
Gesunde Lunge
Bau und Funktion der Atemorgane
Die Atmung ist ein unbewusster Vorgang, sie läuft ohne unser Zutun ab. Meistens bemerken wir sie erst, wenn etwas nicht in Ordnung ist, z.B. bei einer Erkältung oder bei verstopfter Nase. Aber auch anstrengender Sport lässt uns die Maße unserer Lunge spüren.
Die beiden Lungenflügel wirken wie zwei große, mit Luft gefüllte Schwämme. In ihrem Inneren befinden sich die Bronchien - bildlich gesehen die Straßen für die ein- und ausströmende Luft.
Die Wege der Atmung
Die Atmung nimmt ihren Anfang an den Körperöffnungen: Nase und/oder Mund. Die Nasenatmung hat neben dem Geruchssinn folgende Aufgaben:
- Sie reinigt die Atemluft,
- befeuchtet den Luftstrom und
- erwärmt ihn.
Das Reinigen, Erwärmen und Anfeuchten der Luft dient dem Schutz von Kehlkopf und tieferen Luftwegen vor äußeren Reizen. Diese Funktionen erfüllt die Mundatmung nur sehr eingeschränkt oder überhaupt nicht.
Rachen und Kehlkopf sind die Verbindung von Nase und Mund mit der Luftröhre. Der Kehlkopf besteht aus Knorpelplatten, Muskeln und Bändern und spielt eine wichtige Rolle bei der Stimmbildung: Die Stimmbänder werden durch Luftschwingungen in Vibration gebracht und das Auspressen der Atemluft erzeugt die charakteristischen Töne. Zudem verhindert der Kehlkopf den Eintritt von Nahrung in die Luftröhre.
An den Kehlkopf schließt sich die Luftröhre an, die sich im weiteren Verlauf in einen rechten und einen linken Hauptbronchus aufteilt. Diese beiden Hauptstränge ziehen in je eine Lungenhälfte und verzweigen sich in immer kleinere Äste in die Bronchiolen, die am Ende in kleine Lungenbläschen, die Alveolen, münden. So ergibt sich das typische Bild des Bronchialbaumes.
Wissenswerte Fakten zur Atmung
- Das Gesamtlungenvolumen ?- die so genannte Totalkapazität - beträgt normalerweise etwa 6 Liter.
- Der rechte Lungenflügel ist etwas größer als der linke, da hier das Herz liegt. Er besteht aus drei, der linke Lungenflügel aus zwei Lungenlappen.
- Mit jedem Atemzug werden in Ruhe etwa 0,3 bis 0,5 Liter Luft "gezogen" (Atemzugvolumen).
- In Ruhe macht der Mensch etwa 12 bis 16 Atemzüge in einer Minute.
- Die Lungenoberfläche, also die Fläche auf welcher der Gasaustausch stattfindet, beträgt ausgebreitet das 60-Fache der Körperoberfläche.
Wo beginnt Atmung tatsächlich?
Wenn Sie auf Ihren Atem ganz genau achten, bemerken Sie, wie regelmäßig er abläuft. Dabei ist der Atem in Ruhe um ein Viertel langsamer als Ihr Puls - also ergeben vier Pulsschläge einen Atemzug.
Wenn es die Situation erfordert, passen sich Atemrhythmus, Atemtiefe und Atemfrequenz den neuen Umständen an.
Zahlreiche Faktoren sind an der Atmung beteiligt:
- So genannte Chemorezeptoren messen den Kohlendioxid- und Sauerstoffgehalt im Blut.
- Rezeptoren in den Lungenbläschen ermitteln den Dehnungszustand der Lunge und geben die Information an das Atemzentrum im zentralen Nervensystem weiter.
- Das Atemzentrum im verlängerten Rückenmark reguliert die Atmung und passt sie an die jeweilige Situation an. So steigt die Atemfrequenz bei körperlicher Aktivität, aber auch Ängste, Gefühle und Gedanken nehmen Einfluss auf die Feinabstimmung der Atmung.
- Die Atemmuskulatur dehnt oder presst die Lunge:
- Die Einatemmuskulatur besteht aus dem Zwerchfell und unterstützender Muskulatur, z.B. der Zwischenrippenmuskulatur.
- Die Ausatmung ist ein passiver Vorgang, welcher durch die Erschlaffung der Einatemmuskulatur und die Rückstellkraft der Lunge zustande kommt. Nur beim forcierten Ausatmen tritt die Ausatemmuskulatur, z.B. Bauchmuskulatur oder Zwischenrippenmuskulatur, in Aktion.
Wo entsteht Lungenkrebs?
Am häufigsten entsteht Lungenkrebs in den Bronchien. Von hier breitet er sich in das umliegende Gewebe aus. Schließlich treffen Krebszellen auch auf Blut- und Lymphgefäße, über die sie sich weiter im Körper ausbreiten können.
Die Entwicklung von Krebszellen vollzieht sich vor allem in der Schleimhaut der Bronchien. Schädliche Stoffe, z.B. Tabakrauch, die über einen längeren Zeitraum auf die Schleimhaut einwirken, begünstigen vermutlich die Entstehung von bösartigen (malignen) Zellen.
Weil die meisten Lungenkrebse in den Bronchien entstehen, heißen sie "Bronchialkarzinome".
Was sind die Ursachen?
In Deutschland ist der Lungenkrebs sowohl bei Männern als auch bei Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung, bezogen auf neue Krebsfälle pro Jahr. Betrachtet man die Sterblichkeit, liegt Lungenkrebs bei den Männern an erster und bei den Frauen an dritter Stelle. Seit Ende der 80er Jahre geht die Zahl der Neuerkrankungen bei den Männern zurück, während sie bei den Frauen ansteigt. Dahinter stehen vermutlich veränderte Rauchgewohnheiten.
Bei nahezu neun von zehn männlichen und sechs von zehn weiblichen Lungenkrebs-Kranken lässt sich nachweisen, dass der Krebsentstehung Rauchen zugrunde lag.
Auch Passivrauchen kann ein Risikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs sein. Weitere Auslöser stellen so genannte kanzerogene (krebserregende) Substanzen wie Asbest, Chrom, Arsen, Nickel und bestimmte Kohlenwasserstoffe dar, denen vor allem spezielle Berufsgruppen ausgesetzt sind. Auch Radon kann Lungenkrebs hervorrufen.
Tragische Statistik
- Jedes Jahr versterben weltweit rund eine Million Menschen an Lungenkrebs. Im Jahr 2.000 waren es in Deutschland allein 39.000 Menschen!
- Trotz bestmöglicher medizinischer Versorgung überleben nur etwa 13% der männlichen und 14% der weiblichen Lungenkrebs-Kranken die ersten fünf Jahre. Ein Grund dafür ist, dass dieser Krebs lange im Verborgenen wächst und erst sehr spät Beschwerden auftreten.
- Die Behandlung ist somit in vielen Fällen darauf ausgerichtet, den Fortgang der Krankheit zu verlangsamen und die Beschwerden deutlich zu erleichtern.
Es werden verschiedene Formen des Bronchialkarzinoms unterschieden
Wie bei anderen Krebserkrankungen auch, gibt es verschiedene Arten von Bronchialkrebs. Man unterscheidet je nach Ursprung der Krebszellen in:
- kleinzelliges Bronchialkrazinom
- nichtkleinzelliges Bronchialkrazinom
- Mischformen (selten)
Die Einteilung ist wichtig für Therapie und Verlauf der Krebserkrankung.
1. Das kleinzellige Bronchialkarzinom
Diese Form des Lungenkrebses ist durch ein schnelles Wachstum und früh auftretende Metastasen gekennzeichnet. Dabei gelangen Krebszellen über die Blutbahn in Lunge, Knochen, Gehirn, Leber und Knochenmark und bilden dort Absiedlungen (Metastasen). Für die Therapieplanung ist es wichtig zu wissen, wie weit fortgeschritten der Tumor ist also in welchem Stadium er sich befindet. Deshalb werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt.
1.1. Einteilung in Stadien
In der Regel unterscheiden Mediziner zwischen begrenzter (limited disease) und fortgeschrittener Krankheit (extensive disease). Im ersten Fall ist die Ausbreitung des Krebses auf einen Lungenflügel begrenzt, im letzten hat sich das Karzinom auch auf andere Organe ausgedehnt.
Der Behandlungsplan ist abhängig vom Tumorstadium. Bei der Festlegung der Therapie werden neben der exakten Stadien-Einteilung auch Gesundheitszustand und das allgemeine Abwehrsystem des Patienten sowie die Zielsetzung der Behandlung berücksichtigt.
2. Das nichtkleinzellige Bronchialkarzinom
Diese Krebsform wächst langsamer als der kleinzellige Lungenkrebs und metastasiert auch nicht so schnell. Das nichtkleinzellige Bronchialkarzinom kann in unterschiedlichen Zelltypen entstehen und wird entsprechend benannt. Man unterscheidet:
- Plattenepithelkarzinom (ausgehend von den Zellen der obersten Schleimhautschicht)
- Adenokarzinom (ausgehend von schleimproduzierenden Zellen)
- Großzelliges Karzinom (Ursprung noch nicht vollständig aufgeklärt)
2.1. Einteilung in Stadien
Die Einteilung der Stadien erfolgt nach dem so genannten TNM-System. Dabei steht "T" für die Größe des Tumors, "N" für die Anzahl und Lokalisation der befallenen Lymphknoten und "M" für Fernmetastasen in anderen Organen. Unterschieden werden T1-4, N0-3 und M0-1. So bedeutet T1 N0 M0: kleiner Tumor, keine Lymphknoten befallen und keine Fernmetastasen vorhanden. Diese Einteilung ist wichtig, da sich die Therapie nach ihr richtet.




