ADHS
Wenn Kinder nicht hören wollen
Vermeintliche Hörstörungen bei Kindern entpuppen sich häufig als ADHS-Störungen. HNO-Ärzte sollten die Symptome von ADHS genau kennen, um richtige Weiterbehandlung zu empfehlen.
Das Krankheitsbild der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS/HKS) ist keine Seltenheit im Kindes- bzw. Jugendalter; Schätzungen zufolge sind Jungs drei- bzw. viermal häufiger davon betroffen als Mädchen. Obwohl sich typische Verhaltensauffälligkeiten oftmals schon im Kindergartenalter zeigen, wird diese motorische Hyperaktivität häufig viel zu spät ernst genommen. Meistens suchen besorgte Eltern erst mit ihrem Schulkind den Arzt auf; und weil sie hinter dem Nichthörenwollen oder der Fahrigkeit ihres Kindes Hörstörungen vermuten, führt sie ihr erster Weg zum HNO-Arzt. In der neuesten Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift HNO, stellt ein Artikel die neuesten Erkenntnisse zu ADHS zusammen und geht vor allem auf die Bedeutung der Störung für HNO-Ärzte ein.
Sechs bis zehn Prozent aller Kinder leiden unter den Symptomen von ADHS. Meist zeichnet sich die Störung durch motorische Unruhe bei gleichzeitiger Konzentrations- und Ausdauerschwäche aus. Werden die Symptome erst spät erkannt und das Kind oder der Jugendliche erträgt schon zu lange schulische Misserfolge oder mangelnde Anerkennung im Freundeskreis, so ist das Risiko von Folgeerkrankungen sehr hoch: Bei einem Drittel aller Kinder reichen Störungen bis ins Erwachsenenalter hinein. Zu den späteren Auffälligkeiten gehören Depressionen, häufiger werden Schul- und Berufskarrieren abgebrochen, auch kommen Drogen oder Aggressivitätsdelikte in verstärktem Maße vor. Aufgrund der Aufmerksamkeitsschwäche bleibt ein erhöhtes Risiko für Unfälle, auch im Straßenverkehr bestehen.
Ursachen für die Hyperaktivitätsstörung sind bislang nicht geklärt. Als sicher gilt, dass verschiedene Komponenten zusammen kommen müssen, um ADHS auszulösen. Genetische Faktoren, also eine Vorbelastung der Eltern, erhöhen das Risiko einer ADHS-Störung nachweislich. Allergien als möglicher Auslöser oder eine Erziehungsinkompetenz der Eltern zählen eher zu den spekulativen Erklärungsversuchen. Um ADHS sicher zu erkennen oder auszuschließen, findet der Facharzt im Artikel Hinweise zu Checklisten und Fragebogen; gleichzeitig erhält er Tipps, wie auf-schlussreiche Gespräche mit den Angehörigen zu führen sind.








