Symptome A - Z

Harndrang

Harndrang entsteht, wenn Nerven der Harnblasenwand oder des Blasenverschlusses dem Gehirn einen hohen Füllungsstand der Blase signalisieren. Dies ist ein an sich normaler körperlicher Vorgang. Häufiger oder auch plötzlicher, unaufschiebbarer Harndrang kann allerdings Folge einer Erkrankung beziehungsweise Blasenfunktionsstörung sein und sollte daher ärztlich abgeklärt werden.

Frau mit Harndrang, Inkontinenz
Häufiger, heftiger Harndrang kann Symptom einer Blasenentzündung sein.
iStock

Entscheidend für eine normale Blasenfunktion beziehungsweise einen normalen Harndrang sind die korrekte Meldung des Füllungsstands der Blase an das Gehirn, die ordnungsgemäße Funktion des Blasenverschlusses und der zusammenziehenden Muskulatur der Blasenwand sowie die willentliche Kontrolle über die Blasenentleerung.

Urin oder Harn wird in den Nieren durch ein komplexes Filtrationsverfahren aus Blut gewonnen. Für den Körper wichtige Blutbestandteile werden im Körper zurückgehalten. Überschüssige Substanzen wie Wasser, Salze, verschiedene Stoffwechselprodukte und einige Giftstoffe werden hingegen abgetrennt und gelangen über die Harnleiter zur Harnblase. Von dort werden sie kontrolliert ausgeschieden.

Hilfe bei häufigem und nächtlichem Harndrang

Normalerweise bildet der Körper etwa 1,5 Liter Urin pro Tag (Normalbereich: 0,5 bis zwei Liter pro Tag). Blasenentleerungen erfolgen während des Tages etwa alle vier bis sechs Stunden. Während der Nacht dient die Harnblase als Speicher für den Urin, so dass der Schlaf im Regelfall nicht unterbrochen werden muss, um wasserzulassen.

Zu Harndrang kommt es ab einem Füllungsstand der Blase, der von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Auslöser des Harndrangs sind Nerven in der Blasenwand und im Blasenverschluss. Sie melden an das Gehirn, dass die Speicherfähigkeit der Blase weitgehend ausgeschöpft ist und die Blase entleert werden sollte.

Vermehrter Harndrang

Häufiger Harndrang kann einerseits Folge vermehrten Dursts sein (zum Beispiel bei starkem Schwitzen aber auch teils krankheitsbedingt wie zum Beispiel bei Diabetes) oder beispielsweise auch auf Erkrankungen zurückzuführen sein, die zu Reizungen der Blasennerven führen. In diesem Fall werden falsche Informationen über den Blasenfüllungsstand ans Gehirn weitergeleitet. Dadurch entsteht Harndrang, obwohl unter Umständen nur wenig Urin in der Blase gespeichert ist. Bei einigen Erkrankungen tritt der zugehörige Harndrang so plötzlich und so stark auf (imperativer Harndrang), dass die Blase sich manchmal entleert, bevor eine Toilette erreicht werden kann (Dranginkontinenz).

  • zum Ratgeber auf Lifeline.de

    Jede zweite Frau hat sie mindestens einmal im Leben: eine Blasenentzündung. Symptome, Intensität und Dauer können variieren

Häufig im Zusammenhang mit Harndrang verwendete Begriffe sind:

  • Polyurie: Ausscheidung von deutlich mehr als 2 l Urin pro Tag
  • Pollakisurie: häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen
  • Anurie: Ausbleiben der Harnausscheidung (weniger als 100 ml pro Tag)
  • Algurie: Schmerzen beim Wasserlassen
  • Nykturie: nächtliches Wasserlassen

Harndrang: Welche Ursachen dahinterstecken

Vermehrter Harndrang geht zumeist auf Blasenfunktionsstörungen, Entzündungen, Harnsteine sowie Erkrankungen zurück, die vermehrten Durst bewirken.

Häufiger Harndrang ist zunächst einmal ein Phänomen, das bei großen Trinkmengen auftritt. Auch psychisch belastende Situationen wie zum Beispiel Angst, Aufregung oder Stress können mit häufigem Harndrang einhergehen.

Weitere Ursachen für übermäßigen Harndrang können grob nach den damit einhergehenden Symptomen unterschieden werden:

Ursachen für häufigen Harndrang mit schmerzhaftem Wasserlassen (kleine Mengen an Urin):

Ursachen für häufigen Harndrang mit schmerzlosem Wasserlassen:

  • Prostatavergrößerung , nur schwacher Harnstrahl, unvollständige Blasenentleerung
  • Glomerulonephritis ; Entzündung der Nierenkörperchen, Blut im Urin
  • vermehrter Durst z.B. als Folge von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Diabetes insipidus, einer Hormonerkrankung, bei der es zu einer extrem erhöhten Urinausscheidung kommt, weil Steuersignale zur Rückgewinnung von Wasser aus dem Urin die Nieren nicht erreichen oder dort nicht wirken; die Erkrankung geht mit extremem Durstgefühl und enormen Trinkmengen (bis zu 20 l und mehr pro Tag) einher

Weitere Ursachen für veränderten Harndrang können sein:

  • Einnahme von harntreibenden Medikamenten (Diuretika, „Wassertabletten“) bzw. anderer Arzneimittel
  • Bei Frauen: Gebärmuttersenkung, Schwäche der Beckenbodenmuskulatur
  • Schwangerschaft
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – während des Tages lagert sich Wasser im Körper in Gestalt von Ödemen ein, das nachts wieder ausgeschieden wird und zu nächtlichem Harndrang führt
  • Harninkontinenz (Dranginkontinenz):  Plötzlicher Harndrang, bei dem der Toilettengang unaufschiebbar ist. Häufig gehen einige Tropfen Urin bereits vor dem Toilettengang ab.
  • Blasentumor

Häufiger/ständiger Harndrang: Methoden zur Diagnose

Bei der Diagnose von Harndrang kommt dem Arztgespräch (Anamnese) eine herausragende Bedeutung zu. Angaben zur Häufigkeit des Wasserlassens, der Ausscheidungsmenge, nächtlichem Harndrang, Schmerzen, Durstgefühl oder Medikamenteneinnahme weisen oft den Weg zur Krankheitsursache. Blut- und Urinuntersuchungen, Ultraschall- und eventuell Röntgenaufnahmen werden individuell vorgenommen.

Im Arztgespräch wird geklärt, in welcher Form sich der Harndrang äußert, etwa ob er mit größeren oder eher unbedeutenden Ausscheidungsmengen verbunden ist. Außerdem werden Begleitsymptome wie z.B. Schmerzen, Brennen oder pulsierende Blasenentleerung erfasst. Wichtig ist auch die Unterscheidung,  ob die Beschwerden akut aufgetreten sind oder bereits seit einer geraumen Zeit bestehen. Ein Ausscheidungsprotokoll, in dem jeweils die Uhrzeit, die Urinmenge und Besonderheiten wie z.B. Schmerzen oder Blutbeimengungen beim Wasserlassen erfasst werden, kann helfen, das Symptom Harndrang genauer zu beschreiben. Aussagen zu Durstgefühl, körperlicher Leistungsfähigkeit und Medikamenteneinnahme liefern Hinweise auf Erkrankungen von Herz und Nieren sowie Störungen der hormonellen Regulation der Harnausscheidung.

Die körperliche Untersuchung sowie die Laboranalyse von Blut und Urin grenzen die Ursachen des Harndrangs weiter ein. Hier werden insbesondere der Blutzucker, die Nierenfunktion (Kreatininwert) und verschiedene Hormonwerte sowie Veränderungen bestimmt, die auf Infektionen hinweisen.

Mittels Ultraschall werden die Nieren, die Harnblase und die benachbarten Organe untersucht. So können unter anderem gewisse Harnsteine, eine Prostatavergrößerung oder auch der jeweilige Füllungsstand der Blase erkannt werden. Ebenso lässt sich mit Ultraschall die Herzfunktion erfassen. Bei Bedarf können Röntgenaufnahmen (z.B. bei Verdacht auf Harnleitersteine) und Spezialuntersuchungen (zum Beispiel Harnflussmessungen) eingesetzt werden, um die Diagnose endgültig zu sichern.

Harndrang: Diese Therapie-Optionen gibt es

Harndrang kann in Abhängigkeit von der Ursache mit Medikamenten, Blasentraining  oder auch operativen Eingriffen behandelt werden.

Die Behandlung von Harndrang ist vom Ursprung der Beschwerden abhängig. Nach Möglichkeit wird versucht, die jeweilige Ursache des Harndrangs auszuräumen, also beispielsweise Infektionen durch Antibiotika zu behandeln, Harnsteine zu entfernen oder Hormonstörungen zu beheben. Bei häufigem Harndrang als Folge der Dranginkontinenz kann ein spezielles Training helfen, den Toilettengang hinauszuzögern und die Blase an zunehmend größere Füllungsmengen zu gewöhnen (Toilettentraining).

Einfache Blaseninfektionen lassen sich mitunter durch eine erhöhte Trinkmenge und spezielle Nieren- und Blasen-Tees behandeln. Ist nach ein oder zwei Tagen allerdings keine grundlegende Besserung eingetreten, ist eine ärztliche Behandlung unverzichtbar, da Infektionen aus der Blase in die Niere aufsteigen und diese gefährden können. Auf den Einsatz von Antibiotika kann daher oft nicht verzichtet werden, um den Infekt zu bekämpfen und eine Beteiligung der Nieren zu verhindern.

Kleinere Harnsteine, die bereits in die Blase gelangt sind, können in vielen Fällen auf natürlichem Weg ausgeschieden werden. Größere Blasensteine und Steine, die im Harnleiter feststecken, werden von Urologen entweder im Verlauf einer Blasen- und Harnleiterspiegelung zerkleinert oder durch Schallwellen von außen zertrümmert (extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie: ESWL).

Hormonstörungen werden in der Regel medikamentös behandelt. Liegt eine Zuckerkrankheit vor, ist eine angemessene Einstellung des Blutzuckerspiegels erforderlich.

Verbirgt sich eine Schädigung der Nieren hinter dem Harndrang, steht die Unterstützung der Nierenfunktion im Vordergrund. Dazu wird beispielsweise erhöhter Blutdruck, der für die Nieren besonders schädlich ist, gesenkt und die Ausscheidung durch harntreibende Medikamente unterstützt.

Operative Eingriffe sind häufig erforderlich, wenn beispielsweise eine vergrößerte Prostata oder eine Gebärmuttersenkung den Harndrang auslöst. Bei plötzlichem Harndrang  und unwillkürlichem Harnverlust in Folge einer Dranginkontinenz (eine Form der Blasenschwäche kann ggf. ein gezieltes Blasen- und Beckenbodentraining angezeigt sein. Spezielle Vorlagen schaffen ein Gefühl der Sicherheit und können helfen, die Lebensqualität zu steigern. 

Die besten Helfer bei Blasenentzündung

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. März 2016

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang