Augengesundheit
Sehschwächen bei den Kleinsten frühzeitig erkennen
Bei zahlreichen Kindern wird erst mit der Einschulung festgestellt, dass das Sehen eingeschränkt ist. Eine wirksame Therapie muss jedoch so früh wie möglich beginnen.
Nach Schätzungen von Experten sind bis zu zehn Prozent aller Kinder von einer Sehschwäche betroffen. Häufig handelt es sich dabei um eine erworbene Schwachsichtigkeit (Amblyopie), bei der eines oder beide Augen in den ersten drei Lebensjahren nicht in der Lage waren, das scharfe Sehen zu erlernen. Manchmal fällt ein entsprechendes Defizit erst in der Schule auf. Dann jedoch ist die Sehschwäche nicht mehr rückgängig zu machen. Auf dem World Ophthalmology Congress werden sich im Juni Experten über eine mögliche Verbesserung der Früherkennung austauschen.
Professor Dr. med. Oliver Ehrt von der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München erklärt im Vorfeld des Kongresses, dass die Lernfähigkeit für scharfes Sehen mit jedem Lebensjahr abnimmt. "Bereits bei der Einschulung ist sie vermindert und bei Teenagern nur noch schwach vorhanden", so Ehrt. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Schwachsichtigkeit frühzeitig zu erkennen. Das jedoch ist gar nicht so einfach, denn in den ersten Lebensjahren halten sich die Anforderungen an das scharfe Sehen noch in Grenzen.
Um die Sehschwäche bereits in der sensiblen Lernphase zu diagnostizieren, raten Experten zu einer Vorsorgeuntersuchung vor dem dritten Geburtstag. Seit dem Jahr 2008 ist sie in Deutschland Bestandteil der kinderärztlichen Untersuchung (U7a). Ehrt erläutert: „Kinderärzte können das Krankheitsbild aber nicht vollständig abklären. Denn dazu gehört auch die Messung der Fehlsichtigkeit mit Weitstellen der Pupille.” Der Experte fordert aus diesem Grund ein augenärztliches Screening für alle kleinen Patienten. In Schweden konnten mit entsprechenden Programmen der Früherkennung bereits große Erfolge erzielt werden. So nahm die Zahl der Kinder mit schwerer Schwachsichtigkeit laut Ehrt um stolze 90 Prozent ab.








