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Lernen fürs Leben

Kinder und ihre Ängste

Angst gehört zum Leben, ist in gefährlichen Situationen sogar lebenswichtig. Kinder müssen deshalb mit ihr leben lernen. Davor können Eltern sie nicht bewahren. Aber sie können ihnen helfen, mit Angst umzugehen. In einer Atmosphäre der Geborgenheit entwickeln schon kleine Kinder Strategien gegen Monster unter dem Bett und Wölfe im Kleiderschrank.

Kinderängste verunsichern auch Eltern. Sie stehen hilflos vor zitterndem Nachwuchs und unsichtbaren Monstern. Doch Angst gehört zum Leben. In gefährlichen Situationen ist sie eine natürliche Reaktion. Vor der Angst bewahren können Eltern Kinder nicht. Aber sie können sie ermutigen, Angst aus eigener Kraft zu bewältigen.

Erste Erfahrungen mit der Angst

Bis zum fünften Lebensjahr lernen Kinder fünf Urformen der Angst kennen:


  • vor dem Verlust des Körperkontakts - als Säugling


  • vor Fremden - ab dem achten Monat


  • vor Trennung (zunächst von den Eltern) - mit dem Krabbeln und den ersten Schritten


  • vor Vernichtung, geäußert als Furcht vor Gewitter, Feuer, Wasser, Gespenstern - ab drei Jahren


  • vor dem Tod, etwa mit Geschrei beim kleinsten Kratzer: "Ich sterbe!" - ab vier Jahren

Bei älteren Kindern verlagern sich die Ängste auf realere Dinge.

Hausgemachte Ängste: Erziehungsfehler

Zwischenmenschliche Ängste, so genannte soziale Ängste, entwickeln Kinder oft, wenn ihre Erziehungspersonen:


  • sie unterdrücken, erniedrigen oder bedrohen.


  • sie inkonsequent behandeln oder überfordern.


  • sie zu sehr behüten oder ihnen keine Grenzen setzen.

Sozial verängstigte Kinder brauchen dringend die Möglichkeit, ein positives Selbstbild zu entwickeln, sollten emotionale Stabilität erfahren und sich angenommen fühlen.

Versteckte Ängste - was sind die Symptome?

Versteckte Ängste äußern sich oft, indem Kinder in frühere Entwicklungsstadien zurückfallen (Regression) - Babysprache benutzen, wieder ins Bett nässen - oder sich emotional zurückziehen, wenig Neugier oder Selbstvertrauen zeigen. Auch Ungeduld, Aggression, Überangepasstheit, Distanzlosigkeit gegenüber Fremden können Anzeichen sein.

Was tun? Patentrezepte gibt es nicht

Kinder brauchen das Gefühl, dass Eltern sie und ihre Furcht ernst nehmen. Genau zuhören und sie bei eigenen Strategien unterstützen hilft. Kleinere Kinder vermischen noch Wirklichkeit und Fantasie. Das können sie hervorragend gegen die Angst einsetzen. Manche schaffen sich unsichtbare Freunde, andere ihre eigenen Rituale. Bei Schulkindern helfen klärende Gespräche. Gemeinsam mit den Eltern kann das Kind überlegen, was es gegen die Situation tun kann, die Angst macht.


Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 25, 2002


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