Entwicklung
Gift in Plastik verweiblicht Jungen
Bestimmte Chemikalien aus Plastikwaren können einer US-Studie zufolge das Gehirn und letztendlich auch das spätere Spielverhalten männlicher Babys beeinflussen.
Jungen, die schon im Mutterleib mit hohen Dosen von Weichmachern der Phthalat-Gruppe in Berührung kommen, spielen später weniger gern mit typischen Jungenspielzeugen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern der Universität of Rochester. Phthalate dürfen seit einigen Jahren nicht mehr für die Herstellung von Kinderspielzeugen verwendet werden, denn sie stehen im Verdacht, wie weibliche Geschlechtshormone zu wirken. Die Forscher fanden die Weichmacher jedoch etwa in Fußbödenbelägen aus Vinyl, in Verpackungsmaterial, Kunstmöbeln und Duschvorhängen.
Um den Einfluss der chemischen Verbindungen auf den männlichen Nachwuchs aufzuklären, untersuchte das Team um Shanna Swan Urinproben von werdenden Müttern ab dem vierten Monat auf Phthalate. Anschließend begleiteten die Forscher den Nachwuchs der untersuchten Frauen für 4 bis 7 Jahre und warfen dabei ein Auge auf das Spielverhalten der Kleinen. Jene Jungen, die schon im Mutterleib erhöhten Werten der Phthalate DEHP und DBP ausgesetzt waren, ließen Autos, Züge und Waffen links liegen und suchten das Weite, wenn sich ein Spielkamerad mit ihnen raufen wollte.
Die Forscher vermuten, dass die Substanzen DEHP und DBP einen Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns haben und das männlichen Geschlechtshormon Testosteron blockieren. Elizabeth Salter-Green, Direktorin von CHEM Trust, zeigt sich besorgt über die Ergebnisse. Sie erklärt: „Es ist schon seit Jahren bekannt, dass die Phthalate, denen wir ausgesetzt sind, die Gesundheit gefährden können. Klar ist nur nicht, wie weit diese Gefährdung geht.“ Sie fügt an, dass die beobachteten Jungen noch sehr jung sind. Vermutlich könne ein verändertes Spielverhalten in frühen Jahren jedoch weitere Feminisierungen in anderen Bereichen des späteren Lebens mit sich bringen.








