ADS
Hilfe für Zappelphilipps
Zirka fünf Prozent aller Kinder in Deutschland leiden an Hyperaktivität, einer so genannten Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS). Keine Therapie kann ADS gänzlich heilen. Doch können Kinder und Eltern lernen, besser mit ADS zu leben. Was hilft den Zappelkindern und ihren Familien, die Krankheit besser in den Griff zu bekommen?
Hyperaktive Kinder sind für ihre Eltern und Familien eine starke Belastung. Rund um die Uhr beanspruchen sie Aufmerksamkeit. So etwas stresst und nervt, Konflikte stehen auf der Tagesordnung. Da die hibbeligen Kinder für andere unerträglich sind, leben Familien mit hyperaktiven Kindern oft isoliert. Häufig werden den Eltern Erziehungsfehler unterstellt. Es ist wichtig, dass ADS frühzeitig erkannt wird, damit den Kindern und ihren Familien geholfen werden kann. Dabei sollte die Familie umfassend aufgeklärt werden über ADS. Denn wenn Eltern und Kinder das Verhalten verstehen, ist schon viel gewonnen. Schulungen, psychologische und pädagogische Betreuung können den Eltern helfen, ihre schwierigen Kinder zu bändigen.
Klare Regeln helfen
Hyperaktive Kinder brauchen ein klares Erziehungskonzept und einen strukturierten, regelmäßigen Tagesablauf, da sie Schwierigkeiten haben sich zu organisieren und orientieren. Um ihre Kinder zu erreichen, sollten die Eltern nicht nörgeln oder predigen, sondern stattdessen:
- Konsequent sein: Klare Regeln aufstellen und eindeutige Signale aussenden.
- Tages- und Wochenpläne aufstellen: Mit wenigen Aufgaben beginnen, die das Kind einhalten kann.
- Größere Aufgaben in kleine Untereinheiten unterteilen.
- Häufig loben. Das Kind für eingehaltene Regeln und erfüllte Aufgaben belohnen.
- Ruhig und geduldig bleiben: So wird das Eskalieren von Konflikten vermieden.
- Und nicht vergessen: Kein Kind ist absichtlich schlecht. Das Kind sollte spüren, dass es trotz seiner Schwierigkeiten geliebt wird und seine Eltern ihm helfen wollen.
Die Behandlung maßschneidern
Hyperaktive Kinder müssen ihre Wahrnehmung, ihre Bewegung und ihr soziales Verhalten schulen. Damit sie für eine Therapie zugänglich werden, ist eventuell eine Behandlung mit Medikamenten, etwa mit Ritalin, notwendig. Generell sollte es so sein, dass für jedes ADS-Kind ein individueller Behandlungsplan entworfen wird, sagt Dr. Michael Huss, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité in Berlin. Da die Störung die Kinder begleitet, sollte auch die Therapie so aussehen: "Man muss diese Kinder begleiten." Und besonders über kritische Lebensphasen hinweghelfen, wie etwa die Schule und die Pubertät.
Verschiedene Therapien koppeln
Eine Verhaltenstherapie kann störende Verhaltensmuster abbauen und das soziale Verhalten des Kindes verbessern. Eine amerikanische Studie ergab, dass die Kombination einer medikamentösen Therapie und Verhaltenstherapie die deutlichste Besserung zeigte. Auch Bewegungstherapien, wie Ergotherapie oder Motologische Bewegungsübungen, können hilfreich sein. Über Sport können die Kinder ihren starken Bewegungsdrang ausleben und Aggressionen abbauen. Generell würde eine Umwelt, die kindlichen Bewegungsdrang unterstützt und toleriert, vielen Zappelkindern das Leben schon leichter machen. Regelmäßige Entspannungssübungen können die Konzentrationsfähigkeit der Kinder steigern und aggressives Verhalten eindämmen.
Lehrer sollten die Kinder trainieren
"Lehrer haben diese Kinder ja fünf Tage in der Woche. Wenn die ein paar Methoden verändern, dann können sie schon im Unterricht eine ganze Menge trainieren", sagt Dieter Krowatschek vom Schulpsychologischen Dienst des Staatlichen Schulamts im Kreis Marburg-Biedenkopf. Die Bereitschaft der Lehrer hierzu sei sehr groß. Würden Grundschullehrer mit speziellen Materialien und Methoden mit den ADS-Kindern arbeiten, so könne man die hyperaktiven Kinder nach vier Jahren Grundschule nicht mehr auf Anhieb von normalen Kindern unterscheiden. Ein Übergang in weiterführende Schulen ist so problemloser möglich.
ADS-Kinder haben ihre Stärken
"Je früher und je adäquater und je kontinuierlicher die Behandlung erfolgt, desto besser ist die Prognose", erklärt Dr. Huss, Oberarzt an der Charitè. Aber auch die Einbindung der Familie und des sozialen Umfeldes einschließlich der Schule sei mitverantwortlich für die weitere Entwicklung des Kindes. Denn ADS-Kinder, sagt Dr. Huss "haben ihre Stärken. Aber die muss man ein bisschen herauskitzeln. Es gibt sehr viele, die sehr begabt sind und eine wunderbare berufliche Entwicklung machen. Sie suchen sich halt Berufe, wo sehr schnelle, spontane Bauchentscheidungen gefragt sind, zum Beispiel Broker."








