Schokolade
Warum macht sie "süchtig"?
Schokolade - viele kommen nur schwer an der fettig-süßen Verlockung vorbei. Schlimm sind vor allem die dran, die unter Heißhungerattacken auf Schokolade leiden. Doch was löst das Verlangen nach Schokolade aus?
Schokolade wird auf der ganzen Welt genossen und geliebt. Einen Anlass zum Schokolade kaufen und essen gibt es immer. Nicht immer ist das ein froher Anlass. Viele Menschen essen Schokolade aus Frust, bei Kummer und Stress.
Dabei geht ein schlechtes Gewissen mit dem Schokoladengenuss meist Hand in Hand. Doch das Verlangen wird schnell zur Gier und besiegt alle guten Vorsätze.
Schokolade als Ersatz für Gefühle
Für viele, die eigentlich abnehmen wollen und einen großen Bogen um Schokolade schlagen, kann der zunehmende Heißhunger zum realen Albtraum werden. Schokolade gilt als Dickmacher und wird deshalb von der Genussliste gestrichen. Dieses Verhalten kann jedoch zu Essstörungen wie latenter Esssucht führen.
Wer als Kind schon Schokolade als Ersatz für Emotionen erfahren hat und zum Beispiel für Artigkeit und gute Leistungen damit belohnt, bei Traurigkeit damit getröstet und bei Angstgefühlen oder Sehnsucht nach Geborgenheit damit beruhigt wurde, der greift bei ähnlichen Gemütsstimmungen auch als Erwachsener eher zu Schokolade als Trostmittel.
Kinder, die Belohnungen durch immaterielle oder nicht essbare Dinge erfahren haben, entwickeln diese Verhaltensmuster nicht.
Dennoch heißt es, dass Schokolade stimmungsaufheiternde beziehungsweise psychoaktivierende Stoffe enthalte, die bei übermäßigem Genuss zu einem Suchtgefühl führen können.
Welche Substanz löst das Verlangen aus?
Auch Wissenschaftler beschäftigt das Verlangen und Suchtverhalten nach Schokolade.
Einige Forscher vermuteten, dass die Gier nach Schokolade auf psychoaktivierende Substanzen zurückzuführen sei. In ihren Untersuchungen erhielten sie jedoch diesbezüglich nur wenig oder keine Bestätigungen.
Folgende Substanzen in der Schokolade wurden auf ihre Wirkung hin untersucht:
- Theobromin (3,7-Dimethylxanthin), ein coffeinähnlicher Pflanzenstoff (Alkaloid) der Kakaobohne und relativ schwach stimulierende Substanz im Zentralnervensystem, die keine wesentlichen subjektiven Effekte auslöste.
- Methylxanthin und Koffein sind Purinderivate und Inhaltsstoffe von Schokolade, jedoch liegen diese in so geringer Konzentration vor, dass sie nicht so wirksam ist wie zum Beispiel bei Kaffee oder Tee.
- Weitere Substanzen wie zum Beispiel Histamin, Serotonin, Tryptohpan, Phenylethylamin, Tyrosin, Magnesium und andere, die teilweise auch als Hormone beziehungsweise Neurotransmitter bekannt sind, liegen in vielen anderen Lebensmitteln höher konzentriert vor, als in Schokolade. Trotzdem haben diese anderen Lebensmittel keinen vergleichbaren Effekt und lösen nicht so starkes Verlangen aus, wie Schokolade.
- Bestimmte Eiweiße, sogenannte Casomorphine (bioaktive Peptide wie Tyrosin), die von im Verdauungssystem befindlichen Opiatrezeptoren gebunden werden. Diese könnten auf das Zentralnervensystem einwirken. Doch hier gibt es leider nur sehr wenige Studien, die versucht haben, psychische Effekte nach oraler Einnahme der Substanzen - alleine oder in Kombination - zu untersuchen.
Speziell Frauen haben oft ein starkes Verlangen nach Schokolade, es sind sogar schon so genannte Anonyme Schokoholiker-Gruppen gegründet worden. Bis heute ist kein Beweis für pharmakologische Abhängigkeit aufgrund psychoaktiver Substanzen in Schokolade gefunden worden.
Keine psychoaktiven Substanzen in der Kakaobohne
Eine 1994 durchgeführte Studie kann dies verdeutlichen:
Die Forscher Michener und Rozin untersuchten, welche Substanzen eine reduzierende Wirkung auf das Verlangen nach Schokolade haben.
Hierbei wurde auch ein Plazebo zum Vergleich eingesetzt. Sie gaben Probanden mit starkem Verlangen nach Schokolade (die auf englisch "chocolate cravers" genannt werden) verschiedene versiegelte Riegel, die folgendes enthielten:
- Milchschokolade
- weisse Schokolade
- Kakao in Kapseln, da dieser viele der psychoaktiven Substanzen enthält
- Plazebo-Kapseln
- weisse Schokolade in Kombination mit Kakaokapseln
Im Versuchsablauf aßen die Teilnehmer jeweils einen der sechs verschiedenen Riegel, wenn sie ein Verlangen nach Schokolade verspürten. Sie notierten die Intensität des Verlangens vor und direkt nach dem Konsumieren, sowie 90 Minuten später.
Der Versuch ergab, dass nur der Verzehr von dunkler oder weisser Schokolade das Verlangen im wesentlichen reduzieren konnte.
Aufgrund dieser Beobachtung wurde angenommen, dass pharmakologische Effekte durch die psychoaktiven Substanzen in der Kakaobohne nicht mit der Befriedigung der 'Schokoladen-Gier' zusammenhängen.
Vielmehr wurde daraus geschlossen, dass die Lust auf Schokolade und ihre Wirkung auf die Stimmung auf die "einfachen" Bestandteile - nämlich Zucker und Fett - zurückzuführen sind, die das sensorische Vergnügen auslösen.
Neueste Untersuchungen bestätigen einen Einfluss von Zucker und Fett auf hormonelle Hunger-Sättigungs-Mechanismen.



