeprägten Form bei ADHS beobachtbar sind. Schließlich sei viel Bewegung typisch für ein kindliches Verhalten und zeugt nicht automatisch von Hyperaktivität. Zusätzlich zu den ADS-typischen Verhaltensweisen kommen bei ADHS folgende Symptome laut der Lernplattform hinzu:

  • Unruhige Bewegungen
  • Ruheloses Verhalten
  • Abrupte Bewegungen und ein ausgeprägter Bewegungsdrang
  • Starke Gestikulieren beim Reden

Auffälligkeiten bei ADS

Der Verein ADHS Deutschland beschreibt auf seiner Webseite eine Vielzahl an möglichen Symptomen für ADS, die bei näherer Betrachtung die Schwierigkeit einer konkreten Diagnose verdeutlichen. Viele „Auffälligkeiten“ können genauso gut erblich bedingt sein oder aus der jeweiligen Erziehung der Kinder resultieren. Eine intensive und möglichst objektive Beobachtung des Kindes ist damit unablässig, um falsche Diagnosen zu vermeiden.

Fragebogen für Eltern

Welche Aussagen treffen
 auf Ihr Kind zu?

Konzentrationsfähigkeit Das ADS-Kind ist sehr unkonzentriert und es fällt ihm schwer, Aufgaben in einem Zug zu erledigen. Ausnahme ist hingegen, wenn sich das Kind für eine Thematik sehr interessiert. In diesem Fall kann es Stunden am Stück an einer Aufgabe verbringen.  
Motorik Hände und Füße scheinen ständig in Bewegung zu sein, vor allem auch beim Reden. Dennoch sind die Bewegungen nicht vergleichbar mit denen eines ADHS-Kindes. Typisch sind aber auch Probleme beim Schreiben und Zeichnen, fließende Bewegungen fallen schwer, so dass Buchstaben und Zahlen sehr zackig wirken.  
Aufmerksamkeit Das Kind ist ständig abgelenkt und in Gedanken versunken.  
Konversation Vielen Betroffenen fällt die Artikulation mit anderen Personen schwer, weshalb sie sich schnell zurückziehen.  
Emotionalität ADS-Kinder sind sehr gefühlsbetont und sensibel, reagieren auch schnell emotional auf Situationen und Ereignisse.  
Aufnahmefähigkeit Aufgrund der vielen Eindrücke, die ungefiltert auf das Kind einwirken, wirkt die Aufnahmefähigkeit eingeschränkt, wobei AD(H)S-Kinder nicht weniger intelligent sind. Dennoch benötigen sie unverhältnismäßig länger bei Hausaufgaben oder beim Erlernen neuer Handlungsabläufe.  
Informationsverarbeitung Eine ungefilterte Informationsaufnahme bedeutet zumindest auch Überforderung, da Wichtiges von Unwichtigem nicht unterschieden werden kann.  
Kreativität Die neurobiologische Funktionsstörung im Hirn bewirkt oftmals die Herausbildung von kreativen Talenten. So seien viele AD(H)S-Kinder sehr fantasievoll und haben ein ausgeprägtes bildliches Gedächtnis.  
Sozialer Umgang ADS-Kinder gelten als sehr hilfsbereit und verfügen über die Fähigkeit, Menschen schnell und gut einschätzen zu können.  
Agressivität Nicht selten verfügen betroffene Kinder auch über eine latente Aggressivität dahingehend, dass sie sich schnell über Kleinigkeiten aufregen und Stimmungsschwankungen unterworfen sind.  

Diagnose kritisch hinterfragen

Mittlerweile gibt es Studien, die belegen, dass ein nicht unerheblicher Teil der diagnostizierten AD(H)S-Fälle Falschdiagnosen sind. Dies trifft vor allem nach einer Untersuchung von Bruchmüller aus dem Jahr 2012 auf fälschlicherweise positiv diagnostizierte Fälle zu. Die Zahl der fälschlicherweise negativen AD(H)S-Diagnosen sei deutlich geringer in der Anzahl. Problem sieht Bruchmüller in den „prototypischen“ Kriterien, die der Diagnose untergeordnet sind. Viele Ärzte verließen sich zu sehr auf ihre Intuition und nutzen zu wenig bestehende Daten. Aber auch das Denken in Kategorien sei laut Fachleuten zu unflexibel, um solch eine gravierende Entscheidung zu treffen.

Bedenken sollten Eltern, dass nicht jedes abweichende Verhalten von der Norm automatisch eine Funktionsstörung im Hirn als Ursache hat. Auch kritische Ereignisse oder Traumata lösen Verhaltensänderungen aus. Nicht selten handelt es sich beispielsweise bei Schulkindern schlicht weg um eine wachsende Überforderung in einer zunehmenden leistungsorientierten Gesellschaft. Gerade Eltern lassen sich schnell verunsichern, lastet auf ihnen doch der gesellschaftliche Druck, den Kindern ein "perfektes" Vorbild zu sein und ihnen gleichzeitig alle erdenklichen zukunftsweisenden Möglichkeiten zu eröffnen.

Letztlich sollten sich Eltern stets darüber bewusst sein, dass das, was als "normal" empfunden wird, von der Gesellschaft selbst definiert wird, nicht von der Natur.

Positive Diagnose, und nun? Antworten auf häufig gestellte Fragen

Sollten mindestens drei der genannten Symptome tatsächlich in ausprägsamer Weise beim Kind beobachtet und eventuell auch von Dritten bestätigt worden sein, ist Hilfe von fachlicher Seite unausweichlich. Die Diagnose selbst stellt dabei ein längeres Unterfangen dar, da der Fachmann das Kind über einen längeren Zeitraum auf bestimmte Merkmale beobachtet und auch untersucht. Nicht selten zählen folgende Untersuchungen und Tests zur Diagnostik:

  • Untersuchungen der motorischen und neurologischen Fähigkeiten
  • Laboranalysen
  • Fragebögen zu unterschiedlichen Themen wie schulische Leistungen, familiäres Umfeld und weiteres
  • Meinungen Dritter wie beispielsweise Einschätzungen der Lehrer oder Erzieher

Erst wenn eine sichere Diagnose AD(H)S bestätigt ist, sind entsprechende Maßnahmen und individuelle Therapiekonzepte mit dem jeweiligen Arzt zu entwickeln.

Leben mit ADHS: Lukas letzte Chance

Unabhängig von der jeweiligen Ausprägung der Krankheit steht mit der positiven Diagnose für Familien ein veränderter Alltag fest. Nicht selten sind Eltern trotz Mutmaßungen zunächst ratlos und fühlen sich mit der Situation überfordert. Aus diesem Grund soll folglich die Beantwortung häufig gestellter Fragen zum Thema AD(H)S eine kleine Hilfestellung leisten.

Was Eltern von ADHS-Kindern tun können

Betroffene Eltern sollten sich stets darüber im Klaren sein, dass ihr Kind deutlich mehr Einflüsse wahrnimmt als andere Kinder. Entsprechend kann es helfen, dem Kind Struktur und Routine zu ermöglichen, um den Alltag leichter zu gestalten. Hier können einfache Tagespläne erstellt werden. Weiterhin wichtig ist, dass sich Eltern selbst an aufgestellte Regeln halten. Nur so lässt sich die Bedeutung der Regeln glaubhaft dem Kind beibringen. Kinder mit ADHS, also einer ausgeprägten Hyperaktivität, sollten ausreichend Möglichkeiten für ihren Bewegungsdrang erhalten. AD(H)S-Betroffene benötigen zudem viel Zuneigung aufgrund der ausgeprägten Emotionalität. Letztlich ist ein aufmerksamer Umgang mit dem Kind sehr wichtig, was beispielsweise durch Wertung (Loben und Tadeln) erfolgen kann.

So wird ADHS behandelt

Die Behandlungsformen können grundsätzlich sehr unterschiedlich aussehen und hängen vom Individuum selbst und von der Ausprägung der Krankheit ab. Bei ADS lautet das allgemeine Ziel nach Dr. Helga Simchen:

"Das Therapieziel ist, den betroffenen Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, dass sie uneingeschränkt über ihre vorhandenen Fähigkeiten verfügen können. Dazu wird nach eingehender Diagnostik mit den Betroffenen und deren Eltern ein individuelles Therapieprogramm aufgestellt, dessen Grundlage eine multimodal angelegte, aber individuell ausgerichtete Behandlung ist […]."

Der multimodale Therapieansatz wird auch bei ADHS angesetzt, die Behandlung erfolgt zumeist ambulant. Neben Beratungen, verhaltenstherapeutischen Behandlungen, Physiotherapie-Sitzungen ist auch die Behandlung mit entsprechenden Medikamenten Teil der ganzheitlichen Therapie.

Wie gefährlich ist Ritalin?

Ritalin - ein höchst umstrittenes Medikament - ist laut amerikanischen Untersuchungen vergleichbar mit Kokain und Heroin, was die Wahrscheinlichkeit, abhängig zu werden, betrifft. Entscheidend bei Ritalin ist der Wirkstoff Methylphenidat, der eine stimulierende Wirkung auf den Anwender hat. Aus diesem Grund wird es auch gern als Aufputschmittel missbraucht. Nicht nur die Wirkung des Medikaments ist zu beachten, sondern auch die Nebenwirkungen. So kann, um nur einige Beispiele zu nennen, eine Langzeitanwendung bei Kindern zu Wachstumsproblemen führen oder das Herz-Kreislauf-System durcheinanderbringen. Trotz der Risiken verweisen viele Ärzte aber darauf, dass bei akuten Symptomen von ADHS Ritalin der letzte Ausweg sein kann.

Zwingend erforderlich ist eine medikamentöse Behandlung aber nicht, sollten andere Therapiemaßnahmen erfolgreich sein.

Gibt es Heilungschancen?

Da es sich um eine Funktionsstörung im Gehirn handelt, ist AD(H)S auch nicht heilbar. Betroffene haben lediglich die Möglichkeit, ideale Voraussetzungen zu schaffen, um mit der Krankheit bestmöglich zu leben. Hierfür ist eine umfassende Therapie essentiell, die nicht nur die Symptome unterdrückt, sondern in erster Linie die Talente der Betroffenen fördert und durch Trainingsprogramme den Umgang mit der Umwelt vereinfacht.

Welche Schule ist für das Kind geeignet?

Die Frage nach der richtigen Schule und auch der Zeit für die Einschulung ist nicht leicht zu beantworten, schließlich sind die Kinder nicht weniger intelligent als "normale" Mitschüler. Ein weiteres Problem kann aber auch bei den Lehrkräften liegen, die mit den auffälligen Verhaltensweisen nicht richtig umgehen können, diese falsch interpretieren und somit den Schulalltag zusätzlich erschweren können. Da jede Schule für sich ganz individuelle Stärken und Schwächen besitzt, wird unter adhs-lebenswelt.de empfohlen, in jedem Fall ein ausführliches Gespräch mit Schulleiter und Lehrern voranzustellen. Dabei sollen Aspekte wie Erfahrungen mit AD(H)S, Meinungen zur Funktionsstörung, Unterrichtsstrukturen oder zusätzliche Beschäftigungsangebote thematisiert werden. Hilfreich kann hierzu die Erstellung einer entsprechenden Checkliste sein, um auch die Vor- und Nachteile alternativer Schulformen umfassend zu erörtern.

Wie leistungsfähig sind Kinder mit AD(H)S?

Auch wenn die Intelligenz mit anderen Kindern vergleichbar ist, sind bei der Leistungsfähigkeit von AD(H)S-Kindern Einschränkungen erkennbar. Allein die Impulsivität und das Sich-schwer-konzentrieren-können beeinträchtigen die jeweilige Leistung zu einem gewissen Grad. Hier kann durch gezielte Therapie aber Abhilfe geschaffen werden. Allein durch Sport können die kognitiven Fähigkeiten gestärkt werden, aber auch durch erlernte Routine-Mechanismen, die die Konzentrationsfähigkeit begünstigen.

Ist AD(H)S vererbbar?

Im Jahre 2010 haben britische Wissenschaftler erstmals einen nachweislichen Zusammenhang zwischen AD(H)S und genetischen Ursachen gefunden. So seien im Erbgut von „normalen“ und AD(H)S-Kindern eindeutige Unterschiede festgestellt worden. Auch ältere Studien fanden bereits Hinweise darauf, dass AD(H)S zu einem gewissen Teil vererbbar ist, denn verfügt ein Elternteil über das Syndrom, wird auch das Kind mit einer rund 50 prozentigen Wahrscheinlichkeit AD(H)S besitzen – so die Vermutungen. Trotz der möglichen genetischen Ursachen bedingen die Umwelteinflüsse aber maßgeblich die jeweilige Ausprägung von AD(H)S. Entsprechend reicht es nicht aus, nach einer Ursache zu suchen, dafür ist das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom zu komplex.

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Autor: lifeline
Letzte Aktualisierung: 23. März 2015
Durch: ag / lifeline
Quellen: Zitat Dr. Helga Simchen: http://gesundheitsseiten.de/start.php?nas=l,0400,0063&thema=ADS/ohne Fragebogen für Eltern: Darstellung anch Informationen von Dr. Helga Simchen (http://www.adhs-deutschland.de/Home/ADHS/ADHS-ADS/Das-Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom-ohne-Hyperaktivitaet.aspx)

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