Fastfood: Burger mit Pommes

Schlemmen für die Wissenschaft

Ein etwas anderer Selbstversuch

Schwedische Wissenschaftler untersuchten den Einfluss von Fastfood auf den Organismus. Dabei stießen sie auf ein natürliches Schutzprogramm gegen Übergewicht.

Nicht lange ist es her, da lockte die Filmdokumentation „Super Size Me" die neugierigen und hungrigen Zuschauer in die Kinos. Sie wurden Zeugen eines unappetitlichen Selbstversuches. Morgan Spurlock - amerikanischer Regisseur und Laborratte - setzte sich einem fettigen Experiment aus. 30 Tage lang futterte er sich kreuz und quer durch die Karte eines Fastfood-Restaurants. Außerdem legte er sich selbst das Verbot auf, XXL-Portionen abzulehnen, wenn sie ihm von der emsigen Burger-Verkäuferin angeboten werden. Ein weiterer Bestandteil des Selbstversuches war besonders bequemer Art. Spurlock beschränkte sich täglich auf spärliche 5000 Schritte. Das Ergebnis war schockierend. Nach einem Monat brachte er stattliche 12 Kilo mehr auf die Waage und seine Cholesterin- und Leberfettwerte hatten sich dramatisch verschlechtert. Höchste Zeit, den Versuch abzubrechen.

Schlaraffenland unter klinischen Bedingungen

Schwedische Forscher um Frederik Nyström von der Universität Linköping wollten es nun genauer wissen und stießen auf verblüffende Ergebnisse.
Für den ultimativen Fastfood-Versuch mästeten sie 18 gesunde und vor allem ekelfreie Medizinstudenten mit Burgern, Pommes und Milchshakes. Außerdem wurden sie zu einem gemütlichen Dasein angehalten, denn Bewegung war weitestgehend tabu. Ziel der Schlemmkur war es, herauszufinden, wie sich eine Ernährungsweise auf den Menschen auswirkt, die mit doppelt so vielen Kalorien zu Buche schlägt wie die übliche Kost. Denn bisher gibt es kaum Studien, die die Folgen einer Fastfood-Ernährung unter die Lupe nehmen.

Um eben diesen Folgen auf die Schliche zu kommen, wurden die Studenten auf Kosten der Universität mit allem beliefert, was die Fastfood-Restaurants hergaben. Während die Studenten am Anfang beherzt zugriffen und sich im Schlaraffenland wähnten, entwickelte sich die Mastkur langsam zu einer echten Herausforderung. Denn 6000 Kalorien am Tag müssen erst mal verzehrt werden. Ein großes Menu mit Burger, Pommes und einem Milchshake hat zum Beispiel rund 1200 Kalorien. Und welcher Magen ist schon an fünf große Menüs pro Tag gewöhnt? Auch der verordnete Bewegungsmangel setzte den Studenten stark zu. Während jedoch die Verdauung Achterbahn fuhr, blieben die Teilnehmer von Stimmungstiefs verschont.

Pfundiger Zuwachs mit Fastfood

Nach Ablauf des Versuches stellten die Forscher bei allen Teilnehmern eine Verschlechterung der Leberwerte und Cholesterinwerte fest. Erstaunlicherweise kletterte jedoch nicht nur das schädliche LDL-Cholesterin in den Himmel, sondern auch das nützliche HDL-Cholesterin. Als Gesundheitskur sei die Fastfood-Diät jedoch trotzdem nicht zu empfehlen, so Frederik Nyström.

Neben schlechten Leber- und erhöhten Cholesterinwerten trugen die Versuchskaninchen im Schnitt ein Plus von zehn Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts mit sich herum. Diese Beobachtung war wenig verblüffend. Überaschenderweise stoppte bei drei Medizinstudenten der pfundige Zuwachs, nachdem sie einige Kilo zugenommen hatten. Statt zusätzlicher Fettpolster an den Hüften oder dem Bauch wurde ihnen gehörig warm. Die überflüssige Energie, wurde bei ihnen in Form von Wärme nach außen abgegeben. Diese Taktik könnte ein Schutzmechanismus des Körpers gegen Übergewicht sein, so Studienleiter Frederik Nyström.

Schutzmechanismus gegen überflüssige Pfunde

Die Erkenntnis, dass der Körper während entbehrungsreichen Diäten auf Sparflamme schaltet und zugeführte Energie so schnell nicht hergeben will, ist ein alter Hut. Nun scheint es so, als ob der Körper in Zeiten der üppigen Kalorienzufuhr auch anders kann. Scheinbar arbeitet der Stoffwechsel in diesen Zeiten auf Hochtouren, was den Energiebedarf in ansehnliche Höhen treibt. Frederik Nyström vermutet, dass dieser Mechanismus bei jedem Menschen zu finden ist, dass er jedoch unterschiedlich stark greift. Außerdem geht der schwedische Forscher davon aus, dass so mancher Übergewichtige noch viel mehr auf die Waage bringen würde, wenn es die Schutzfunktion nicht gäbe.

In Zukunft müssen weitere Studien Aufklärung über die Funktionsweise des schlanken Körpermechanismus bringen. Vielleicht wird dann schon bald nicht mehr jeder Fastfood-Abstecher mit Speckröllchen geahndet.


Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 11, 2007


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