Hormonspirale und Kinderwunsch

Anwendung auch bei noch offener Familienplanung möglich

Die Hormonspirale beeinflusst die Fruchtbarkeit nicht und kann daher auch bei noch bestehendem Kinderwunsch angewendet werden – unter bestimmten Voraussetzungen auch schon bei jungen Frauen vor der ersten Schwangerschaft.

Die Hormonspirale als Verhütungsmethode wird in erster Linie Frauen empfohlen, die sich bereits ihren Kinderwunsch erfüllt haben und zumindest zeitweilig kein weiteres Kind bekommen möchten. Doch ist der Einsatz der Hormonspirale auch bei jungen Frauen vor einer ersten Schwangerschaft prinzipiell möglich, auch wenn sie in diesem Falle vonseiten des Frauenarztes nicht die erste Wahl ist.

Problematisch ist eine erhöhte Infektionsgefahr

Hintergrund ist die erhöhte Gefahr einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Erregern, die zu einer Infektion des kleinen Beckens führen können. Verkleben dabei die Eierstöcke, büßen diese ihre Funktionsfähigkeit ein, so dass es zur Unfruchtbarkeit kommen kann. Bei Verhütungsmitteln wie der Hormonspirale, die in die Gebärmutter eingesetzt werden und dort ihre Wirkung entfalten, ist das Risiko für solche Infektionen nachweislich erhöht. Wissenschaftliche Studien erbrachten zudem, dass junge Frauen vor dem 25. Lebensjahr aufgrund häufigeren Sexualverkehrs und wechselnder Geschlechtspartner ein zwei- bis dreifach höheres Risiko für eine Infektion des kleinen Beckens haben als Frauen nach dem 25. Lebensjahr. Leben junge Frauen allerdings in einer stabilen Partnerschaft, ist ihr Risiko, selbst wenn sie eine Hormonspirale zur Verhütung benutzen, offenbar nicht höher als bei älteren Frauen. Außerdem zeigte sich, dass die Gefahr von Infektionen des kleinen Beckens bei der Hormonspirale offenbar grundsätzlich geringer ist als bei der Kupferspirale.Dennoch wird aus Vorsichtsgründen in den Anwendungsempfehlungen der Hormonspirale darauf hingewiesen, dass sie möglichst nur dann vor einer ersten Schwangerschaft angewendet werden sollte, wenn aufgrund des Sexualverhaltens ein vergleichsweise niedriges Risiko für sexuell übertragbare Infektionen besteht.Eine weitere Voraussetzung für einen sicheren Einsatz der Hormonspirale ist, dass bestimmte körperliche Voraussetzungen erfüllt sind - etwa, dass die Gebärmutterhöhle normal groß bzw. nicht zu klein ist. Der Arzt wird die Patientin vorab gründlich untersuchen und sie entsprechend über die Eignung der Hormonspirale als Verhütungsmethode beraten.

Der Verhütungseffekt besteht nur, solange die Spirale liegt

Bei der Hormonspirale handelt es sich um eine vorübergehende Verhütungsmethode, d.h. sie wirkt nur, so lange sie funktionsfähig ist und in der Gebärmutter liegt. Wird die Hormonspirale entfernt, ist der Verhütungseffekt ab dem nächsten Monatszyklus praktisch aufgehoben. Der Grund dafür ist, dass die Hormonspirale den Eisprung in den meisten Fällen nicht verhindert und deshalb auch keinen gravierenden Einfluss auf den Monatszyklus hat. Längere Umstellungszeiten, wie sie oft nach dem Absetzen der Pille auftreten, sind bei der Hormonspirale nicht zu erwarten.

Als langfristige Verhütungsmethode lohnenswert

Doch nicht nur medizinische Überlegungen sollten eine Rolle spielen - auch aus Kostengründen sollten junge Frauen, die noch kein Kind bekommen haben, den Einsatz der Hormonspirale genau abwägen. Nur bei längerer Anwendung lohnt sich der finanzielle Aufwand im Vergleich zu beispielsweise der Pille oder anderen Verhütungsmethoden. Besteht der Wunsch, eventuell doch in näherer Zukunft schwanger zu werden, so dass die Hormonspirale bereits nach wenigen Monaten wieder entfernt werden müsste, sind die Kosten für diese Verhütungsmethode vergleichsweise hoch.


Quelle: Toivonen, J.: Intrauterine contraceptive device and pelvic inflammatory disease. In: Annals of Medicine, 25(2), (1993), S. 171-173.; Beerthuizen, R. J.: Pelvic inflammatory disease in intrauterine device users. In: European Journal of Contraception & Reproductive Health Care, 1(3), (1996), S. 237-243; Veldhuis, H. M. et al.: Complications of the intrauterine device in nulliparous and parous women. In: European Journal of General Practice, 10(3), (2004), S. 82-87; Hubacher, D. et al.: Use of copper intrauterine devices and the risk of tubal infertility among nulligravid women. In: New England Journal of Medicine 345(8), (2001), S. 561-567, pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V.: Verhütungsmethoden – Die Spirale, Broschüre, 7. Auflage 2005
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Jul 19, 2010


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