Kindslagen
Der richtige Dreh
94 Prozent aller Babys liegen in der für die Geburt normalen Position. Manchmal dreht sich das Kind jedoch nicht optimal.
Dann brauchen Mutter und Kind Hilfe. Um Komplikationen zu verhindern werden frühzeitig medizinische Geburtshilfen eingesetzt.
Normale Geburtslage
Erst in den letzten acht Wochen vor der Geburt, wenn der Platz in der Gebärmutter langsam eng wird, dreht sich das Kind in die für die Geburt optimale Position, die Schädellage. Das Kind steht quasi auf dem Kopf im kleinen Becken der Mutter, damit der Kopf den Weg durch den Geburtskanal für den kleinen Körper bahnen kann. Der Kopf des Kindes kann sich durch seine bindegewebigen Nähte (Fontanellen) der Form des mütterlichen Beckens anpassen. Die richtige Lage mit dem Kopf voran wird dadurch erreicht, dass dieser etwa ab der 32. Schwangerschaftswoche in dem sich dann erst voll entfaltenden Gebärmutteranteil im kleinen Becken aufgefangen wird.
Medizinisch ausgedrückt heißt die normale Geburtslage "vordere Hinterhauptslage": Das Kind liegt in Längslage zum Beckeneingang der Mutter und mit dem Kopf voran. Während der Austreibungsphase, also wenn der Kopf durch den äußeren Muttermund tritt, übernimmt das Hinterhaupt die Führung, während das Gesicht nach hinten schaut. Vor dem Austritt des Kopfes dreht sich das Hinterhaupt zum Schambein, um dem folgenden Schultergürtel einen leichteren Durchtritt durch das Oval des Beckens zu ermöglichen. Nach dem Austritt dreht sich der Kopf mit dem Hinterhaupt zur Seite, damit der folgende Schultergürtel möglichst leicht durch den Ausgang des mütterlichen Beckens gleitet. Der restliche Körper rutscht dann ohne Hindernisse durch den Geburtskanal.
Wann ist ein Kaiserschnitt notwendig
In seltenen Fällen stellt sich das Ungeborene nicht optimal in den Geburtskanal ein. Bei den Schädellagen kann es geschehen, dass sich der Kopf nicht quer, sondern längs zum Beckeneingang der Mutter postiert (hoher Gradstand). Hier kann man zu Geburtsbeginn durch Umlagerung der Kreißenden versuchen, die Drehung des kindlichen Kopfes in die richtige Lage zu unterstützen. Gelingt dies nicht, muss das Kind mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden.
Gelegentlich beugt sich der kindliche Kopf im mütterlichen Becken zur Seite (Scheitelbeineinstellung). Ursache ist häufig eine anatomisch ungünstige Form des mütterlichen Beckens. Dann wird das Kind ebenfalls mit Kaiserschnitt geholt.
Zangengeburt und Vakuumglocke
Fehlt beim Geburtsvorgang die Drehung des Kindskopfes im kleinen Becken zur Anpassung an den Ausgang (tiefer Querstand), so muss die Geburt häufig mit Hilfe einer so genannten Zangenextraktion oder einer Vakuumglocke zu Ende geführt werden. Hierbei wird die fehlende Rotation mit Hilfe des Instrumentes nachgeholt.
Einstellungsanomalien
Bei den so genannten "Beckenendlagen" liegt das Kind vor der Geburt nicht mit dem Kopf nach unten, sondern sitzt aufrecht im Mutterleib. Häufig kommt dies bei Früh- und Mehrlingsgeburten vor. Ursachen sind zuwenig Fruchtwasser durch Schädigung des Mutterkuchens, große Beweglichkeit der Frucht bei schlaffer Gebärmutter, anlagebedingtes Vorkommen u.a.
Bei dieser Geburtslage muss der Kopf als letztes durchtreten, was häufig erschwert sein kann. Bei großen Kindern mit entsprechendem Kopfumfang, Beckenanomalien der Mutter und Frühgeburten wird bei dieser Lage auch eine großzügige Kaiserschnittindikation erstellt.
Absolut ungünstige Kindspositionen sind die Quer- und die Schräglage. Hier ist eine spontane Geburt eines reifen und lebendigen Kindes unmöglich. Nur ein Kaiserschnitt kann Mutter und Kind vor bedrohlichen Situationen bewahren.








