Minilexikon
Was bedeuten diese Fachbegriffe?
Was sind Ovulationshemmer, was sagt der Pearl-Index und was bedeuten Begriffe wie funktionelle Ovarialzyste oder lokale und systemische Wirkweise? Ein kleiner Abriss wichtiger Fachbegriffe rund um das Thema Hormonspirale und Verhütung.
Gelbkörperhormon
siehe Progesteron
Gestagen
Gestagene sind künstlich hergestellte Hormone, die in ihrer Wirkung dem Schwangerschaftshormon Progesteron (siehe Progesteron) ähneln. Sie sind - teils in Kombination mit Östrogenen - Bestandteil hormoneller Verhütungsmittel wie Pille, Minipille und Hormonspirale. Die Hormonspirale enthält das Gestagen Levonorgestrel.
Intrauterinpessar
Intrauterinpessar, kurz auch IUP, ist die Fachbezeichnung für die Verhütungssysteme Hormon- und Kupferspirale. Sie leitet sich von dem Wort Uterus( Fachbegriff für Gebärmutter) ab. Intrauterin bedeutet in der Gebärmutter liegend. Die Hormonspirale ist ein Intrauterinpessar mit Hormonabgabe. Ihr Hormon ist das Gestagen Levonorgestrel. Eine andere Bezeichnung für die Hormonspirale ist hormonfreisetzendes Intrauterinsystem (IUS). Die Kupferspirale arbeitet ohne Hormone. Sie setzt Kupferionen frei, die verhütende Wirkung basiert auf anderen Wirkmechanismen.
Kontrazeption
Kontrazeption ist der medizinische Fachausdruck für Empfängnisverhütung, kurz auch Verhütung.
Kontrazeptiva
Mittel zur Verhütung werden Kontrazeptiva genannt. Sie verhindern das Einnisten der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter auf unterschiedliche Weise. Geschieht die Verhütung durch Anwendung von Hormonen, spricht man von hormonellen Kontrazeptiva. Auch hinsichtlich der Art, wie sie verabreicht werden (Darreichungsform), lassen sich Kontrazeptiva unterscheiden. Mittel, die eingenommen werden (also die Pille), werden als orale Kontrazeptiva (oral= „über den Mund“) bezeichnet.
Lokale Wirkweise
Lokale Wirkweise bedeutet Wirkung vor Ort. Ein Beispiel ist die Hormonspirale. Sie setzt ihr Hormons, das Levonorgestrel, kontinuierlich und darüber hinaus nur in geringen Mengen direkt in die Gebärmutterhöhle frei und entfaltet so vornehmlich dort ihre Wirkung. Nur äußerst geringe Mengen gelangen über die Schleimhaut ins Blut und über die Blutbahn in den Körper. Daher ist das Risiko für Nebenwirkungen bzw. unerwünschte Wirkungen an anderer Stelle relativ gering. Darin unterscheiden sich lokale und systemische Wirkweise (siehe systemische Wirkweise).
Ovarien
Ovarien ist der medizinische Fachbegriff für Eierstöcke. Die beiden Eierstöcke enthalten die Eizellen und produzieren Hormone. Daher werden sie auch weibliche Keimdrüsen genannt. Unter dem Einfluss von Hormonen reifen monatlich Eizellen heran, wovon es in der Regel nur eine Eizelle bis zum Eisprung schafft.
Ovarialzyste, funktionelle
Ovarialzysten sind sackartige, mit Flüssigkeit gefüllte Ausstülpungen an den Eierstöcken (Ovarien), die bei Anwendung der Hormonspirale mitunter auftreten können. Grund ist ein verzögerter Untergang von Eibläschen. Diese produzieren dann weiter Hormone und können dadurch weiter wachsen. Man nennt diese Form von Zysten auch funktionelle Ovarialzysten. Sie können auch infolge der normalen hormonell bedingten zyklischen Veränderungen am Eierstock entstehen und bilden sich in der Regel innerhalb weniger Monate zurück. Je nach Größe können Zysten mitunter Probleme wie Unterleibsschmerzen verursachen. Sollten sie sich nicht zurückbilden, wird der Arzt dies weiter kontrollieren und ggf. eine andere Verhütungsmethode empfehlen.
Ovulation
Ovulation ist der medizinische Fachbegriff für Eisprung und meint den Zeitpunkt, an dem sich die in der ersten Phase des Zyklus unter Hormoneinfluss gereifte Eizelle aus dem Eierstock löst und in den Eileiter wandert. Dies geschieht etwa in der Mitte des Zyklus, also etwa um den 14. Tag, gerechnet vom Beginn der letzten Regelblutung. Der Zeitpunkt kann von Frau zu Frau etwas abweichen.
Ovulationshemmer
Ovulationshemmer sind hormonelle Verhütungsmittel, die den Eisprung (Ovulation) hemmen. Durch die Gabe hormoneller Verhütungsmitteln, die entweder ein Östrogen und ein Gestagen (Pille) oder nur ein Gestagen enthalten, wird der hormonelle Regelkreis des Körpers so beeinflusst, dass Reifung und Entwicklung der Eizellen in den Eierstöcken gestört sind und ein Eisprung nicht erfolgen kann. Auf diese Weise wird verhindert, dass eine Befruchtung stattfindet. Dies ist das entscheidende Wirkprinzip der Pille. Antibabypillen werden daher auch Ovulationshemmer genannt.
Bei hormonellen Verhütungsmitteln, die nur ein Gestagen und darüber hinaus in sehr niedriger Konzentration enthalten, wie beispielsweise Minipille oder Hormonspirale, findet der Eisprung gelegentlich (Minipille) oder zumeist (Hormonspirale) trotzdem statt. Für deren empfängnisverhütende Wirkung sind daher vorwiegend andere Wirkprinzipien entscheidend.
Pearl-Index
Der Pearl-Index entspricht einer Zahl, die angibt, wie viele ungewollte Schwangerschaften auftreten, wenn 100 Frauen eine bestimmte Verhütungsmethode ein Jahr lang anwenden. Er ist somit ein Maß für die Sicherheit einer Verhütungsmethode. Je niedriger der Pearl-Index ist, desto sicherer ist die jeweilige Verhütungsmethode. Der Pearl-Index der Hormonspirale beträgt 0,2 im ersten Jahr der Anwendung. Dies heißt, 0,2 von 100 bzw. 2 von 1.000 Frauen werden bei Anwendung der Hormonspirale innerhalb des ersten Anwendungsjahres ungewollt schwanger. Auch ohne Anwendung von Verhütungsmitteln lässt sich der Pearl-Index bestimmen. Bei 20-Jährigen, die gar nicht verhüten, beträgt der Pearl-Index 85. Etwa 85 von 100 Frauen dieser Altersgruppe werden ohne Anwendung von Verhütungsmethoden innerhalb eines Jahres schwanger.
Progesteron
Das Hormon Progesteron, auch Gelbkörperhormon genannt, ist neben zum Beispiel Östrogenen ein Hormon, das den weiblichen Menstruationszyklus steuert. Es bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf das Einnisten der befruchteten Eizelle vor, indem es sie auflockert. Darüber hinaus sorgt es in der Phase der Frühschwangerschaft über weitere Wirkmechanismen dafür, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt und keine neuen Eibläschen reifen. Progesteron wird nach dem Eisprung hauptsächlich im Gelbkörper des Eierstocks gebildet, daher auch der Name Gelbkörperhormon. Später, nach Eintreten einer Schwangerschaft, übernimmt der Mutterkuchen (Plazenta) die Produktion des Hormons. Kommt es nicht zur Befruchtung und Einnistung einer Eizelle, fällt die Konzentration von Progesteron wieder ab.
Systemische Wirkweise
Systemische Wirkweise heißt, dass der Wirkstoff bzw. das entsprechende Hormon über den Blutkreislauf an die Wirkstelle gelangt bzw., dass große Mengen des Wirkstoffs oder des Hormons in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Dies geschieht zum Beispiel, wenn Verhütungsmittel wie die Pille eingenommen werden, aber auch bei anderen Anwendungsformen. Auf diese Weise werden die Hormone über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt und können so im gesamten Körper bzw. im gesamten System (systemisch) wirken. Das Risiko für Nebenwirkungen ist daher höher als bei lokaler Wirkweise (siehe lokale Wirkweise).
Quelle
Rote Liste Service GmbH: Fachinformation Mirena®, Stand: Januar 2009;
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Lexikon. URL: http://www.familienplanung.de/service/lexikon/ (Stand: 17.05.2011);
Grüne, B.; Gröger, S.: Kontrazeption. In: Diedrich, K.; Holzgreve, W.; Jonat, W., Schultze-Mosgau A., Schneider, K.-T. M. und Weiss J. M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Aufl. Heidelberg: Springer 2007, S. 60-77 und 125-162;
Reuter, P.: Springer Lexikon Medizin. Berlin, Heidelberg: Springer 2004;
Reuter, P.: Springer Wörterbuch Medizin. 2.Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer 2005







