Alkohol
Die „Wahrheit“ übers Komasaufen
Bei aller Besorgnis über exzessives Trinken von hartem Alkohol bei Jugendlichen warnt Dr. Elisabeth Fandler, Graz, vor der Stigmatisierung derjenigen Teenager, bei denen das Ganze eine Art „Ausrutscher“ war. Schlagzeilen wie „Teenies im Vollrausch“ oder die Rede vom „Komasaufen“ jedenfalls seien absolut kontraproduktiv.
Es stimmt auch nicht, wie vielfach geschrieben, dass Alkoholexzesse bei immer jüngeren Kindern stattfinden – laut Studien ist das Altersmuster seit 30 Jahren gleichbleibend: Der erste große Rausch findet im Schnitt mit 15,5 Jahren statt. Bedenklich ist allerdings heutzutage der Grad der Alkoholisierung: Im Durchschnitt haben die Betroffenen zwei Promille Alkohol im Blut, ein nicht geringer Teil muss auf der Intensivstation behandelt werden.
Dennoch: 80–85 Prozent der Fälle in der Universitätskinderklinik Graz erwiesen sich im Gespräch als nicht akut gefährdet, bei ihnen handelte es sich um einen „Alkohol-Unfall“. 15–20 Prozent der Teenies wurden als psychosozial belastet eingestuft. Diese Zahlen decken sich mit anderen psychosomatischen Stationen. Unter fünf Prozent werden als suchtgefährdet eingeschätzt.
Vorläufiges Fazit der Psychologin: Es ist wichtig, bei den Gründen zu differenzieren. Strafen und Verbote seien sicher nicht die richtige Antwort, vielmehr sei interdisziplinäre (fachübergreifende) Zusammenarbeit angesagt.








