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Meningokokken C: Vor allem Jugendliche werden zu selten geimpft
In Deutschland wird seit 2006 allen Kindern möglichst im Alter von zwei Jahren, spätestens jedoch bis zum Alter von 18 Jahren eine Impfung gegen Meningokokken C empfohlen. Denn die Erkrankung kann dramatische Folgen haben. Doch bisher wurde nur ein Drittel der Kinder und Jugendlichen tatsächlich geimpft.
Tatjana Eser geht mit langsamen Schritten, gestützt auf Gehhilfen nach vorne auf das Podium. Die 21-Jährige ist nach Berlin gekommen, um anhand ihres Schicksals die Bedeutung der Meningokokken-Impfung zu veranschaulichen. Mit Halsschmerzen, grippenähnlichen Symptomen, Erbrechen und Durchfall begann die Infektion damals bei ihr. Sie fühlte sich wie in Trance. Doch die Symptome schritten rasch voran: Bereits am nächsten Morgen hatte Tatjana Eser am ganzen Körper schwarze Flecken. Ihre Großmutter rief den Notarzt, der sie sofort ins Klinikum Aschaffenburg brachte. Ihre Enkelin hatte Glück im Unglück: Die Meningokokken-Infektion wurde umgehend erkannt und auch behandelt. Dennoch musste sie mehr als fünf Monate auf Intensivstationen verbringen und mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Die Infektion hatte zur Sepsis geführt, die wiederum mit einer Gewebestörung einherging. Der linke Vorfuß und die rechte Ferse mussten amputiert werden, zwei Rückenmuskel wurden in die Füße verpflanzt, an den Beinen waren Hauttransplantationen nötig, die viele Narben zurückließen. In einer mehrmonatigen Rehabilitation musste Tatjana Eser das Gehen wieder völlig neu erlernen. Heute versuchte sie, wieder nahezu unabhängig zu leben und zu arbeiten, doch vor allem bei Anstrengungen schränken starke Schmerzen in den Füßen ihre Lebensqualität noch immer sehr ein.
Dieser Verlauf einer Meningokokken-Infektion ist nicht untypisch. „Oft handelt es sich um eine dramatische, schnell fortschreitende Erkrankung, die potentiell lebensbedrohlich ist“, betonte Prof. Dr. Sieghart Dittmann, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Arbeitsgemeinschaft Meningokokken, auf einer Pressekonferenz in Berlin. Fünf bis 15 Prozent der Betroffenen versterben und bei weiteren zehn bis 15 Prozent bleiben Nerven- oder schwere Gewebsschäden zurück. Bei einer schweren Sepsis, die nach Angaben von Prof. Dr. Bernd Salzberger, Universitätsklinikum Regensburg, von der bakteriellen Infektion selbst, aber auch von der Reaktion des körpereigenen Immunsystems auf diese Infektion ausgelöst werden kann, liegt die Sterblichkeit sogar bei 50 Prozent. Hinweise auf die Sepsis liefern laut Dr. Jan Leidel, einem Mitglied der STIKO, die dunklen Flecken auf der Haut, die auf Einblutungen zurückzuführen sind und – im Gegensatz zu harmlosen Hautrötungen – nicht verschwinden, wenn man ein leeres Wasserglas auf die Stelle drückt.
In Deutschland gibt es jedes Jahr bis zu 700 Meningokokken-Infektionen – 80 Prozent der Betroffenen haben ein Alter unter 18 Jahren. Hierzulande grassieren von den insgesamt 13 sogenannten Serogruppen vor allem Meningokokken B und C. Da es – im Gegensatz zu Meningokokken B – gegen Meningokokken C inzwischen einen gut wirksamen und verträglichen Impfstoff gibt, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts seit 2006, alle Kinder im zweiten Lebensjahr gegen Meningokokken C zu impfen, also in der Regel bei der Vorsorguntersuchung U6 im zehnten bis 12. Lebensmonat, bzw. die Impfung bis zum 18. Lebensjahr nachzuholen. Während die Impfung im Alter von zwei Jahren laut Dittmann nach aktuellen Schätzungen inzwischen bei etwa 70 Prozent der Kinder erfolgt, ist von den älteren Schulkindern und Jugendlichen bislang nur ein Fünftel geimpft worden. Die Jugendlichen seien sehr schlecht zu erreichen, erklärte Dr. Wolfram Hartmann, der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Seines Erachtens müssten Ärzte daher dort aktiver werden, wo sich die Jugendlichen aufhalten, beispielsweise in Schulen oder Jugendeinrichtungen. Dittmann kündigte darüber hinaus an, auch andere Arztgruppen wie Haus- und Frauenärzte auf die Bedeutung der Impfung aufmerksam machen zu wollen, damit diese, Jugendliche entsprechend beraten, falls sie zu ihnen kommen.








