Vorsorge Gebärmutterhalskrebs
HPV-Test soll konventionelle Vorsorge unterstützen
Unter dem Titel "Gebärmutterhalskrebs - Vorsorgeuntersuchung auf dem Prüfstand - Konzepte für eine 100-prozentige Diagnosesicherheit" wurde in Hamburg eine neues Konzept der Vorsorge vorgestellt.
Hamburg - Ein neues Konzept zur Vorsorge und Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs stellte vergangene Woche Professor Dr. Wolfgang Petry vom Klinikum der Stadt Wolfsburg in Hamburg vor. Der ärztliche Direktor des Klinikums sprach sich dabei für eine kombinierte Diagnostik von Pap-Abstrich und dem so genannten HPV-Test aus.
Gebärmutterhalskrebs zählt zu den am meisten gefürchteten gynäkologischen Tumoren. Laut aktuellen Zahlen erkranken in Deutschland jedes Jahr 6.200 Frauen neu an diesem Tumor, für etwa 1.800 endet der Krankheitsverlauf tödlich. Hauptursache von Gebärmutterhalskrebs sind so genannte "Hochrisiko-Viren" des humanen Papillomvirus (HPV).
Gebärmutterhalskrebs ist vermeidbar
Für beinahe alle Formen des Gebärmutterhalskrebses ist eine Infektion mit HPV die Voraussetzung. Eine sexuelle aktive Frau infiziert sich im Laufe ihres Lebens mit dem HP-Virus. Die Infektion wird jedoch vom Immunsystem unterdrückt. Chronifiziert sich die Infektion aber, besteht die Gefahr, dass die Viren Zellveränderungen hervorrufen - was langfristig zu Gebärmutterhalskrebs führen kann.
Bei einer rechtzeitigen Erkennung einer HPV-Infektion mit Hochrisiko-Typen und der entsprechenden Betreuung der Frau, ist in nahezu allen Fällen die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs vermeidbar.
Vorsorge in Deutschland zeigt Mängel
Bislang wird für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs der konventionelle Pap-Abstrich verwendet. Laut Professor Dr. Wolfgang Petry sei dieser auf jeden Fall sinnvoll, würde aber auch Nachteile bergen. "Mehr als die Hälfte der fortgeschrittenen Krebsvorstufen oder Gebärmutterhalskrebse werden mit dieser Methode bei einem einmaligen Abstrich übersehen.", so Professor Dr. Petry. "Umgekehrt ist bei 13 Prozent der gesunden Frauen, die regelmäßig einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung gehen, mindestens ein Abstrich falsch positiv." Diese mögliche Unsicherheit des Testergebnisses würde bei den Frauen große Verunsicherung hervorrufen.
Kombination von Pap- und HPV-Test
Daher sprach sich Professor Dr. Petry für eine Kombination von Pap-Test und HPV-Test aus. "Bei einem negativen Ergebnis in beiden Tests kann für bis zu sechs Jahre vorhergesagt werden, dass kein Krebs entstehen wird.", so Professor Dr. Petry. Bei negativem Pap-Test sei das nur für ein bis drei Jahre mit geringerer Sicherheit möglich.
Wolfsburger Projekt deutschlandweit ausbaubar
Dass sich die doppelte Diagnostik als neues Vorsorgemodell in Deutschland durchsetzen könnte, zeigen die Zwischenergebnisse des so genannten Wolfsburger Pilotprojekts unter der Leitung von Professor Dr. Petry. Das 2006 gestartete Projekt brachte die Deutschen Betriebskrankenkassen (BKK), alle in Wolfsburg niedergelassenen Gynäkologen und das Klinikum Wolfsburg zusammen, und richtet sich an alle weiblichen Versicherten der BKK, die älter als 30 Jahr sind und deren Gebärmutter nicht entfernt wurde. Den Frauen wird neben dem konventionellen Pap-Abstrich ein HPV-Test angeboten, um eventuell Hochrisiko-Viren zu entdecken.
Bislang nahmen knapp 16.600 Frauen am Projekt teil. Bei 94 Prozent der untersuchten Frauen konnten Krebsvorstufen oder Gebärmutterhalskrebs vollkommen ausgeschlossen werden. Bei 88 Frauen konnte eine direkte Krebsvorstufe und bei neun Frauen ein Gebärmutterhalskrebs festgestellt werden. Hätten diese Frauen nur den konventionellen Abstrich machen lassen, wären diese Vorfälle mindestens ein halbes Jahr später oder gar nicht diagnostiziert worden.
"Würde der HPV-Test wie in unserem Modell flächendeckend eingesetzt, könnte in Zukunft etwa die Hälfte der Fälle von Gebärmutterhalskrebs vermieden werden", so Projektleiter Professor Dr. Petry. Erst kürzlich wurde das Wolfsburger Projekt vom Europaparlament ausgezeichnet.
Frauenarzt auf HPV-Test ansprechen
Frauen, die eine höchstmögliche Vorsorge-Sicherheit für Gebärmutterhalskrebs haben möchten, empfiehlt Professor Dr. Petry daher, ihren Frauenarzt beim nächsten Vorsorgetermin auf den HPV-Test anzusprechen. Seit 2008 wird die doppelte Vorsorge durch Pap- und HPV-Test auch von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfohlen.




