Bettnässen

Nur selten seelisch bedingt

Bettnässen - ein Tabuthema, über das keiner gerne spricht. Viele Eltern glauben, ihr Kind müsste mit drei Jahren nachts trocken sein, setzen damit sich selbst und ihre Kinder unter Druck. Dabei ist die fehlende nächtliche Blasenkontrolle bis zum Alter von sechs Jahren nicht ungewöhnlich. Und: Es sind die selteneren Fälle, in denen seelische Störungen zugrunde liegen.

Das Deutsche Grüne Kreuz gibt Zahlen an, die überraschen dürften: Noch zehn Prozent der Siebenjährigen sind nachts nicht trocken. Auch fünf Prozent der Zehnjährigen und sogar ein Prozent der Zwanzigjährigen können im Schlaf ihre Blase nicht kontrollieren. In den wenigsten Fällen ist dies jedoch Anzeichen für eine Krankheit, sondern hängt vielmehr mit einer verhältnismäßig langsamen Entwicklung der Blasenkontrolle zusammen. Aber auch ein seelisches Problem kann dahinter stecken.

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Bettnässen aus medizinischer Sicht

Vom Bettnässen im medizinischen Sinn (Enuresis nocturna) sprechen Ärzte erst, wenn ein Kind nach dem fünften Lebensjahr noch an mindestens zwei Nächten im Monat einnässt. Mediziner unterscheiden zwischen der primären und der sekundären Enuresis.



  • Eine primäre Enuresis liegt vor, wenn das Kind seit der Geburt noch nie über einen längeren Zeitraum trocken war. Hier nimmt man als Ursache eine Verzögerung in der Entwicklung an: Es dauert in diesen Fällen lediglich etwas länger, ehe die Blase auch nachts kontrolliert werden kann. Häufig gibt es dazu eine familiäre Veranlagung. Die primäre Enuresis ist mit 75 bis 80 Prozent die häufigere Form.


  • Bei der wesentlich selteneren sekundären Enuresis nässt das Kind nachts plötzlich wieder ein, nachdem es bereits mehrere Monate trocken war. Bei dieser Form scheinen psychische Ursachen eine Rolle zu spielen, denn häufig tritt sie mit plötzlichen Veränderungen im Leben des Kindes ein. Etwa wenn ein neues Geschwisterkind geboren wird, wenn sich die Eltern trennen oder den Wohnort wechseln.

Schimpfen oder Strafen hilft den Kindern nicht

Den meisten Kindern mit Enuresis ist "ihr Problem" sehr peinlich. Ältere kapseln sich vielfach von ihrer Umgebung ab, wollen nicht bei Freunden übernachten oder an einem Schulausflug teilnehmen.

Eltern sollten auf das Einnässen keinesfalls mit Vorhaltungen oder, schlimmer noch, mit Strafe reagieren. Ein Besuch beim Kinderarzt ist in jedem Fall hilfreich. Dieser untersucht zunächst, ob eine körperliche Erkrankung, wie etwa ein Harnwegsinfekt, ausgeschlossen werden kann. Danach versucht der Mediziner in einem ausführlichen Gespräch herauszufinden, ob der kleine Patient an seelischen Problemen leidet oder ob das Bettnässen lediglich auf eine vergleichsweise langsame Entwicklung zurückzuführen ist. In beiden Fällen helfen Eltern ihrem Kind am besten mit viel Verständnis und vor allem mit Geduld.


Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 13, 2001


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