Zeugnisse
Schlechte Schulnoten nicht bestrafen
Eltern sollten auf schlechte Schulzeugnisse ihrer Kinder mit Augenmaß und Behutsamkeit reagieren, raten Psychologen zum bevorstehenden Ende des Schulhalbjahres. Strafen für schlechte Zensuren sind der falsche Weg, warnte die Kinderpsychologin Ulrika Rudat in einem dpa-Gespräch. Stattdessen seien Zuwendung und Einfühlungsvermögen angebracht.
Schlechte Zeugnisse machen Kindern ohnedies schwer zu schaffen, sagte Rudat. Sie seien enttäuscht über ihre eigene Leistung und fühlten sich oftmals vor Mitschülern gedemütigt. Dazu komme das Gefühl, den Eltern Enttäuschung zu bereiten. Könnten sich Kinder in dieser Situation nicht des uneingeschränkten Vertrauens ihrer Eltern sicher sein, führe dies mitunter sogar zu Überreaktionen. "Wenn Kinder zum Beispiel wegen eines schlechten Zeugnisses ausreißen, ist das auch eine Art der Angstbewältigung", erläuterte die Psychologin. Besonders anfällig dafür seien Kinder, die schon früher Missachtung durch die Eltern erfahren hätten.
Zu Zeugnisängsten bei Kindern tragen nach Erfahrungen der Expertin oftmals die Eltern selbst mit überzogenen Leistungsansprüchen bei. Ihr Rat: "Eltern sollen akzeptieren, dass es unterschiedlich begabte Kinder gibt." Statt vermeintliche Fehlleistungen ständig zu kritisieren, zu verspotten oder gar zu bestrafen, sei Wertschätzung für die positiven Seiten wichtig. Wenn ein Kind die Versetzung wider Erwarten doch noch schafft, muss es spüren, dass auch die Eltern sich über seinen Erfolg freuen.
Rudat empfiehlt Eltern, mit den Kindern gemeinsam die Ursachen schulischen Versagens zu ergründen und das nicht erst, wenn die Noten schwarz auf weiß auf dem Zeugnis stehen. Ein schlechtes Zeugnis kommt nicht aus heiterem Himmel, Leistungstendenzen sind längerfristig zu erkennen, bemerkte sie.








