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Scheidung

Scheidung tut weh, besonders den Kindern

Mit einer Trennung fertig zu werden, kostet Eltern viel Kraft. Für die meisten Kinder aber ist das Auseinanderbrechen ihrer Familien eine Katastrophe. Nach einer gewissen Zeit kämen sie schon damit zurecht, lautet die gängige Meinung. Doch eine Untersuchung belegt: "Eine Scheidung ist keine vorübergehende Krise der Kinder."

Die Hamburger Soziologin Anneke Napp-Peters hat 150 Scheidungsfamilien mit 269 Kindern 12 Jahre lang begleitet. Ihr Ergebnis: Gravierend für die Entwicklung der Kinder ist, ob sie auch nach der Trennung Kontakt zu beiden Elternteilen haben. Die Kinder, die den nicht-sorgeberechtigten Elternteil nicht mehr trafen, litten jahrelang unter der Scheidung, oft sogar ein Leben lang. In einer abschließenden Stichprobe von 54 Kindern zeigte sich: Nur 25 Prozent der Kinder ist es gelungen, ihre scheidungsbedingten Schwierigkeiten zu überwinden und sich zu lebenstüchtigen Erwachsenen zu entwickeln. 75 Prozent haben dagegen nach wie vor große Probleme, den Alltag zu bewältigen und längerfristige Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln. Wie wichtig der Kontakt zu beiden Eltern ist, wird somit deutlich: Die 25 Prozent der Kinder, die ihr Leben in den Griff bekommen haben, konnten auf gute Kontakte zu beiden Eltern und auf viel Unterstützung von außen zurückgreifen.

Scheidung ist ein Prozess

Es ist aber nicht nur der letzte Akt der Trennung, der die Kinder in Bedrängnis bringt. Der Jenaer Forscher Peter Noack untersuchte Familien, in denen starke Konflikte herrschten. Die Kinder haben stärkere Probleme als ihre Altersgenossen aus Trennungsfamilien, stellte Noack fest. Für eine Familie sind dauernde Streitigkeiten genauso belastend wie eine Trennung oder Scheidung, fasst Noack das Zwischenergebnis seiner Studie zusammen. Nur um der Kinder Willen eine kaputte Partnerschaft künstlich zu erhalten, ist also für die Kinder wenig hilfreich.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine amerikanische Studie. Probleme und Verhaltensstörungen, die durch schwierige Familiensituationen auftreten, sind bei Kindern bereits vor der endgültigen Trennung zu erkennen. "Scheidung ist ein Prozess, nicht nur ein einzelnes Ereignis im Leben dieser Kinder", sagt Yongmin Sun von der Ohio State University. "Mindestens ein Jahr vor dem Ende der Ehe sind die negativen Effekte einer Scheidung bei Teenagern zu erkennen."

Freunde sollten den Kindern beistehen

Da die Eltern selbst im Konflikt sind und selten ausreichend auf die Situation der Kinder eingehen können, sollten Freunde und Angehörige der Eltern sich stärker um die Kinder kümmern, rät die Berliner Diplompädagogin Monika Hopman. Sie könnten ihnen beistehen, indem sie versuchen mit den Kindern Gespräche zu führen. Ganz wichtig sei, ihnen zu erklären, dass sie am Streit der Eltern keine Schuld haben und der Konflikt nicht gegen sie gerichtet ist.

Eltern sollten alarmiert sein, wenn Reaktionen aus dem Kindergarten oder der Schule kommen. Manche Kinder reagieren auf Trennungen mit Einnässen, andere ziehen sich zurück oder werden aggressiv, sagt Hopman. Spätestens dann sollten die Eltern gezielt Hilfe suchen. Dazu könnten sie sich an Erziehungs- und Familienberatungsstellen oder Familienpsychologen wenden. Entsprechende Adressen wisse häufig der Hausarzt.


Autor: Springer Medizin
Stand: Sep 25, 2007


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