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Muskelkater: Was hilft und wie beugt man vor?

Muskelkater ist die Bezeichnung für Muskelschmerzen, die nach ungewöhnlich starker Beanspruchung oder Überbeanspruchung einzelner Muskelgruppen entstehen, wobei die Schmerzen nicht während der auslösenden Aktivität oder unmittelbar danach, sondern verzögert auftreten (verzögerter Muskelschmerz).

Muskulöser Mann
Mit Muskelkater trainieren? Besser ist es, den Muskel jetzt zu schonen.
Getty Images/Hemera

Muskelkater beginnt frühestens einige Stunden nach der Beanspruchung und erreicht nach etwa ein bis drei Tagen seinen Höhepunkt. Dabei sind die Muskeln steif, hart, kraftlos und druckempfindlich. Muskelkater kommt häufig bei körperlicher Aktivität nach langer Pause vor oder wenn sich Untrainierte für sie ungewohnten, sportlichen Belastungen aussetzen. Aber auch unübliche Bewegungen oder starke Belastungen, z.B. in Wettkampfsituationen können Muskelkater auch bei trainierten Sportlern nach sich ziehen.

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Muskelkater ist eine vorübergehende Erscheinung und hinterlässt keine Folgeschäden. Spätestens eine Woche nach der ursächlichen Beanspruchung klingen die Schmerzen vollständig ab. In der Regel bestehen sie nicht länger als fünf Tage.

Muskelkater: Ursachen

Die genaue Ursache von Muskelkater war lange Zeit nicht geklärt. Zunächst dominierte die Annahme, Muskelkater würde mit einer vermehrten Bildung von Milchsäure im Zuge der Muskelarbeit in Zusammenhang stehen. Heute gilt es jedoch als erwiesen, dass vor allem winzige Risse im Muskelgewebe (Mikroläsionen) dahinterstehen, die besonders bei „exzentrischer“ Belastung, bei der der angespannte Muskel gleichzeitig gedehnt wird, entstehen.

Infolge der Mikroläsionen tritt langsam Flüssigkeit ins Muskelgewebe ein, die Muskelfaser schwillt an und wird gedehnt. Der für den Muskelkater typische zeitversetzte Dehnungsschmerz entsteht. Zudem müssen Zellstrukturen innerhalb der Muskelfaser abgebaut werden, wobei Spaltprodukte entstehen, die ebenfalls die Schmerznerven reizen.

Die winzigen Muskelverletzungen verursachen auch deshalb nicht sofort während der Muskelbeanspruchung Schmerzen, weil die Endigungen der Schmerznerven, die die Schmerzsignale weiterleiten, im umgebenden Bindegewebe und nicht in den Muskelfasern direkt liegen. Schmerzen werden erst indirekt, z.B. durch den Druck der Flüssigkeitsansammlung auf das umliegende Gewebe, wahrgenommen. Muskelschmerz macht sich daher immer erst frühestens einige Stunden nach der ursächlichen Belastung, meist aber am nächsten Tag bemerkbar.

Im Zuge der Schwellungen kommt es zu einer Verengung der Blutgefäße und zu einer Minderdurchblutung des Muskelgewebes, wodurch zusätzlich Muskelverspannungen auftreten, die als verhärtete Muskeln wahrgenommen werden und den Schmerz ihrerseits verstärken.

Die dem Muskelkater zugrunde liegenden Mikroläsionen heilen jedoch nach einigen Tagen vollständig aus, ohne dass bleibende Schäden entstehen. Spätestens nach fünf Tagen sollten die Schmerzen abgeklungen sein.

Wenn Schmerzen länger anhalten bzw. über eine Woche nach der ursächlichen Muskelbeanspruchung fortbestehen, sollten Betroffene zur Klärung der Ursache einen Arzt aufsuchen, denn dies spricht nicht für Muskelkater. Ebenso sind Schmerzen, die plötzlich und direkt während der körperlichen Beanspruchung auftreten, nicht durch Muskelkater zu erklären.

Muskelkater: Diagnose

Ein Muskelkater verlangt in der Regel keinen Arztbesuch. Eine Diagnose durch den Arzt sollte jedoch dann erfolgen, wenn die Ursachen der Muskelschmerzen unklar sind oder die Schmerzen einen für Muskelkater untypischen Verlauf nehmen. Dies ist z.B. der Fall, wenn die Schmerzen eine Woche nach der starken oder ungewohnten Muskelbeanspruchung immer noch nicht abgeklungen sind oder etwa bereits während der körperlichen Aktivität auftreten.

Um die Ursache bei unklaren Muskelschmerzen herauszufinden, erfasst der Arzt zunächst wichtige Punkte wie Art und Intensität sowie Umstände des Auftretens und den zeitlichen Verlauf der Muskelschmerzen. Während der anschließenden Untersuchung des Patienten tastet er die entsprechenden Regionen ab und prüft unter anderem, ob die Schmerzen durch Beklopfen oder Druck auslösbar sind, ob ein Hämatom (Blutaustritt, sichtbar als blauer Fleck) oder eine tastbare Delle der Muskulatur besteht. Ein Hämatom kann auf einen Muskelfaserriss hindeuten, eine tastbare Delle auf einen großen Muskelriss. Je nach Ausgangsverdacht können weitere Untersuchungen folgen, z.B. Blutuntersuchungen oder eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie).

Muskelkater: Therapie

Massagen, Sauna oder warme Bäder fördern bei Muskelkater die Durchblutung und können daher als lindernd empfunden werden. Auch schmerzstillende und entzündungshemmende Salben haben bei Muskelkater mitunter einen positiven Effekt. Während des Muskelkaters sollte eine starke Beanspruchung der betroffenen Muskulatur vermieden und stattdessen auf Schonung geachtet werden.

Die Schmerzen sollten spätestens nach einigen Tagen wieder nachlassen, wenn die Mikroläsionen in der Muskulatur abgeheilt sind. Bleibende Schäden erwachsen daraus nicht.

Dem Muskelkater vorbeugen

Muskelkater ist ein Zeichen dafür, dass das Training unangemessen war. Wer Muskelkater vorbeugen möchte, sollte das Training langsam angehen und Umfang und Intensität schrittweise steigern. Ein wohldosiertes, aufbauendes Training steigert auch die Belastbarkeit der Muskeln. Die Wahrscheinlichkeit, dass Muskelkater auftritt, nimmt ab. Leichte Aufwärm- und Dehnübungen zum Anfang können allgemein das Verletzungsrisiko senken.

Sanfte Dehnübungen nach dem Sport können die Muskeln weicher machen und so eventuell vorbeugend wirken. Die Dehnungen sollten aber auf keinen Fall zu stark sein oder gar an die Belastungsgrenze gehen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. Oktober 2011
Quellen: Reuter, P.: Springer Lexikon Medizin, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York, 2004 Schaps, K.-P. W.; Kessler, O.; Fetzner, U.: Gesundheitsstörungen. Springer-Lehrbuch. Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2008 Böning, D.: Muskelkater. In: Deutsches Ärzteblatt (6) 2002, Vol. 99, S. 372-375 Böning, D.: Muskelkater. Standards der Sportmedizin. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. (2) 2000, Jahrgang 51, S. 62-63 Vater, H. H.: Muskelkater. Instituts für Prävention und Sportmedizin, Klinik am Homberg, Bad Wildungen. Stand: 22.06.2006. URL: http://www.ipus.klinik-am-homberg.de/Gesundheitstipps.html (Stand: 26.09.2011)

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