Frühgeburt
Risiken kennen und vermeiden
Jedes Jahr kommen in Deutschland fast 50.000 Babys zu früh zur Welt. Dank der High-Tech-Medizin haben sogar Frühchen, die weniger als 28 Wochen alt sind, heute gute Überlebenschancen. Aber nur jedes dritte dieser Kinder entwickelt sich später normal und ist gesund. Was können Mütter tun, um ihr Baby vor einem Frühstart ins Leben zu schützen?
Der Anteil der Babys, die zu früh, also vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, liegt in Deutschland bei sieben Prozent. Immer kleinere Frühchen können durch intensivmedizinische Betreuung überleben. Doch der Preis, den sie zahlen, ist hoch: Zwei Drittel der 8.000 jährlich geborenen Frühchen mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm tragen lebenslange Schäden davon. Oft sind Entwicklungsverzögerungen die Folge. Auch Wortschatz, Seh- oder Hörvermögen können beeinträchtigt werden. In schweren Fällen kommt es auch zu Epilepsie oder schweren Hirnschäden.
Die Gründe: Rauchen, Bluthochdruck, Infektionen...
Etwa zwei Drittel aller Frühgeburten werden durch vorzeitige Wehen, einen Blasensprung oder eine Muttermundschwäche ausgelöst. Haben die Wehen erst einmal eingesetzt, können die Ärzte die Geburt nur mit wehenhemmenden Medikamenten hinauszögern. Dies gelingt allerdings meist nur wenige Tage.
Was im Einzelfall zu einer Frühgeburt geführt hat, lässt sich im nachhinein nur selten klären. Fest steht jedoch: Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die Frühgeburten begünstigen:
- Stress
- Mehrlingsschwangerschaften
- Plazentaprobleme
- ungewöhnliche Lage des Babys
- bakterielle oder virale Infektionen
- Bluthochdruck
- Rauchen
Das A & O: Zur Ruhe kommen
Stress ist einer der Hauptgründe für vorzeitige Wehen. Isolde Brandstädter, Hebamme, rät übermäßigen beruflichen oder privaten Stress zu vermeiden. Die werdende Mutter sollte sich überlegen, wodurch sie zur Ruhe kommen könnte. Die Möglichkeiten sind zahlreich:
- Freunde, Familie oder der Mann helfen im Haushalt.
- Der Arzt verschreibt bei vorzeitigen Wehen eine professionelle Haushaltshilfe, wenn Kinder bis zum schulpflichtigen Alter im Haus sind.
- Die Schwangere zieht sich regelmäßig für Entspannungsübungen zurück.
- Die werdende Mutter lässt sich homöopathische Medikamente gegen Unruhegefühle verschreiben.
Scheideninfektionen sind häufig Auslöser von Frühgeburten
In letzter Zeit mehren sich Hinweise, dass bakterielle Genitalinfektionen der Mutter fast 70 Prozent aller Frühgeburten verursachen. Da Scheideninfektionen anfangs symptomfrei verlaufen, werden sie häufig zu spät erkannt und behandelt. Mit Hilfe eines neuentwickelten Tests lassen sich diese Infektionen jedoch rechtzeitig entdecken: Die Schwangere kontrolliert zweimal wöchentlich zu Hause mit einem Einmalhandschuh den pH-Wert in der Scheide. Stellt sie einen erhöhten pH-Wert fest, sollte der Frauenarzt überprüfen, ob eine Infektion vorliegt.
Erste Studienergebnisse belegen die Wirksamkeit des Tests. So lag die Zahl der frühen Frühgeburten bei Testbenutzerinnen fast um die Hälfte niedriger als bei Frauen, die den Test nicht anwendeten. Die Frauenärzte verschreiben den pH-Selbst-Test allerdings nicht routinemäßig. Auch die Kosten von etwa 50 Euro übernehmen die meisten Krankenkassen nicht.








