Frau stillt Baby

Stillzeit

Stillen muss nicht müde machen

"Das Kind saugt dich aus." "Das ist zu anstrengend für dich." Bemerkungen wie diese bekommen stillende Mütter gelegentlich zu hören. Sie reagieren empört. Doch manche Wöchnerin fragt sich, ob die unsensiblen Kommentare nicht einen Funken Wahrheit enthalten. Schließlich gibt es Stillende, die in der Tat sehr mitgenommen aussehen, obwohl sie sich ausgewogen und gesund ernähren.

Es hängt nicht nur mit der Ernährung zusammen, dass viele Stillende in den ersten Wochen einen müden und ausgemergelten Eindruck machen. "Man muss bedenken, dass die Mütter nachts ein-, zwei- oder gar dreimal aufstehen und tagsüber - obwohl es immer empfohlen wird - auch nicht schlafen. Unter diesen Umständen würde fast jeder ein wenig matt aussehen", meint die Hebammenlehrerin Ramona Busch aus Hamburg-Wandsbek. Hinzu kommt bei manchen Frauen: Sie haben bereits ein oder zwei Kinder, um die sie sich zusätzlich kümmern müssen. "Die ersten Wochen sind die anstrengendsten. Wenn's dann richtig läuft, sehen die Frauen aber wieder ganz gut aus", sagt die Geburtshelferin. Gerade Frauen mit einer Portion Gelassenheit, die es schaffen, tagsüber ein Nickerchen zu halten, sehen bald wieder rosiger aus.

Stillende braucht täglich 500-600 kcal mehr

Sicherlich spielt aber auch die Ernährung eine Rolle: Einige Stillende sind so mit ihrem Kind beschäftigt, dass sie darüber das Essen vergessen. Dabei sind solide, nährstoffreiche Mahlzeiten (LINK zu Basistext "Von Vielem braucht die Stillende mehr" ID: 5074) gerade für Stillende wichtig: Diese Mütter brauchen zusätzlich zu ihrem Grundbedarf von täglich etwa 2.000 kcal zusätzlich 500-600 kcal, um etwa 780 ml Milch bilden zu können, heißt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Essen sie zu wenig und vernachlässigen wichtige Nährstoffe, ist ihnen dies meistens schnell anzusehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Stillenden täglich eine Zusatzration von:


  • Milch oder Milchprodukten (200-250 ml)

  • magerem Fleisch (40 g)

  • Vollkornbrot (1 Scheibe)

  • einer kleinen Kartoffel oder Reis oder Nudeln (gekocht ein Esslöffel)

  • Haferflocken (1 Eßlöffel)

  • Gemüse oder Salat (150-200 g)

  • Obst (100 g)

Manche Hebammen raten jungen Müttern standardmäßig zu speziellen Vitaminpräparaten für Schwangere und Stillende, die vor allem Jod, Folsäure und Eisen enthalten. Ob eine Frau die Empfehlung beherzigt, bleibt ihr überlassen. Doch sie sollte bedenken: Ein Jodmangel kann die körperliche und geistige Entwicklung des Babys beeinträchtigen. Selbst die wirtschaftlich unabhängige BzGA empfiehlt Jod-Tabletten (0,2 mg/Tag), da der Bedarf mit Lebensmitteln allein nicht gedeckt werden kann.

Probiotika können Neurodermitis-Risiko des Kindes senken

Auch eine Nahrungsergänzung mit Laktobazillen kann sinnvoll sein: Das Neurodermitis-Risiko von Babys kann sich halbieren, wenn die Mutter in den letzten Wochen der Schwangerschaft und während der Stillzeit hoch dosierte Probiotika nimmt, wie eine finnische Studie gezeigt hat.

Regelmäßige, in Ruhe eingenommene Mahlzeiten sind also wichtiger als ein sauberer Küchenboden oder ein aufgeräumtes Wohnzimmer. Dies sollten sich junge Mütter immer wieder klar machen. Was gutes Essen allerdings nicht verhindern kann, ist der weit verbreitete Haarausfall während der Stillzeit. Vielen Frauen sind die täglichen Büschel in der Bürste ein Graus. Oft machen sie dafür die Hormonumstellung oder einen Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Zink verantwortlich.

Wie Experten den vermehrten Haarausfall erklären

Doch laut BzGA kommt es nicht zu krankhaftem Haarausfall. Es stimme zwar, dass den Frauen nach der Geburt mehr Haare ausgingen. Doch dies liege daran, dass der Haarzyklus, der eigentlich desorganisiert ist, durch einschneidende Erlebnisse - und dazu zählt die Geburt - kurze Zeit synchron (gleichzeitig) verläuft. Den Frauen komme es darum vor, als ob sie unter verstärktem Haarausfall litten. Über eine bestimmte Zeitspanne betrachtet, verlieren sie jedoch nicht mehr Haare als normalerweise.

Die Hebamme Ramona Busch liefert eine weitere Erklärung für den Haarausfall nach der Geburt: "Während der Schwangerschaft haben viele Frauen super Haar, super Haut und super Nägel. Nach der Geburt normalisiert sich dieser Zustand wieder. Viele Frauen empfinden das dann als fürchterlichen Haarausfall." (kig)

Quellen: BSMO-Gespräch mit der Hebammenlehrerin Ramona Busch aus Hamburg-Wandsbek; "Stillen und Muttermilch", herausgegeben von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), Köln, 2001; Infotext der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)


Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 6, 2008


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