Mittelohrentzündung
Besser gleich zum Kinderarzt
Husten, Schnupfen, Windpocken - alle diese Diagnosen nehmen gestandene Eltern gelassen auf. Doch wenn es heißt, "Ihr Kind hat eine Mittelohrentzündung", werden Mütter und Väter oft nervös. Schließlich kann eine Infektion des Mittelohrs (Otitis media) in seltenen Fällen das Hörvermögen dauerhaft beeinträchtigen. Auch die Ärzte beobachten den Verlauf einer Otitis media deshalb genau.
In etwa 60 bis 80% aller Fälle heilt eine akute Mittelohrentzündung unbehandelt innerhalb von sieben bis zehn Tagen aus. In den restlichen Fällen dauert die Krankheit länger an oder es kommt zu Komplikationen. Gefürchtet ist vor allem eine Entzündung des Innenohres, die zu bleibendem Hörverlust führen kann. Die Entzündung kann auch auf das Gehirn, die Hirnhäute, die Gesichtsnerven sowie das Blut (Blutvergiftung) übergehen.
Antibiotika genau nach Plan geben
Wegen dieser Gefahren muss die Mittelohrentzündung unbedingt behandelt werden. Zunächst wird der Arzt hochdosiert abschwellende Nasentropfen verschreiben, damit sich die Ohrtrompete zum Nasenrachenraum hin wieder öffnet und das Sekret aus dem Mittelohr - genauer: der Paukenhöhle - abfließen kann. Eltern geben ihren Kindern die Tropfen alle drei bis vier Stunden am besten im Liegen, bei zurückgeneigtem Kopf. Auf diese Weise gelangt das Medikament auch in den Nasenrachenraum.
Bringt dies keine Besserung, sind Antibiotika notwendig. Die Kinder brauchen sie in ausreichender Menge und über einen längeren Zeitraum. Auch wenn die Krankheitszeichen meist schon nach ein bis zwei Tagen abklingen: Eltern sollten sich genau an die Anweisung des Arztes halten und die Medikamenten-Gabe nicht frühzeitig abbrechen. Anderenfalls können die Erreger gegen das Antibiotikum resistent werden.
Wie Eltern die Heilung fördern können
Gegen die Schmerzen verordnet der Kinderarzt meist schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente. Für Säuglinge und Kinder empfehlen sich Paracetamol-Zäpfchen oder -Saft. Schmerzstillende Ohrentropfen sind dagegen nicht geeignet, da sie den Entzündungsherd hinter dem Trommelfell nicht erreichen.
Eltern können die medikamentöse Behandlung zu Hause unterstützen:
- Bei manchen Kindern fördert lokale Wärme - z.B. Rotlicht zweimal täglich für fünf bis zehn Minuten - die Heilung.
- Auch Kamilledampfinhalationen können die Beschwerden lindern.
- Oft helfen gegen die Schmerzen auch Zwiebelpackungen oder Packungen mit überbrühten Kamillenblüten.
- Vor Kälte und Zugluft schützen Mützen oder Stirnbänder die erkrankten Ohren.
- Auf keinen Fall dürfen Eltern ihrem Kind Watte ins Ohr stecken, wenn Sekret austritt. So entstünde nämlich eine warme, feuchte Kammer vor dem Trommelfell, die die Vermehrung von Krankheitserregern beschleunigt.
Nach 48 Stunden sollte es dem Kind deutlich besser gehen. Um sicher zu gehen, dass das Antibiotikum gewirkt hat, vereinbart der Kinderarzt normalerweise Kontrolltermine: Den ersten Termin nach zwei Tagen und einen weiteren nach zwei Wochen.
Bei anhaltender Schwerhörigkeit unbedingt den Arzt aufsuchen
Möglicherweise bleibt einige Wochen nach der akuten Entzündung noch eine Ansammlung von Sekret in der Paukenhöhle (Paukenerguss) zurück. In dieser Flüssigkeit finden sich zwar keine Krankheitserreger mehr. Das Sekret führt jedoch zu einer leichten Schwerhörigkeit, da es die Schallleitung in der Paukenhöhle dämpft. Nach einiger Zeit fließt die Flüssigkeit aber ab oder wird von der Mittelohrschleimhaut aufgenommen. Damit klingt auch die Schwerhörigkeit ab.
Sollte das Kind nach drei Monaten jedoch noch immer schwer hören, müssen die Eltern unbedingt den Arzt aufsuchen. Meist ist in diesem Fall eine Operation nötig, um einem dauerhaften Hörverlust vorzubeugen.








