
Babyklappe
Anonym Adoptierte üben Kritik
Eine Mutter, die ihr ungewolltes Neugeborenes anonym abgeben will, kann dies in Deutschland seit dem Jahr 2000 grundsätzlich tun. Wenn sie das Kind in eine Babyklappe gelegt hat, wird es kurz darauf aus dem Wärmebett geborgen und versorgt. Nach einer Welle der Sympathie für das gut gemeinte Angebot, melden sich nun die Kritiker zu Wort. Sie warnen vor den Folgen.
Die Zahl von Findelkindern geht seit Jahrzehnten zurück. Etwa eines von 19.000 Neugeborenen wird ausgesetzt, das sind etwa 40 Kinder pro Jahr. Rund die Hälfte davon wird tot gefunden. Die Dunkelziffer ist vermutlich um ein Vielfaches höher. Die Befürworter der in Deutschland seit rund zwei Jahren eingerichteten Babyklappen hoffen, diese Zahl zu verringern.
Mütter in Notsituationen können sich bei der
Findelkinder kommen gewöhnlich ohne medizinischen Beistand und damit unter großen Risiken zur Welt. Als Alternative zur Babyklappe befürworten die Gesundheitsministerien der Länder daher die "anonyme Geburt", die eine medizinische Versorgung von Mutter und Kind sicherstellen soll.
Zweifel: Frauen in Panik fahren nicht erst zu einer Babyklappe
Erwachsene Adoptierte und Hilfsorganisationen für Kinder im In- und Ausland sind gegen Babyklappen und anonyme Geburt. "Mütter, die ihr Neugeborenes töten, handeln in Panik, und in Panik sucht keine Frau nach einer Babyklappe", sagt Christine Swientek, Professorin für Sonderpädagogik an der Universität Hannover. Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Thema Adoption.
Statt einen Bedarf zu decken, werde dieser geweckt, meint Swientek. So sei in Hamburg die Zahl der ausgesetzten Kinder gestiegen, seitdem es Babyklappen gibt. Zudem argumentieren die Kritiker: Es sei keineswegs sicher, dass immer die Mutter das Kind abgebe. Genauso gut können es zahlungsunwillige Kindsväter oder Familienangehörige der Mutter sein, die sich des Kindes entledigen wollen.
Anonyme Trennung belastet Mutter und Kind oft ein Leben lang
Adoptierte kritisieren die Folgen der Trennung von Mutter und Kind. Durch die Anonymität haben Findelkinder keine Chance, ihre biologischen Wurzeln in Erfahrung zu bringen. "Babyklappe oder anonyme Geburt sind der totale Bruch mit der eigenen Geschichte - ohne Möglichkeit, sie zu recherchieren", bestätigt Regula Bott, Psychologin bei der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle der vier Norddeutschen Länder (GZA). Bott ist der Ansicht, dass Mütter in Krisensituationen besser ermuntert werden sollten, ihr Kind regulär zur Adoption freizugeben. Nicht Anonymität helfe ihnen, sondern menschliche Zuwendung und Beratung. Dazu gehöre auch das Wissen um die Erfahrung vieler Betroffener, dass eine Adoption für Mutter und Kind oft ein Leben lang belastend bleibt.








