
Tumorschmerzen
Schmerzlinderung bei Tumorpatienten muss weiter verbessert werden
Der 11. März ist der "Nationale Tag gegen den Tumorschmerz". Initiator ist der Arbeitskreis Tumorschmerz der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS). Mit verschiedenen regionalen Aktionen und einer bundesweiten Telefonaktion wollen die DGSS-Experten über die Therapiemöglichkeiten bei Tumorschmerz aufklären.
Schon zum Zeitpunkt der Diagnose einer Krebserkrankung haben etwa ein Drittel der Patienten chronische Schmerzen, im fortgeschrittenen Krankheitsstadium sind es etwa 90 Prozent. Bei zwei Dritteln der Betroffenen sind die Schmerzen nicht ausreichend gelindert, und die Lebensqualität ist entsprechend beeinträchtigt. Jeder Dritte äußert aufgrund seiner Schmerzen sogar den Wunsch nach einem raschen Tod. Das müsste nicht sein, denn es stehen wirksame Therapien zur Verfügung, mit denen bei 90 Prozent der Patienten eine gute Schmerzlinderung möglich ist.
Mit dem "Nationalen Tag gegen den Tumorschmerz" will der Arbeitskreis Tumorschmerz der DGSS auf die mangelnde Versorgung der Patienten in Deutschland aufmerksam machen. Patienten und Angehörigen, Ärzten und Interessierten wird bundesweit in regionalen Veranstaltungen die Möglichkeit gegeben, sich über das Problem Tumorschmerz zu informieren. Außerdem gibt es eine Telefonaktion, in der Experten Fragen von Patienten und Angehörigen zum Thema beantworten. Der Aktionstag findet im Rahmen des "Global Year Against Cancer Pain" (Oktober 2008 bis Oktober 2009) statt, den die internationale Schmerzgesellschaft IASP (International Association for the Study of Pain) ausgerufen hat.
Die mangelnde schmerztherapeutische Versorgung von Tumorpatienten in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten Europas lasse sich zum Beispiel auch am Morphinverbrauch ablesen, so Dr. Stefan Wirz, Sprecher des Arbeitskreises Tumorschmerz. Deutschland sei hier mit 20 kg pro Jahr und einer Million Einwohner europaweit Schlusslicht. Länder mit guter Tumorschmerztherapie wie Dänemark verbrauchten bis zur vierfachen Menge an Opioidanalgetika.
Mittlerweile gebe es ein großes Angebot an Fortbildungsveranstaltungen zum Tumorschmerz, von denen niedergelassene Kollegen rege Gebrauch machten, so Wirz. Dennoch sei die Umsetzung einer notwendigen Schmerztherapie in der Praxis oft schwierig, weil weiterhin Vorbehalte und Ängste bestehen, mit einem stark wirksamen Opioid zu behandeln, so Wirz im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". So seien das Suchtpotenzial, gravierende Nebenwirkungen (etwa eine Atemdepression) oder unerwünschte Begleitwirkungen wie Übelkeit und Obstipation häufig genannte Gründe dafür, ein Opioid nicht zu geben. Hausärzten, die Tumorpatienten betreuen, rät Wirz daher, sich bei der Opioidtherapie auf ein Präparat oder zwei Präparate zu beschränken, mit denen sie sich dann gut auskennen.
Für die schmerzlindernde OpioidDauertherapie bei starken bis sehr starken chronischen Tumorschmerzen sind lang wirksame orale Retardpräparate oder transdermale Pflastersysteme Mittel der ersten Wahl. Mit diesen Zubereitungen ist auch das Missbrauchs- und Suchtpotenzial geringer als mit kurz wirksamen Opioid-Präparaten. Denn durch die retardierte Galenik flutet der Wirkstoff langsam an - und somit bleibt der suchterzeugende "Kick" aus.
Auch die Angst vor einer Atemdepression sei meist unbegründet: Denn wenn man die Therapie richtig macht, sei eine Atemdepression extrem selten, betont Wirz, der Chefarzt der Abteilung Anästhesie, Interdisziplinäre Intensivmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin am Katholischen Krankenhaus im Siebengebirge in Bad Honnef ist.
Kontinuierliche Analgesie gegen chronische Schmerzen
Wichtig für eine kontinuierliche Schmerzlinderung ist, Retardopioide und Opioidpflaster nach festem Zeitplan - also nicht nach Bedarf - anzuwenden. Infrage kommen nach dem WHO-Stufenschema zur medikamentösen Schmerztherapie auf Stufe 2 Tilidin (etwa Valoron® N) und Tramadol (etwa Tramal® long). Optionen auf WHO-Stufe 3, also bei sehr starken Schmerzen, sind außer Morphin (etwa MST Mundipharma®) die neueren Substanzen Hydromorphon (Palladon® retard, Jurnista®) und Oxycodon (etwa Oxygesic®). Neu ist Oxycodon in fixer Kombination mit Naloxon (Targin®). Durch den Naloxon-Anteil ist das Risiko geringer, dass es zu einer ausgeprägten opioidinduzierten Obstipation mit all ihren unangenehmen Begleitsymptomen und der entsprechenden Beeinträchtigung der Lebensqualität kommt.
Eine Alternative zur oralen Therapie sind die Opioidpflaster mit Fentanyl (etwa Durogesic® SMAT) oder Buprenorphin (Transtec® PRO). Von Vorteil ist, dass sie nur alle paar Tage gewechselt werden müssen und auch bei Patienten mit Schluckstörungen oder gastrointestinalen Problemen gut anwendbar sind.






