Ess-Erziehung
Übergewichtige Kinder: Last auf Körper und Seele
7% der Mädchen und 10% der Jungen in Deutschland sind übergewichtig, gibt der Ernährungsbericht 2000 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bekannt. Der Grund, darin sind sich die Experten einig, ist zu fettes Essen und zu wenig Bewegung. Übergewichtige Kinder geraten schnell in einen Teufelskreis. Von Gleichaltrigen verspottet ziehen sie sich immer mehr zurück.
"Das ist doch nur Babyspeck - das verwächst sich schon wieder" trösten sich manche Eltern, doch die gesundheitlichen Konsequenzen von Übergewicht sind mitunter gravierend: Nicht selten leiden die Kinder an hohem Blutdruck. Haltungsschäden und Gelenkveränderungen kommen hinzu. Ganz zu schweigen von den seelischen Narben, die durch Ausgrenzung der anderen Kinder entstehen.
Mahlzeiten auslassen ist falsch
Dicke Kinder benötigen die Hilfe ihrer Eltern. Sie sind sich zwar ihres Problems bewusst, doch sie reagieren häufig falsch. Beispielsweise lassen sie Mahlzeiten aus, oft das Frühstück, um dadurch Gewicht zu verlieren. Amerikanische Wissenschaftler der Bostoner Tufts University haben nachgewiesen, dass solches Auslassen der Mahlzeiten meist dazu führt, dass die Kinder mehr zucker- und salzhaltige Snacks zu sich nehmen und dadurch letztlich Gewicht zulegen.
Die Eltern sollten also in die Nahrungsauswahl ihrer Kinder mit eingebunden werden und darauf achten, dass die Kinder keine Hauptmahlzeit auslassen. Folgende Tipps können Eltern beachten:
- Den Speiseplan verändern und fettärmer kochen. Seltener Fleisch.
- Das Kind ins Einkaufen und Kochen miteinbeziehen.
- Auf gemeinsame Mahlzeiten achten.
- Am Wochenende viel Bewegung - etwa gemeinsam Rad fahren oder schwimmen.
- Keine Vorräte an Süßigkeiten zu Hause horten.
- Möglichst die Bewegung und die Ernährung mit Spaß verbinden und das Kind nicht durch "Diät" und "Training" unter Leistungsdruck setzen.
Ernährungsinitiativen für übergewichtige Kinder
Wenn Eltern feststellen, dass sie es alleine nicht schaffen, ihrem Kind zu helfen, sollten sie Unterstützung von außen suchen. Eine Initiative von Ernährungsexperten und Krankenkassen sind beispielsweise die "Powerkids" (www.powerkids.de), bei der die Kinder spielerisch ihr Essverhalten verändern lernen. Das können die Kinder gemeinsam mit ihren Familien über einen Zeitraum von zwölf Wochen machen, ein Paket ist für ca. 30 Euro bei der AOK erhältlich.
Erfolgversprechend ist die langfristige Initiative "Moby Dick" (www.mobydickhamburg.de), die unter Anleitung von Ärzten, Ernährungswissenschaftlern und Psychologen stattfindet. Das Programm wurde in Hamburg entwickelt und hat sich inzwischen zu einem Netzwerk auf rund 15 weitere deutsche Städte ausgeweitet.
Über ein Jahr lang treffen sich übergewichtige Kinder in ihren Stadtteilen, treiben gemeinsam Sport und lernen, langfristig ihre Essgewohnheiten umzustellen. Spott und Ausgrenzung müssen sie dabei nicht befürchten, denn alle haben ja das gleiche Problem. Psychologen stärken das Selbstbewusstsein der Kinder und zeigen ihnen, wie sie auch selbst Verantwortung übernehmen. Eltern und Kinder müssen sich vertraglich verpflichten, mindestens ein Jahr lang regelmäßig an den Trainingsgruppen und Elternabenden teilzunehmen. Die Gebühr beträgt monatlich rund 100 Euro; einige Krankenkassen erstatten bei regelmäßiger Teilnahme den Betrag ganz oder teilweise.








