Studie
Morphine regen Tumorwachstum an
Opiathaltige Schmerzmittel wie Morphine, die Krebspatienten zur Schmerzbehandlung verschrieben werden, beschleunigen offenbar das Tumorwachstum.
Morphine gehören seit vielen Jahren zur Standardtherapie von Krebspatienten. Bereits im Jahr 2009 gerieten sie in Verdacht, die Neubildung und das Wachstum von Tumoren anzuregen. Eine neue US-Studie, die auf einem Meeting in Boston vorgestellt wurde, erhärtet diesen Verdacht. Sie zeigt, dass Opiate das Wachstum von Blutgefäßen fördern, die Tumore mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, und es Tumoren erleichtern, in andere Gewebe einzudringen und sich dort auszubreiten. Die Forscher berichteten außerdem, dass sie auf ein Medikament gestoßen sind, der diesen Effekte entgegenwirkt.
Bei ihrer Untersuchung der tumorfördernden Wirkung von Opiaten arbeiteten die Forscher von der University of Chicago mit dem Wirkstoff Methylnaltrexon (MNTX). In den 80er-Jahren entwickelte der Pharmakologe Leon Goldberg den Wirkstoff für Patienten mit Krebs im Endstadium und einer maximalen Lebenserwartung von ein bis zwei Monaten. Manche der Patienten, die mit MNTX behandelt wurden, lebten jedoch noch bis zu einem halben Jahr lang. Bei MNTX handelt sich um einen Opiatantagonisten, der Verstopfungen beseitigen soll, die als Nebenwirkungen von Opiateinnahme entstehen können. Er wirkt selektiv im Darm und hat keinen Einfluss auf die schmerzlindernde Wirkung der Opiate im zentralen Nervensystem.
Die Forscher untersuchten in zwei Studien, ob die gestiegene Lebenserwartung der Patienten auf MNTX oder die verbesserte Verdauung zurückführen lässt. Sowohl in Zellkulturen als auch in Versuchen an Mäusen mit Lungenkrebs zeigten, dass MNTX die tumorfördernden Effekte der Opiate unterbinden und die Ausbreitung des Krebses um bis zu 90% hemmen kann. Dr. Singleton erläutert: "Diese Erkenntnis könnte nicht nur unseren Umgang mit Schmerzmitteln bei Krebs verändern, sondern außerdem zu neuen Anwendungsmöglichkeiten von MNTX beitragen."




