Trauriges Kind wird getröstet

Sorgenkinder

"Mobbing" schon im Kindergarten?

Markus ist 5 Jahre alt und besucht seit über einem Jahr den Kindergarten. Während er es vor einigen Monaten morgens kaum erwarten konnte, endlich zu seinen Spielkameraden zu kommen, zieht er sich seit einigen Monaten immer mehr zurück und weigert sich vehement, in den Kindergarten zu gehen. Denn dort wird er gehänselt, geschubst, beschimpft, erpresst, verlacht oder von seinen einstigen Freunden gemieden.

Ein Einzelfall? Keineswegs- in mehreren Studien konnte belegt werden, dass bereits Kinder im Kindergartenalter Opfer von seelischen oder körperlichen Übergriffen durch Gleichaltrige werden können. Die Studien brachten zudem ans Licht, dass es jedes Kind treffen kann. Selbst Kinder, die sonst sozial kompetent sind, können in ungünstigen Gruppensituationen zum verpönten Außenseiter werden.

Doch was bedeutet Mobbing genau? Françoise Alsaker, Professorin für Psychologie an der Universität Bern erklärt: "Von Mobbing spricht man, wenn ein Kind regelmäßig und systematisch von anderen Kindern direkt oder indirekt, körperlich oder seelisch verletzt wird."

Das Opfer kann von dieser Form der Gewalt dauerhafte Schäden davontragen. Es fühlt sich in seinem Selbstwertgefühl verletzt, verunsichert und hilflos. In vielen Fällen kommen psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Unkonzentriertheit, Angstattacken, Bettnässen und Alpträume hinzu. Daher ist schnelles Eingreifen besonders wichtig. Je eher gegen die Übergriffe vorgegangen wird, desto besser stehen die Chancen, die Mobbing- Vorfälle aufzuhalten.

Doch wie erkennt man Mobbing? Und was können Eltern unternehmen?

So erkennen Sie die Warnsignale

Wenn Ihr Kind über längere Zeit von seinen Kindergarten-Kameraden schikaniert, bedroht oder geschlagen wird, so hinterlässt das Spuren. Häufig zeigen die Kinder typische Verhaltensweisen, die einen Anhaltspunkt darauf geben können, ob das Kind ein Opfer von Mobbing ist.
Zu diesen Verhaltensweisen zählt:


  • Das Kind will nicht mehr in den Kindergarten gehen

  • Es wirkt wenig selbstsicher

  • Es ist sehr ängstlich oder sogar depressiv

  • Es kann nachts schlecht einschlafen und hat häufig Albträume

  • Es hat keine Freunde im Kindergarten

  • Es hat blaue Flecke oder Schürfwunden

  • Es verliert immer wieder Sachen im Kindergarten

  • Es hat Mühe, sich zu konzentrieren


Nicht in jedem Fall müssen diese Auffälligkeiten ein Anzeichen für Mobbing sein. Problematisch ist, dass viele Kinder ihren Eltern nicht erzählen, dass sie im Kindergarten getriezt werden. Umso wichtiger ist es, dass sich Eltern und die Kindergärtnerin über ihre Beobachtungen austauschen und gemeinsam eine Lösung finden. Nur so kann Mobbing schnell gestoppt werden.

Was tun, wenn das Kind gemobbt wird?

Wenn das Kind Opfer von Hänseleien oder sogar körperlicher Gewalt wird, dann ist sensibles Vorgehen sehr wichtig. Viele Kinder denken, dass sie selbst Schuld am Verhalten der anderen Kinder sind und öffnen sich daher ihren Eltern nur sehr zögerlich. Die Eltern sollten signalisieren, dass sie die Sorgen und Ängste des Kindes ernst nehmen und genau hinhören. Das Kind spürt so, dass es den Rückhalt seiner Eltern hat und alle drei können zusammen mit der Kindergärtnerin oder dem Leiter des Kindergartens überlegen, wie das Problem gelöst werden kann. Der Kindergarten ist gesetzlich zum Handeln verpflichtet, um das Wohl des Kindes zu schützen.

Damit sich das Kind selbst aus seiner Opferrolle befreien kann, muss sein Selbstvertrauen so weit gestärkt werden, dass es sich wehren kann. Es muss lernen, sich klar und deutlich zu äußern und die Übergriffe nicht einfach hinzunehmen.

Wenn Sie weitere Informationen oder eine Beratung wünschen, können Sie sich an eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe wenden. Die Adressen finden Sie unter www.schulpsychologie.de


Quelle: Nach Informationen des "Bündnis für Kinder - gegen Gewalt"
Autor: Sibylle Fünfstück
Stand: Feb 6, 2008


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