Harmlos oder ernst?

Muskelschmerzen: Ursache abklären

Häufige Gründe für Muskelschmerzen (Myalgien) sind Verspannungen, Stress oder Überbeanspruchung. Doch auch ernste Erkrankungen können Muskelschmerzen auslösen.

Frau hat Muskelschmerzen im Oberarm
Abhängig von der Ursache können Muskelschmerzen an einem bestimmten Muskel auftreten.
(c) Stockbyte

Muskelschmerz, fachsprachlich auch Myalgie genannt, ist ein Symptom, das in Verbindung mit unterschiedlichen Ursachen und Erkrankungen auftreten kann (unspezifisches Symptom). Bei manchen Erkrankungen ist Muskelschmerz das dominierende Symptom oder auch Leitsymptom. In anderen Fällen bestehen Muskelschmerzen neben anderen Beschwerden. Man spricht hier von Muskelschmerz als Begleitsymptom.

Die Schmerzen können von unterschiedlicher Art, Intensität und Dauer sein. In Abhängigkeit von der Ursache können sie lokalisiert an einem bestimmten Muskel oder in einer bestimmten Region wahrgenommen werden oder auch generalisiert, also im ganzen Körper, auftreten. Dies ist für den Arzt bei der Diagnosestellung ein wichtiges Unterscheidungskriterium.

Das Muskelgewebe selbst bzw. das Grundgewebe des Muskels (Parenchym) ist nicht mit Schmerzfasern versorgt, sodass bei Muskelschmerzen, die lokal im Muskel entstehen, immer die umgebende Bindegewebsstruktur (Mesenchym) mit betroffen bzw. beeinflusst sein muss.

Häufige Gründe für Muskelschmerzen sind Verspannungen, Stress oder Überbeanspruchung. Ferner können Muskelschmerzen durch Erkrankungen oder Verletzungen des Muskels selbst, aber auch durch andere Erkrankungen ausgelöst werden oder von anderen Organen oder Gewebestrukturen ausgehen.

Hinter Muskelschmerzen können harmlose Ursachen wie etwa ein Muskelkater, aber auch ernsthafte Erkrankungen oder behandlungsbedürftige Verletzungen stecken. Daher sollten Muskelschmerzen, vor allem wenn sie länger bestehen oder plötzlich und heftig auftreten und auf eine Verletzung hindeuten, immer von einem Arzt abgeklärt werden.

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Muskelschmerzen: Ursachen

Die Ursachen von Muskelschmerzen (Myalgien) sind vielfältig, genauso wie die Erscheinungsformen.

Bei Muskelschmerzen kommen u.a. folgende Ursachen in Betracht:

  • Muskelverspannungen (z.B. myofasziales Schmerzsyndrom)
  • Muskelverletzungen wie Muskelriss oder Muskelfaserriss, Prellungen, Muskelzerrungen
  • Muskelkater
  • Muskelkrämpfe z.B. durch Magnesiummangel oder starke körperliche Belastung ausgelöst, mit einer Dauer von wenigen Sekunden bis Minuten, wie etwa der Wadenkrämpfe
  • Muskelentzündungen (entzündliche Myopathien) z.B. durch
  1. Infektionskrankheiten, bakteriell (z.B. Staphylokokken, Borreliose ), viral (z.B. Adenoviren, Coxsackie-Viren oder Grippe (Influenza)Viren) oder durch Parasiten (winzige Fadenwürmer=Trichinen) bedingt
  2. Erkrankungen des Immunsystems (Immunogene Myosititen), z.B. Dermatomyositis, Polymyositis, Interstitielle Myositis
  3. Andere entzündliche Erkrankungen der Muskulatur
  • Degenerative Muskelerkrankungen (degenerative Myopathien), die mit einem fortschreitenden Abbau und strukturellen Veränderungen der Muskulatur einhergehen (Muskelschwund), z.B. Duchenne’sche Muskeldystrophie, Becker‘ sche Muskeldystrophie
  • Muskelerkrankungen mit verzögerter Erschlaffung der Muskulatur nach einer kräftigen Anspannung (Myotonien)
  • Stoffwechselerkrankungen (metabolische Myopathien), z.B. Störungen des Kohlehydrat-, Fettsäure- oder Purinstoffwechsels, die sich auf Struktur und Funktion des Muskels auswirken
  • Hormonelle Erkrankungen (endokrine Myopathien), z.B. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Rheumatische Erkrankungen, z.B. Polymyalgia rheumatica (PMR) (mit akuten Schmerzen der Schulter- und Beckengürtelmuskulatur), Vaskulitis
  • Fibromyalgie-Syndrom
  • Erkrankungen des Nervensystems, die mit Krämpfen und Muskelsteifigkeit einhergehen, z.B. Morbus Parkinson
  • Tumoren der Muskulatur
  • Medikamente und Drogen: Zu den Medikamenten, die Muskelschmerzen auslösen können, gehören unter anderem Penicillin (Antibiotikum), Statine, Chinidin (Herz-Kreislauf-Medikamente), Levodopa (z.B. gegen Restless-Legs-Syndrom (RLS) und Morbus Parkinson), Cimetidin (gegen Sodbrennen). Ebenso können Alkoholismus und Heroinkonsum zu Muskelschmerzen führen.
  • Weitere Ursachen: Schmerzen bei Gelenk- und Skeletterkrankungen, die mitunter in der Muskulatur wahrgenommen werden, übertragener Schmerz bei Erkrankungen innerer Organe (neurogene Ursache), Muskelschmerzen bei Depressionen (psychische Ursache)

Lokalisierte Muskelschmerzen

Am häufigsten kommen Muskelschmerzen als Folge von Muskelverspannungen vor. Sie treten jeweils an bestimmten Körperstellen bzw. Muskeln auf. Man zählt sie daher, neben z.B. verletzungsbedingten Muskelschmerzen zur Gruppe der lokalisierten Muskelschmerzen. Zumeist durch Über- oder Fehlbelastungen des betroffenen Muskels, z.B. durch falsche Sitzhaltungen, Stress oder monotone Bewegungen wie etwa beim Autofahren oder beim Arbeiten am Computer, kommt es zu einem erhöhten Anspannungszustand in Teilen der Muskulatur, wobei sich die Anspannung nicht wieder zurückbildet (Dauerkontraktion). Die angespannten, verhärteten Stellen sind manchmal als kleine Knötchen tastbar. Mediziner sprechen bei diesem durch Muskelverspannungen ausgelösten Krankheitsbild auch vom myofaszialen Schmerzsyndrom. Im Volksmund ist jedoch „Muskelverspannungen“ die gängige Bezeichnung.

Generalisierte Muskelschmerzen

Im Unterschied zu den genannten lokalisierten Muskelschmerzen können Muskelschmerzen aber auch im gesamten Körper (generalisiert) auftreten. Dies kommt z.B. im Zuge von bestimmten Infektionskrankheiten wie , echter Grippe (Influenza), Borreliose oder Krankheiten wie dem FibromyalgieSyndrom vor. Bei letzterem sind generalisierte Muskelschmerzen sogar das dominierende bzw. wegweisende Symptom. Das FibromyalgieSyndrom ist darüber hinaus die häufigste Ursache, wenn Muskelschmerzen gleichsam in verschiedenen Körperregionen auftreten. Auch Medikamente und Drogenkonsum können generalisierten Muskelschmerz hervorrufen.

Muskelschmerzen vom Arzt abklären lassen!

Muskelschmerzen können von harmloser, vorübergehender Natur sein oder auch im Zuge von ernsten Erkrankungen auftreten. Daher sollten vor allem länger anhaltende Muskelschmerzen auf jeden Fall vom Arzt abgeklärt werden. Auch Verletzungen der Muskulatur verlangen in der Regel eine schnelle Behandlung und Ruhigstellung, damit keine Folgeschäden entstehen.

Muskelschmerzen: Diagnose

Die Diagnostik bei Muskelschmerzen beginnt mit einer gezielten Patientenbefragung. Daran schließen sich die körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere Untersuchungen an.

Patientenbefragung

Um die Ursache einzugrenzen, wird der Arzt den Patienten genau nach Lokalisation, Art, Häufigkeit und Zeitverlauf der Schmerzen fragen. Der Betroffene sollte z.B. genau beschreiben, wo er Schmerzen verspürt und welchen Charakter die Schmerzen haben. Sitzt der Schmerz genau an einer bestimmten Stelle oder wird er diffus wahrgenommen? Sind die Schmerzen muskelkaterartig, krampfartig oder brennend?

Wichtig sind auch die Umstände, unter denen sich der Muskelschmerz bemerkbar macht. Tritt der Schmerz z.B. bereits in Ruhe oder bei Bewegung auf? Kann der Schmerz durch Druck oder Klopfen ausgelöst werden? Kommt er unmittelbar nach oder bei körperlicher Betätigung vor? Bessert er sich im Laufe der Betätigung oder nach kurzer Ruhepause?

Auch die Begleitsymptome sind relevant. Sind die Muskelschmerzen von Krämpfen und Muskelsteifigkeit, Angstzuständen und/oder Depressionen oder anderen Beschwerden begleitet? Auch wird sich der Arzt nach eventuell bestehenden, weiteren Grunderkrankungen und einzunehmenden Medikamente erkundigen, schließlich können auch diese für die Muskelschmerzen verantwortlich sein.

Körperliche Untersuchung

Während der anschließenden Untersuchung des Patienten tastet der Arzt die entsprechenden Regionen ab und prüft unter anderem, ob die Schmerzen durch Beklopfen oder Druck auslösbar sind, ob sich kleine, druckempfindliche Knötchen ertasten lassen (Hinweis auf Muskelverspannungen/myofasziales Schmerzsyndrom) oder ob ein Hämatom (Blutaustritt, sichtbar als blauer Fleck) oder eine tastbare Delle der Muskulatur besteht. Ein Hämatom kann auf einen Muskelfaserriss hindeuten, eine tastbare Delle auf einen großen Muskelriss. Je nach Ausgangsverdacht wird der Arzt unter Umständen auch weitere Organe und Strukturen inspizieren, etwa das Knochen- und Gelenksystem oder die Haut. So können beispielsweise Hautveränderungen an Wangen, Augenlidern oder Hals ein Hinweis auf eine spezielle Muskelentzündung (Dermatomyositis) sein, bei der sich mitunter auch Hautreaktionen zeigen.

Laborchemische und apparative Verfahren

Zur Sicherung der Diagnose können weitere Untersuchungen folgen. Dies können z.B. Blutuntersuchungen zur Bestimmung wichtiger Parameter wie Differenzialblutbild, Blutsenkung, des C-reaktiven Proteins (CRP-Wert) und des Creatinkinase-Werts (CK-Wert) sein. Der CK-Wert gilt als zentraler Hinweis auf eine Muskelerkrankung. Deutlich erhöhte Werte finden sich z.B. bei Polymyositis und Dermatomyositis, aber auch bei infektiösen Muskelentzündungen oder Muskelverletzungen.

Daneben können Ultraschalluntersuchungen (Sonografie) sowie unter Umständen weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein, um eine Muskelerkrankung nachzuweisen.

Die Elektromyografie (EMG), bei der elektrische Spannungsveränderungen im Muskel gemessen werden, ist ein weiteres wichtiges Untersuchungsverfahren zur Differenzialdiagnose bei Muskelschmerz. So lassen sich Muskelkrankheiten, die mit einer verzögerten Erschlaffung der Muskulatur nach Anspannung und anhaltenden Muskelkontraktionen einhergehen (Myotonien), sowie entzündliche oder auch degenerative Muskelkrankheiten, bei denen es zum fortscheitenden Abbau von Muskulatur (Muskelschwund) und Umbauprozessen kommt, erkennen.

Bei vielen Muskelerkrankungen erfolgt abschließend eine Gewebeentnahme (Biopsie) und -untersuchung zur Sicherung der Diagnose. Je nach vermuteter Ursache können aber auch weitere Untersuchungen zum Einsatz kommen.

Muskelschmerzen: Therapie

Die Therapie von Muskelschmerzen zielt in erster Linie auf die Behandlung der Grunderkrankung, die zunächst vom Arzt diagnostiziert werden muss. In Abhängigkeit von der Ursache der Muskelschmerzen können sich unterschiedliche Therapien und begleitende Maßnahmen eignen.

Bei Muskelverletzungen ist es wichtig, die Aktivität umgehend einzustellen und einen Arzt aufzusuchen. Bei manchen Verletzungen ist eine Ruhigstellung der betroffenen Region über mehrere Wochen erforderlich, damit die Verletzung ohne Folgen ausheilen kann. In seltenen Fällen muss eine Operation erfolgen. Als Sofortmaßnahme kann die Kühlung der betroffenen Region sowie ggf. ein Kompressionsverband mit einer schmerzstillenden Salbe hilfreich sein.

Medikamentöse Schmerztherapie

Unter Umständen, z.B. wenn die ursächliche Krankheit nicht ausreichend oder mit sofortigem Effekt behandelt werden kann, können auch Schmerzmittel zum Einsatz kommen, z.B. nicht-steroidale Antirheumatika oder bei Muskelverspannungen auch sogenannte Muskelrelaxanzien. Sinnvoll ist in manchen Fällen auch eine therapeutische Lokalanästhesie, bei der Medikamente, die die Weiterleitung von Schmerzimpulsen blockieren, z.B. direkt in die betroffene Muskulatur eingespritzt werden, um beispielsweise eine Krankengymnastik überhaupt erst zu ermöglichen.

Weitere Therapien

Neben Krankengymnastik können je nach Ursache der Muskelschmerzen auch Massagen und Akupunktur, Entspannungsübungen, Wärme- und Kälteanwendungen, Elektrotherapie und andere physikalische Methoden zum Einsatz kommen. Bei psychischen Ursachen der Muskelbeschwerden – ist häufig eine Psychotherapie der richtige Weg.

Chronische Muskelschmerzen

Handelt es sich wie beim FibromyalgieSyndrom um chronische Muskelschmerzen, deren Ursache nicht bekannt ist, verlangt dies eine multimodale Schmerztherapie, die der notwendigen langfristigen Anwendung hinsichtlich Wirkung und Nebenwirkung gerecht wird, der Gefahr des übermäßigen Schmerzmittelgebrauchs entgegenwirkt und die Lebensqualität bestmöglich verbessert. Multimodal bedeutet, dass unterschiedlichste therapeutische Methoden zur Schmerzbeeinflussung kombiniert werden. Die multimodale Schmerztherapie umfasst je nach Fall eine Patientenschulung, den bedachten Einsatz von Medikamenten, körperliches Training und Krankengymnastik sowie auch physikalische Therapien, Entspannungsmethoden und Psychotherapie.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Oktober 2011
Quellen: Quellen: AWMF-Leitlinien – Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Diagnostik und Differenzialdiagnose bei Myalgien. (Stand 10/2008) Berghoff, C. et al: Diagnostik bei Myalgien. Bundeseinheitliche Konsensuspapiere der Neuromuskulären Zentren im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V. (DGM) Deutsche Fibromyalgie Vereinigung (DFV) e.V.: Patientenleitlinie Fibromyalgie. Patientenversion der wissenschaftlichen Leitlinie „Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms“. Erstellt am 07.06.2008, überarbeitet am 21.07.2008 Schaps, K.-P. W.; Kessler, O.; Fetzner, U.: Gesundheitsstörungen. Springer-Lehrbuch. Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2008, S. 567-568 MayoClinic.com: Muscle pain. 11.09.2010

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