Zaubertrank Milch?
Wie gesund ist Kuhmilch wirklich?
Milch ist offenbar ein richtiger Zaubertrank: Sie soll kleine Leute groß und große Leute stark machen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich einen viertel Liter Milch zu trinken. Doch skeptische Zeitgenossen behaupten, Milch löse Allergien aus und führe zu erhöhtem Cholesterinspiegel. Was ist dran an diesen Vorwürfen?
Kalzium, Eiweiß und Vitamine: Milch ist ein wichtiger Nährstofflieferant
Milch ist wegen ihres hohen Nährstoffgehaltes ein Nahrungsmittel und kein Durstlöscher. Sie enthält fast alle Nährstoffe, die der Mensch zum Leben braucht. Ein halber Liter Milch deckt rund 67% des Tagesbedarfs an Kalzium. Das ist wichtig für den Aufbau und Erhalt der Knochen, besonders bei Kindern und älteren Frauen, die an Osteoporose leiden.
Auch die im Milcheiweiß enthaltenen Aminosäuren sind wertvoll, weil der Körper diese nicht selbst bilden kann, sie aber für jede Zelle braucht. Der Milchzucker (Lactose) bringt die Darmbakterien auf Trab und sorgt gleichzeitig dafür, dass Kalzium vom Körper besser aufgenommen werden kann.
Die Fachzeitschrift Ökotest hat im Sommer 2001 bundesweit 24 frische Vollmilchsorten getestet - darunter auch fünf Bio-Sorten. Von den 24 getesteten Milchmarken schnitten 23 mit "sehr gut" ab, ein Produkt bekam ein "gut". Die Tester konnten weder Schadstoffbelastungen, noch hygienische Mängel feststellen. Fazit: Milch ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland. Dennoch verträgt sie nicht jeder.
Milchzuckerunverträglichkeit
Die Milchzuckerunverträglichkeit ist keine Allergie, sondern die häufigste Nahrungsmittelunverträglichkeit, die es auf der Welt gibt. Etwa 5-15% der erwachsenen Mitteleuropäer können keinen Milchzucker (Lactose) verwerten. In China, Japan oder Afrika sollen es sogar 90% der Bevölkerung sein.
Bei Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit wird der Milchzucker im Dünndarm nicht gespalten und gelangt somit unverarbeitet in den Dickdarm. Hier wird er dann von Bakterien zersetzt und das führt zu Blähungen, Durchfall oder starken Darmkrämpfen. Diese Störung ist oft angeboren, manchmal aber auch Folge von einer Darmerkrankung. Wer an einer solchen Milchzuckerunverträglichkeit leidet, kann auf laktosefreie Lebensmittel und Sojamilch aus dem Bioladen ausweichen. Allerdings können auch bei solchen Produkten Unverträglichkeiten auftreten.
Milch kann Allergien verursachen
Milchallergien sind eher selten, wenn sie auftreten, trifft es aber besonders oft Kinder. Ernährungswissenschaftler raten den Eltern allerdings, erst dann auf Milch und Milchprodukte zu verzichten, wenn wirklich eine Kuhmilchallergie diagnostiziert worden ist. Bei Kindern mit ihrem hohen Kalziumbedarf reicht es nicht, Milch gegen Soja-Drinks auszutauschen und ihnen manchmal Tofu zu servieren. Sie sollten regelmäßig auch kalziumreiches Gemüse wie Brokkoli, Spinat, Fenchel, Kohlrabi, Porree und Grünkohl essen und viel Mineralwasser trinken.
Ist Rohmilch gesünder als behandelte Milch?
Rohmilch ist weder erhitzt noch in der Molkerei behandelt worden und darf nur unter besonderen Hygienevorkehrungen direkt ab Hof abgegeben werden. Vor dem Trinken muss Rohmilch unbedingt abgekocht werden. Schwangere und Kleinkinder sollten wegen möglicher Keime ganz darauf verzichten. Im Übrigen schaden weder das Kurzzeiterhitzen durch Pasteurisieren noch das Homogenisieren der Milch. Lediglich ultrahocherhitzte Milch, die als H-Milch in den Handel kommt, hat weniger Vitamine als Vollmilch.
Was ist besser: Vollmilch oder fettarme Milch?
Der Fettgehalt von Milch liegt von Natur aus bei rund 4%. Um standardisierte Fettgehalte zu erreichen, wird das Fett entfernt und dann gezielt wieder zugegeben. In einem Glas Vollmilch mit 3,5% Fett stecken dann etwa 24 Milligramm Cholesterin. Dennoch wirkt sich das Milchfett offenbar nicht ungünstig auf den Cholesterinspiegel aus: Eine Studie von Wissenschaftlern der Uni Bristol ergab, dass Milchtrinker kein erhöhtes Risiko haben, Erkrankungen der Herzkranzgefäße zu bekommen.
Wer auf sein Gewicht achten muss, tut natürlich gut daran, Fett zu meiden - zumal fettarme Milch genauso viele Mineralstoffe und fast genauso viele Vitamine enthält wie Vollmilch. Lediglich der Gehalt an den fettlöslichen Vitaminen A, D und E ist bei der teilentrahmten Milch reduziert.



