Missbrauchsfamilie
Delikte mit hoher Dunkelziffer
Missbrauch ist kein Phänomen des fremden Mannes von der Straße oder des `Buschspringers´. 60 Prozent der Übergriffe finden innerhalb der Familie statt, bei etwa 30 Prozent handelt es sich um Bekannte und nur in ungefähr sechs Prozent um Fremdtäter, schreibt der Kinderarzt Bernd Herrmann.
Die Täter sind überwiegend Männer, manchmal jedoch auch Frauen, die Mädchen und Jungen Gewalt zufügen. Die Antwort, warum ein erwachsener Mensch einem Kind so etwas antun kann, ist weder leicht noch einfach.
Missbrauch ist kein Randdelikt. Für viele Jungen und Mädchen gehört Missbrauch und die damit verbundenen Traumata schon seit frühester Kindheit zum alltäglichen Erleben. Der Missbrauch ist in unserer Gesellschaft so häufig, dass man davon ausgehen muss, betroffene Kinder in jeder Kindergartengruppe, jeder Schulklasse, der Nachbarschaft oder Verwandschaft zu finden. Nicht selten sind bereits Kleinkinder und sogar Säuglinge die Opfer.
Kriminalstatistik
Die Dunkelziffer der Fälle von sexuellem Missbrauch ist sehr hoch. Polizeiliche Kriminalstatistiker vermuten, dass bis 75% der sexualisierten Gewalt gegen Frauen nicht zur Anzeige gelangen. Die Angst vor weiterer Gewalt, vor Mobbing am Arbeitsplatz oder Verlust desselben, Scham, Schuldgefühle, Druck durch Familienangehörige oder Freunde lassen die Opfer schweigen. Da die Opfer vielfach noch sehr jung sind, wenn der Missbrauch beginnt, finden sie keine Worte für das, was mit ihnen passiert. Sie sind sprachlos und werden sprachlos gemacht.
1999 wurden insgesamt 15198 Fälle (1998 waren es 11002 Fälle) von Straftaten gegen die so genannte
sexuelle Selbstbestimmung unter Gewaltanwendung oder Ausnutzen eines Abhängigkeitsverhältnisses (§174,174a,174b, 177, 178 StGB) bundesweit erfasst. In 11053 (10618) Fällen wurden männliche Tatverdächtige ermittelt. In 14354 (14460) Fällen war das Opfer weiblich. 8862 weibliche Opfer waren älter als 18 Jahre.
Im speziell ausgewerteten Fall der Vergewaltigung wurden 1999 insgesamt 7565 (1998 8017) Fälle mit insgesamt 7343 (7759) weiblichen Opfern bundesweit erfasst. Insgesamt wurden 5879 (5998) männliche Tatverdächtige ermittelt. Davon waren 4730 (4886) Tatverdächtige über 21 Jahre alt.








