frau haelt ihren schwangeren bauch

Ernährung

Das Ungeborene isst mit

Die Ernährung während der Schwangerschaft spielt eine bedeutende Rolle für die Entwicklung des Babys und für einen ungestörten Schwangerschaftsverlauf. Der Organismus der schwangeren Frau ist so ausgerichtet, dass immer zuerst die Versorgung des Kindes gewährleistet ist. Viele Nährstoffe werden zunächst zum Föten geleitet. Dadurch entsteht für einzelne Nährstoffe im Körper der Schwangeren schnell ein Mangel, den sie durch besonders nährstoffhaltige Nahrung ausgleichen muss.

Energiebedarf

Schwangere sollten für zwei essen, lautet die landläufige Meinung. Doch ein erhöhter Energiebedarf besteht erst ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft. Eine Gewichtszunahme von 10-12 Kilogramm bei normalgewichtigen Frauen ist natürlich, allerdings sollte jede werdende Mutter ihre Gewichtszunahme vom Arzt kontrollieren lassen. Für die gesamte Schwangerschaft werden zusätzlich 71 700 Kalorien benötigt.

Um diesen Bedarf zu decken, reicht es aus, wenn die Schwangere 255 Kilokalorien pro Tag mehr zu sich nimmt. Der Mehrbedarf an Energie ist durch das Wachstum des Föten und der Plazenta bedingt. Im Vergleich zum teilweise stark erhöhten Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen, ist der Bedarf an Energie nur gering erhöht. Deshalb sollte die werdende Mutter die "Mehrkalorien" in der Schwangerschaft durch Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte decken - sprich durch Nahrungsprodukte, die im Verhältnis zu ihrer Kalorienzahl einen hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen enthalten.

Kohlenhydrate

Der Anteil der Kohlenhydrate sollte, wie auch vor der Schwangerschaft, über 50 Prozent der Gesamtenergiezufuhr entsprechen. Die werdende Mutter braucht vor allem komplexe Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lassen. Diese finden sich besonders in ballaststoffreichen Lebensmitteln. Zudem wirken Ballaststoffe günstig auf die Verdauung. Das in der Schwangerschaft vermehrt gebildete Hormon Progesteron, das den Uterus ruhigstellt, dämpft nämlich auch die Darmbewegung. Dies erklärt die Verdauungsbeschwerden während der Schwangerschaft. Ballaststoffe wirken anregend auf die Darmmotorik und können der Verstopfung so entgegenwirken.

Da Süßigkeiten wenig Nährstoffe, aber viel Energie enthalten, sollte ihr Anteil an der Gesamtkohlenhydratzufuhr mit etwa 40g Zucker pro Tag (weniger als 0,5 Liter Limonade oder Fruchtsaftgetränke) nur gering sein.

Fette

Der Fettbedarf in der Schwangerschaft ist nicht erhöht. Der Stoffwechsel der Schwangeren verträgt eine zu hohe Fettbelastung sogar schlechter, da das Blut einer Schwangeren bereits eine physiologische Erhöhung der Gesamtlipide aufzeigt. Weiß ein Labormediziner zum Beispiel nicht, dass eine Schwangerschaft besteht, wird er eine erhebliche Fettstoffwechselstörung feststellen. Die Schwangere sollte deshalb vorwiegend pflanzliche Fette - sprich hochwertige Pflanzenöle - zu sich nehmen, da tierische Fette die Blut-Fettwerte eher noch ansteigen lassen. Außerdem enthalten pflanzliche Fette essentielle Fettsäuren, wie zum Beispiel Linolsäure. Linolsäure spielt vor allem bei dem Aufbau von Geweben eine bedeutende Rolle und wirkt günstig auf den Lipidspiegel im Blut der Mutter. Zudem enthalten Pflanzenöle fettlösliche Vitamine, wie zum Beispiel Vitamin E.

Eiweiß

Da Eiweiß für den Aufbau von Körpersubstanz benötigt wird, ist der Eiweißbedarf in der Schwangerschaft erhöht. Allerdings liegt die Eiweißaufnahme in den westlichen Industrieländern über dem Bedarf. Die Schwangere braucht sich über ihre Eiweißversorgung in der Regel also keine Gedanken zu machen.

Tierisches Eiweiß ist zwar hochwertiger als pflanzliches Eiweiß. Doch sollte die Schwangere mit tierischen Proteinen vorsichtig umgehen, da diese meistens auch einen hohen Fettanteil haben.

Vitamine

Die meisten Vitamine - vor allem Folsäure und die B-Vitamine - benötigt die werdende Mutter in höherer Menge als vor der Schwangerschaft. Der Bedarf an Folsäure ist sogar so hoch, dass er nur sehr schwer durch die Nahrung gedeckt werden kann.

Folsäure besitzt eine besondere Bedeutung bei der Prävention von Neuralrohrdefekten, wie zum Beispiel ein offener Rücken oder Entwicklungsstörungen des Gehirns. Der Verschluss des Neuralrohrs ist bereits in der 6.- 8. Woche abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt stellen aber viele Frauen überhaupt erst fest, dass sie schwanger sind. Deshalb ist es wichtig schon vor der Schwangerschaft auf eine ausreichende Folsäure-Zufuhr zu achten. Zur Vermeidung dieser Komplikationen sollten insgesamt 600 Mikrogramm Folsäure aufgenommen werden. Diese Menge an Folsäure kann die Schwangere allerdings nicht mit der Nahrung allein aufnehmen. Deshalb empfehlen verschiedene Fachgesellschaften Frauen mit Kinderwunsch eine Supplementierung von 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Fast unmöglich ist es während der Schwangerschaft ausschließlich über die Nahrung eine optimale Versorgung mit Eisen und Jod zu gewährleisten.

Eisen ist wichtig für den Aufbau von roten Blutkörperchen. Außerdem ist Eisen für die kindliche Hirnentwicklung unentbehrlich. Die Schwangere sollte somit etwa 30 Milligramm Eisen durch die Nahrung und Supplemente am Tag aufnehmen. Wichtig ist, dass die Einnahme der Eisentabletten nicht gleichzeitig mit den Mahlzeiten erfolgt, sondern zum Beispiel vor dem Schlafen gehen, um die Eisenaufnahme im Darm nicht zu beeinträchtigen.

Jod benötigt der Körper zur Bildung der Schilddrüsenhormone, die jetzt von Mutter und Kind gebildet werden und auch für das Wachstum des Ungeborenen wichtig sind. Während der Schwangerschaft ist der Bedarf an Jod somit nochmals erhöht, weshalb Ärzte eine zusätzliche Zufuhr von 200 Mikrogramm Jod in Form von Supplementen empfehlen.

Kalzium ist wichtig für den Aufbau der Knochensubstanz. Der Kalzium-Bedarf ist während der Schwangerschaft nicht erhöht. Allerdings werden die auch für Nichtschwangere empfohlenen 1000 Milligramm pro Tag oft nicht erreicht. Wenn die werdende Mutter nicht gerne Milchprodukte - durch die der Kalzium-Bedarf in der Regel hauptsächlich gedeckt wird - isst oder diese schlecht verträgt, sollte auch die Kalziumversorgung ebenfalls durch Supplemente ergänzt werden.


Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 6, 2008


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