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Verhütung – eine individuelle Entscheidung

Welche Verhütungsmethode für welche Frau?

Frauen haben heute die Wahl – verschiedene Verhütungsmethoden stehen zur Verfügung, die alle jeweils spezielle Vor- und Nachteile aufweisen. Eine individuelle Beratung ist deshalb wichtig, um genau die Methode zu finden, die am besten zu einem passt. Während beispielsweise die Pille in den Wechseljahren oder für Stillende und Raucherinnen eher nicht geeignet ist, empfehlen Experten gerade in diesen Fällen die Hormonspirale.

Möchte eine Frau nicht schwanger werden, stehen mehrere Verhütungsmethoden zur Auswahl, die mitunter neben der Empfängnisverhütung noch weitere, vorteilhafte Wirkungen aufweisen. So können sie z. B. den Zyklus regulieren und Blutungsstörungen bzw. Schmerzen entgegenwirken. Auch hinsichtlich der Einnahme und möglicher Gesundheitsrisiken können einige Verhütungsmittel für einzelne Frauen mehr oder weniger geeignet sein. Daher ist es sinnvoll, sich beim Frauenarzt beraten zu lassen, um die wirklich passende Methode auszuwählen. In erster Linie sind dabei selbstverständlich gesundheitliche Aspekte zu beachten.

Die Pille: Besonders geeignet für junge Frauen

Die Pille ist nach wie vor das Verhütungsmittel Nummer eins in Deutschland. Empfohlen wird die Pille zum Beispiel bei jungen Mädchen und Frauen, die noch keine Kinder geboren haben. Voraussetzung ist hier allerdings, dass keine gesundheitlichen Risiken vorliegen. Die Pille ist eine sichere Verhütungsmethode und kann auch in sehr jungen Jahren - schon relativ kurze Zeit nach der ersten Regel (Menarche)- angewendet werden, ohne dass ein negativer Einfluss auf den inneren Zyklus und die Fruchtbarkeit besteht. Allerdings steigt das gesundheitliche Risiko, das mit der Pille verbunden ist, mit zunehmendem Alter an. Jenseits der „Vierzig“ nehmen auch Herz-Kreislauf-Risiken wie Bluthochdruck und Thromboseneigung unter der Pilleneinnahme zu. Besonders bei Frauen, die rauchen, kann die Verhütung mit der Pille dann problematisch werden. Hinzu kommt: Nur wenn die Pille regelmäßig eingenommen wird, ist der Verhütungsschutz ausreichend gegeben.

In manchen Fällen grundsätzlich besser ohne Östrogen verhüten

Grundsätzlich haben Raucherinnen, die die Pille nehmen, ein mindestens doppelt so hohes Risiko wie gesunde nichtrauchende Pillenanwenderinnen, einen Herzanfall zu erleiden. Treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z.B. Bluthochdruck hinzu, potenziert sich das Risiko durch Anwendung der Pille. Daher wird älteren Frauen, Raucherinnen oder auch Frauen mit Herz-Kreislauf-Risiken von der Pille eher abgeraten. Dann können östrogenfreie Verhütungsmittel wie Minipille, Hormonspirale, oder auch nichthormonelle Methoden wie z.B. die Kupferspirale zum Einsatz kommen. Hormon- und Kupferspirale bieten darüber hinaus nach einmaliger Einlage einen langfristigen Verhütungsschutz über mehrere Jahre. Das Infektionsrisiko ist allerdings bei der Hormonspirale deutlich geringer.

Verhüten ohne Östrogen - auch in der Stillzeit sinnvoll

Auch in der Stillzeit sind östrogenhaltige Verhütungsmittel wie Pille, Vaginalring oder Verhütungspflaster meistens ungeeignet, da sie die Milchproduktion verringern und die Milchzusammensetzung verändern können. Experten empfehlen dann z.B. die Hormonspirale, die kein Östrogen enthält und Einnahmefehler in dieser neuen und bisweilen auch sehr stressreichen Lebensphase ausschließt.

Hormonspirale in den Wechseljahren

Eine besondere Lebensphase stellt die Zeit vor und in den Wechseljahren dar, die nicht nur durch Herz-Kreislauf-Risiken, sondern oftmals auch durch eine unregelmäßige Eierstockfunktion geprägt ist. Frauen in und vor den Wechseljahren leiden daher oft auch an Blutungsstörungen. Sie benötigen Verhütungsmethoden, die nicht nur östrogenfrei sind, sondern auch blutungsregulierend wirken. Auch hier kommen niedrig dosierte Gestagenpräparate wie die Hormonspirale in Betracht.

Viele weitere Faktoren fließen bei der Auswahl ein

Neben den genannten, insbesondere gesundheitsrelevanten Faktoren spielen bei der Auswahl der Verhütungsmethode auch viele weitere Aspekte eine wichtige Rolle. So zum Beispiel die Frage, ob die individuelle Lebenssituation die täglich regelmäßige Einnahme der Pille ermöglicht oder ob Östrogen überhaupt vertragen wird. So bemerken auch viele jüngere Frauen unter der Einnahme der Pille östrogenbedingte Nebenwirkungen, die ggf. für eine östrogenfreie Alternative sprechen würden. Grundsätzlich gilt: Lassen Sie sich von Ihrem Arzt über die Möglichkeiten der modernen Verhütung umfassend beraten.


Quelle: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF), des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF): Empfängnisverhütung - Familienplanung in Deutschland. Stand: September 2010. URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/2-4-5-antikonzeption-2010.pdf (Stand: 20.12.2011)

Zahradnik, H. P.; Hanjalic-Beck, A., Friebel, S.: Die Pille als Therapeutikum – Sichere Kontrazeption und mehr. In: gynäkologie + geburtshilfe (9) 2010, S. 32-34

News: „Verhütungsberatung mit der Hormonspirale”. In: gynäkologie + geburtshilfe (2) 2010, S. 59

News: „Welche Verhütungsmethode für welche Frau?“. In: gynäkologie + geburtshilfe (5) 2011, S. 51; (*Quelle der Daten zu den relativen Risiken der oralen hormonellen Kontrazeption)

Autor: Claudia Urban
Stand: Jan 6, 2012


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