Häufiges Symptom im Alter

Vergesslichkeit

Dass man hin und wieder etwas vergisst, ist normal. Es gibt aber auch krankhafte Formen – lesen Sie mehr zu Ursachen und Behandlung von Vergesslichkeit.

vergesslichkeit
Die „normale“ Vergesslichkeit kann mit steigendem Alter etwas zunehmen.
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Vergesslichkeit ist ein Phänomen, das wohl jeder kennt. Wem ist es nicht schon passiert, dass er etwas verlegt, einen Namen nicht mehr erinnert oder einen Termin verschwitzt hat. Bis zu einem gewissen Grad ist dies völlig normal. Besonders wenn ungünstige Einflüsse wie z.B. Stress und zu wenig Schlaf ins Spiel kommen, steigt das Risiko, dass selbst Organisationstalente mal etwas vergessen.

Leicht zunehmende Vergesslichkeit im Alter ist normal!

Die „normale“ Vergesslichkeit kann mit steigendem Alter etwas zunehmen. Das liegt ganz einfach daran, dass manche biologische Vorgänge im Alter verlangsamt ablaufen. Solange keine weiteren Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit hinzukommen, ist dies noch kein Grund zur Sorge.

Eine Gedächtnisstörung bzw. die krankhafte Vergesslichkeit - auch im Alter - ist mehr. Von ihr ist auszugehen, wenn sich die individuelle Gedächtnisleistung stark verschlechtert hat, sodass sich deutliche Einschränkungen im Alltag, z.B. beim Einkaufen, bei der Hausarbeit oder beim Wahrnehmen von Terminen ergeben.

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Eine umfassendere Symptomatik liegt bei einer Demenzerkrankung (also einer organischen Hirnerkrankung wie z.B. Alzheimer) vor, bei der charakteristischerweise weitere geistige Fähigkeiten wie z.B. Konzentrationsvermögen, Orientierungssinn und/oder Lernfähigkeit beeinträchtigt sind. Häufig geht eine Demenz auch mit Persönlichkeitsveränderungen einher. Betroffene sind womöglich reizbarer, aggressiver oder ängstlicher als früher. Typisch für eine Demenz ist ferner ein fortschreitender Krankheitsverlauf. In der Regel tritt eine Demenzerkrankung eher im höheren Lebensalter auf.

Geächtnisprobleme betreffen auch junge Menschen

Krankhafte Vergesslichkeit ist jedoch kein ausschließliches Problem des Alters. Auch jüngere Menschen können von einer Gedächtnisstörung betroffen sein. Als Ursachen kommen neben den sogenannten primären Demenzerkrankungen wie z.B. Alzheimer auch andere organische und psychische Ursachen sowie Alkoholmissbrauch und Medikamente in Betracht. Schädigungen können sich aber mitunter durch eine angemessene Behandlung wieder zurückbilden.

Eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung und Behandlung durch den Arzt sind häufig ausschlaggebend. Demenzerkrankungen wie Alzheimer lassen sich zwar nicht heilen, können aber durch Medikamente teils günstig in ihrem Verlauf beeinflusst werden. Daher ist es in jedem Fall wichtig, zum Arzt zu gehen, wenn übermäßige Vergesslichkeit auftritt bzw. nicht nur vorübergehend besteht.

Vergesslichkeit: Diese Ursachen kommen infrage

Vergesslichkeit kann verschiedene Ursachen haben. In gewissem Rahmen ist sie eine ganz normale Reaktion des Gehirns, z.B. in Stressphasen. Vergesslichkeit kann sich ferner mit zunehmendem Alter ohne Krankheitswert etwas verstärken oder das Resultat krankhafter Veränderungen sein.

Krankhafte Vergesslichkeit kann folgende Ursachen haben:

Demenz-Erkrankungen, also Erkrankungen, bei denen es zu einer fortschreitenden Beeinträchtigung geistiger Fähigkeiten kommt. Zum Beispiel:

  • Alzheimer
  • Vaskuläre Demenz, also Demenz durch Arterienverkalkung an den kleinen Gehirnarterien als Folge von anhaltendem Bluthochdruck
  • Gemischte Demenz: gemeinsames Auftreten von Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz
  • Lewy-Körperchen-Demenz bedingt durch spezielle strukturelle Veränderungen des Gehirns durch Eiweißablagerungen in bestimmten Nervenzellen. Die Lewy-Körperchen-Demenz kann sowohl als eigenständige Erkrankung als auch im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung auftreten.

Weitere Ursachen für Gedächtnis- und andere Leistungsstörungen des Gehirns, die sich bei rechtzeitiger Behandlung mitunter auch zurückbilden können, sind z.B.

Leichte Gedächtnisstörungen sind noch keine Demenz

Demenzerkrankungen, insbesondere Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenzen, sind häufige Alterskrankheiten. Etwa 1,5 Prozent der 65- bis 69-Jährigen und bereits 30 Prozent der über 90-Jährigen sowie 60 Prozent der über 100-Jährigen sind von einer Demenz-Erkrankung betroffen. Viele ältere Menschen denken daher sofort an Demenz, wenn sie hin und wieder etwas vergessen. Doch vor allem leichte kognitive Störungen sind häufig die Folge normaler Alterungs- und Abbauprozesse und müssen nicht sofort auf Demenz hindeuten.

Wichtig zu wissen ist auch, dass derartige leichte, alterungsbedingte Gedächtnisstörungen häufig konstant bestehen bleiben, ohne sich weiter zu verschlechtern. Mitunter kann eine im Alter auftretende Vergesslichkeit auch in Zusammenhang mit einer Depression, Mangelerscheinungen oder auch bestimmten Medikamenten stehen. Insofern ist die Angst vor Demenz in vielen Fällen unbegründet und die Vergesslichkeit häufig ganz anderen Ursprungs, der ggf. auch wieder behoben werden kann.

Allerdings: Eine Demenz-Erkrankung beginnt nicht selten mit zunächst gelegentlichen Gedächtnisstörungen. Insofern ist eine ärztliche Abklärung im Zweifelsfall bzw. gerade bei gehäuftem Auftreten von Problemen mit dem Erinnerungsvermögen sowie möglichen Begleitsymptomen wie z.B. Orientierungsproblemen, Sprach- und Schreibstörungen oder zunehmender Aggressivität grundsätzlich der richtige Weg. Hier ist auch die Unterstützung von Familie und Freunden gefragt.

Vergesslichkeit: So läuft die Diagnose beim Arzt ab

Für die Diagnose gilt: Bei Hinweisen auf eine krankhafte Vergesslichkeit sollte möglichst frühzeitig ein Arzt konsultiert werden. Denn je früher eine entsprechende Therapie bei krankheitsbedingter Vergesslichkeit eingeleitet wird, desto besser sind meist die Erfolgsaussichten. Auch primäre Demenz-Erkrankungen wie die Alzheimer-Demenz lassen sich durch eine möglichst frühe adäquate Behandlung positiv beeinflussen.

Anamnese (Arztgespräch) und Tests bei Vergesslichkeit

Bestandteil der Diagnostik sind das ausführliche Patientengespräch (Anamnese) sowie die Befragung Angehöriger und enger Bezugspersonen (Fremdanamnese). Dabei erkundigt sich der Arzt nach Beginn, Verlauf und Begleitumständen der Vergesslichkeit sowie möglichen weiteren Symptomen. Zu den wichtigsten Fragen zählen:

  • Hat sich die Vergesslichkeit beispielsweise langsam oder plötzlich entwickelt?

  • Gibt es weitere Beschwerden wie z.B. Kopfschmerzen oder Wahnvorstellungen?

  • Liegen neben der Gedächtnisstörung auch psychische Auffälligkeiten wie Traurigkeit und Niedergeschlagenheit vor?

  • Wurden Wesensveränderungen wie z.B. Aggressivität oder eine verstärkte Ängstlichkeit beobachtet?

  • Haben sich Alltagsaktivitäten und Tagesablauf (z.B. Schlafverhalten, Essverhalten, soziale Kontakte) verändert bzw. sind die Alltagsaktivitäten (z.B. Einkaufen, Hausarbeit, ggf. Job) durch die Vergesslichkeit und weitere Symptome eingeschränkt?

  • Wie oft wird Alkohol konsumiert und werden Medikamente eingenommen?

  • Sind Grunderkrankungen bekannt oder gab es kürzlich Infektionen, Unfälle oder Gehirnverletzungen?

  • Gibt es in der Familiengeschichte Demenzerkrankungen?

Weitere Maßnahmen im Rahmen der Basisdiagnostik

Neben Anamnese und Fremdanamnese gehören die körperliche Untersuchung des Patienten sowie neuropsychologische Tests zur Feststellung der Ausprägung von Gedächtnis- und anderen Gehirnleistungsstörungen, eine Blutabnahme, Laboruntersuchungen sowie bildgebende Verfahren zur Darstellung des Gehirns wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) zu den Maßnahmen, die der Arzt in der Regel durchführen wird.

Zusätzliche Untersuchungen bei Vergesslichkeit

Wenn nach den Basisuntersuchungen noch keine Aussage zur Ursache der Gedächtnisstörungen möglich ist, können je nach Ausgangsverdacht weitere Untersuchungen folgen, z.B.:

  • Spezielle bildgebende Verfahren zur Darstellung der Gehirnfunktion, z.B. Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

  • Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion)

  • Messungen der elektrischen Aktivität des Gehirns mittels Elektroenzephalografie (EEG)

  • Ultraschalluntersuchungen der gehirnversorgenden Gefäße (Doppler- und Duplexsonografie)

  • Untersuchung der Dopamintransporter (DAT) zum Nachweis eines eventuellen Verlusts spezieller sogenannter dopaminerger Nervenzellen mittels Single-Photon-Emissions-Computertomographie (SPECT)

  • Psychologische Tests

  • Psychiatrische Untersuchungen

Behandlung von Vergesslichkeit: Diese Therapie-Optionen stehen zur Verfügung

Die Therapie bei krankhafter Vergesslichkeit richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und kann in unterschiedlichem Maße zu einer Verbesserung der Lebensqualität bis hin zur vollständigen Wiederherstellung der Gedächtnisfunktion beitragen.

Medikamentöse Therapie krankhafter Vergesslichkeit

Zu den pflanzlichen Nootropika (Medikamente zur Verbesserung der Hirnleistung) zählen Ginkgo-Extrakte, die bei bestimmten Formen von Hirnleistungsstörungen (mit Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Ohrensausen) zum Einsatz kommen können.

Eine spezifische medikamentöse Therapie mit sogenannten Antidementiva (z.B. Galantamin, Donepezil, Rivastigmin, Memantin) kann bei Vorliegen einer Demenz das Fortschreiten der Erkrankung eventuell hinauszögern bzw. helfen, die vorhandenen geistigen Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten.

Mitunter kann – je nach Ursache - auch eine zeitlich begrenzte Anwendung von Antidepressiva oder Antipsychotika notwendig sein.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Gedächtnisproblemen

In leichteren Fällen (z.B. bei altersbedingter Gedächtnisschwäche) kann oft schon ein gezieltes „Gehirnjogging“ alleine helfen, die Vergesslichkeit in den Griff zu bekommen.

Handelt es sich um eine krankheitsbedingte Vergesslichkeit, spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen als Ergänzung der medikamentösen Therapie eine wichtige Rolle. Zum Beispiel:

  • Gedächtnistraining
  • Ergotherapie
  • Physiotherapie
  • Bewegungstherapie
  • Musiktherapie
  • Sensorische Verfahren zur Anregung der Sinne wie z.B. Aromatherapie

Im Falle einer vorliegenden Demenz-Erkrankung sollte auch die ausführliche Beratung der Angehörigen berücksichtigt werden.

Andere bzw. weitere spezielle therapeutische Maßnahmen sind nötig, wenn die Vergesslichkeit z.B. nach einem Schlaganfall, bei Parkinson-Syndrom oder Hirnhautentzündung eintritt.

Mentale Fitness: Ein nachlassendes Gedächtnis lässt sich trainieren!

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Schlafmangel, Stress und ungesunde Lebensführung können übrigens auch bei jüngeren Menschen zu einer Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit, z. B. Vergesslichkeit oder Konzentrationsschwäche, führen. Insofern kann eine gesunde Lebensführung mit regelmäßiger körperlicher Bewegung, ausreichend Schlaf und Ruhe (Stressminimierung) nachweislich zu einer guten mentalen Fitness bis ins hohe Alter beitragen.

Gerade im Alter hilft es zudem, kleine Trainingseinheiten für das Gehirn (z.B. Sudoku, Kopfrechnen, das Merken von Autonummern) in den Alltag einzubauen, um so einem Abfall der Gedächtnisleistung entgegenzuwirken. Darüber hinaus ist es sinnvoll, dem Gehirn jenseits der Alltagsroutine immer wieder Abwechslung und neue Anreize zu bieten: So können z. B. auch Kino- und Theaterbesuche, Reisen und Unterhaltungen mit Freunden dazu beitragen, die geistige Fitness zu erhalten.

Autor: Claudia Urban
Letzte Aktualisierung: 18. Juni 2015
Durch: sw
Quellen: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM – Leitlinie Nr. 12): „Demenz“: http://leitlinien.degam.de/uploads/media/LL-12_Langfassung_TJ_03_korr_01.pdf (Stand: 08.12.2011) Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)- S3-Leitlinie: "Demenzen": http://www.dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/ll_demenz/ll-demenz-lang-170210.pdf (Stand: 08.12.2011) MayoClinic.com: Memory loss: When to seek help. 07.07.2011. URL: http://www.mayoclinic.com/health/memory-loss/HQ00094 Arbeitsblätter Stangl, W.: Das Vergessen. URL: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Vergessen.shtml Verdacht auf Demenz? Umfassende Basisdiagnostik ist unverzichtbar. In: Ärzte Zeitung vom 30.07.2010 Voelcker-Rehage, C.; Godde, B.; Staudinger, U. M.: Bewegung, körperliche und geistige Mobilität im Alter. In: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung -Gesundheitsschutz (6) 2005, S. 558–566 Haberstroh, J.; Pantel, J.; Neumeyer, K: Kommunikation bei Demenz. Ein Ratgeber für Angehörige und Pflegende. Springer-Verlag GmbH (2011) Eiden, P.: Wenn die Gehirnfunktion nachlässt. In: Heilberufe (7) 2009, S. 37-39

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