Übergewicht
Stillen schützt vor Adipositas
Eine schnelle frühkindliche Gewichtszunahme verdoppelt bis verdreifacht das Risiko für eine spätere Adipositas (Fettleibigkeit). Stillen reduziert dagegen die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht im Schul- und Erwachsenenalter. Dabei besteht eine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung:
Bei einer Stillzeit von bis zu neun Monaten sinkt das Risiko mit jedem Monat um 4 Prozent. Das zeigen verschiedene Studien und Auswertungen von Untersuchungen mit Datensätzen von über 70.000 Kindern. Ausgelöst wird dieser Effekt durch den niedrigeren Eiweißgehalt der Muttermilch im Vergleich zur Flaschenmilch. Vor allem die hohe Konzentration verzweigtkettiger Aminosäuren stimuliert die Ausschüttung (Sekretion) von Insulin und Insulin-like Growth Factor – den entscheidenden Motoren des kindlichen Wachstums in der ersten zwei Lebensjahren, wie Prof. Dr. Berthold Koletzko aus München, erklärte.
Eine Studie (multizentrische Interventionsstudie) mit gesunden Neugeborenen bestätigte jetzt diesen Effekt. 619 Kinder wurden über mindestens drei Monate gestillt und 1.138 Kinder erhielten die Flasche – letztere doppelblind randomisiert (Arzt und Teilnehmer wissen nicht, was der Patient erhält) in eine Gruppe mit niedrigem und eine mit hohem Eiweißgehalt. Es zeigte sich, dass das Längenwachstum der Kinder nicht beeinflusst wurde, das Gewicht sich aber deutlich unterschiedlich entwickelte: Die Kinder der Hochproteingruppe waren im Monat sechs und am Ende der Intervention im Monat zwölf wesentlich schwerer als die der Kontrollgruppen. Das Gewicht blieb auch im Folgejahr im Sinne einer metabolischen Programmierung anhaltend hoch. Deutlich geringer war das Gewicht der Kinder der Niedrigproteingruppe, das zwar auch über dem der gestillten Kinder lag, sich im zweiten Jahr aber auf dem gleichen Niveau einpendelte.



