Depressionen
Mädchen häufiger betroffen als Jungen
Depressionen kommen im Kindesalter bei Mädchen und Jungen etwa gleich häufig vor. Erst in der Pubertät zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Immer mehr Kinder leiden unter Depressionen, und nicht selten bekommt ihr Umfeld nichts davon mit. Lange Zeit nahmen Experten an, Kinder und Jugendliche könnten überhaupt nicht depressiv werden. Mittlerweile weiß man, dass Kinder ebenso von der Erkrankung betroffen sein können wie Erwachsene. Im Unterschied zu erwachsenen Betroffenen wirken sich Geschlechtsunterschiede jedoch gerade bei Jugendlichen stark auf die Erscheinung und den Verlauf der psychischen Erkrankung aus.
Mädchen erkranken doppelt so häufig
In der Kindheit kommen Depressionen bei Jungen und Mädchen etwa gleich häufig vor. In der Pubertät jedoch weisen Mädchen zahlreichen Untersuchungen zufolge ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko auf. Zudem scheint das Risiko einer Erkrankung in jüngeren Jahren einzusetzen. Mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter sind junge Frauen außerdem anfälliger für Rückfälle, haben häufiger schwere depressive Episoden, erfahren eine stärkere Beeinträchtigung durch die Erkrankung und entwickeln leichter eine chronische Depression, die im Erwachsenenalter fortbesteht. Diese Unterschiede werden im mittleren und höheren Lebensalter geringer, und die Depressionsraten der Geschlechter gleichen sich an.
Bisher ist nicht ausreichend erforscht, wieso Jungen und Mädchen in der Pubertät derartig unterschiedlich anfällig für die Entwicklung einer Depression sind. Sicher scheint zu sein, dass männliche Jugendliche andere Strategien benutzen, wenn sie in der Pubertät mit dem Druck konfrontiert sind, eine eigene Identität zu entwickeln und zusätzlich mit ihrer Sexualität, den physischen, hormonellen und intellektuellen Veränderungen und der allmählichen Loslösung von den Eltern zurechtkommen müssen. Außerdem scheinen junge Frauen stärker mit den physischen Veränderungen ihres Körpers und dem Wandel ihres Selbstbildes zu kämpfen haben.
Jungen zeigen andere Symptome als Mädchen
Depressionen treten in der Kindheit bei Jungen und Mädchen oft unterschiedlich zutage. Depressive Mädchen ziehen sich oft zurück, sind still und schüchtern, neigen zum Grübeln und zu Selbstzweifeln, sind bedrückt und unsicher und gehen Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen aus dem Weg. Ganz anders verhalten sich depressive Jungen. Sie haben Probleme, mit ihrem Umfeld in Kontakt zu treten, sind häufig sozial isoliert, fallen in der Schule durch Lernhemmung und schlechte Leistungen auf und reagieren häufig aufbrausend auf Auseinandersetzungen. Schwierigkeiten wie plötzliche Aggressivität und Schulschwänzen sind häufig die Anzeichen einer Depression bei Jungen und männlichen Jugendlichen, wobei sich die Erkrankung nicht selten hinter dem Konsum von Alkohol und Drogen verbirgt.
Mädchen und Jungen entwickeln jedoch nicht nur geschlechtsspezifische Symptome, sondern sprechen auch unterschiedlich auf die Behandlung der Depression an. Die entsprechenden Unterschiede im Kindes- und auch Erwachsenenalter sind bisher nicht ausreichend untersucht. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass biologische und psychologische Gegebenheiten einen Einfluss auf die Erfolgschance der Behandlung haben. Weitere Studien sollen diesen Sachverhalt abklären.








