Geschlechterspezifische Probleme
Jungen mit Problem finden kaum Beachtung
Eine Studie zu typischen Problemen amerikanischer Jugendlicher zeigt: Jungen haben häufiger mit schwerwiegenderen Problemen zu kämpfen als gleichaltrige Mädchen.
Sowohl Jungen als auch Mädchen haben auf ihrem Weg ins Erwachsenenalter mit mitunter gravierenden Problemen zu kämpfen. Während die geschlechtsspezifischen Probleme der Mädchen jedoch selten Auswirkungen auf ihren späteren Werdegang haben, geraten Jungen nicht selten in Krisen, die schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen. Dennoch findet die besondere Situation der Jungen keinerlei Beachtung im öffentlichen Leben. Zu diesem Ergebnis kommt Judith Kleinfeld, Professorin für Psychologie an der University of Alaska Fairbanks in den Vereinigten Staaten. Ihre Studie erschien in der Juni-Ausgabe des Journals "Gender Issues", einer Fachpublikation des Springer Science + Business Media-Verlags.
Judith Kleinfeld untersuchte Geschlechtsunterschiede im Hinblick auf die schulischen Leistungen, darunter die Lesefähigkeit, College-Aufnahmetests, Schulnoten, das Engagement in der Schule und die Schulabbruchrate. Es zeigte sich, dass die Jungen schlechter lesen können, weniger gute Noten haben, sich weniger stark schulisch engagieren, vermehrt auf Nachhilfeunterricht angewiesen sind und häufiger die Schule abbrechen als ihre weiblichen Altersgenossen. Auch Selbstmord, Verletzungen und Straffälligkeit kommen bei Jungen deutlich häufiger vor. Mädchen hingegen leiden eher an Depressionen oder Essstörungen. Während es jedoch auf unterschiedlichsten Ebenen Programme gibt, die sich mit den spezifischen Problemen der Mädchen befassen, bleiben die Schwierigkeiten der Jungen weitestgehend unbeachtet.
"Mädchen waren schon immer besser in der Schule", erläutert die Psychologin. "Sie erledigen ihre Hausaufgaben und sind auch sonst besser vorbereitet, während Jungen eher eine Abneigung gegen die Schule entwickeln. Viele Jungen glauben außerdem, dass gerade weibliche Lehrer Mädchen bevorzugen und Jungen als Problemkinder abtun.". Aufgrund der substanziellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind Jungen auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem stark benachteiligt. Angesichts dieses Ungleichgewichts ist es laut Kleinfeld von großer Bedeutung, männliche Heranwachsende nicht aus der öffentlichen Debatte der Geschlechtsunterschiede auszuklammern. "Auch Jungen haben geschlechtsspezifische Probleme, um die sich die Politik und das öffentliche Leben kümmern müssen", so Kleinfeld.








