Nahrungsergänzungen

Trend: Functional Food je nach Geschlecht

Frauen-Vitamine, Männer-Vitamine: In den Regalen der deutschen Drogerien kündigt sich ein Trend an, der in den USA schon zum Ernährungsalltag gehört. Speziell auf die Bedürfnisse von Männern und Frauen zugeschnittene Vitaminpräparate und Functional Food sollen geschlechtsspezifische Ernährungsdefizite ausgleichen. Doch ist diese Form der Trennkost wirklich sinnvoll?

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind doch offenbar größer als gedacht. Frauen kommunizieren und denken nicht nur anders als Männer, sie sollten sich auch ihrem Geschlecht entsprechend ernähren. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die Hersteller von Nahrungsmittel- und Vitaminpräparaten mit immer neuen Produkten. In den USA gibt es bereits eine breite Palette von Lebensmitteln, denen Vitamin- oder Mineralien-Cocktails beigemischt wurden, die speziell auf weibliche oder männliche Bedürfnisse zugeschnitten sind. Der Markt boomt.

Eisen nur für Frauen, Zink-Käse für Männer

In Deutschland tritt dieser Ernährungstrend bisher lediglich in Form von geschlechtsspezifischen Vitaminpräparaten in Erscheinung. Wer in den Regalen und Tiefkühltruhen deutscher Supermärkte nach Functional Food für Männer und Frauen sucht, hat Pech: Nur die bereits gängigen proaktiven oder probiotischen Produkte sind dort zu finden. Drinks mit einem erhöhten Anteil an Folsäure, Vitamin C und Eisen für Frauen oder zusätzlich mit Zink angereicherter Käse für Männer gibt es in Deutschland noch nicht. Sven-David Müller, Sprecher des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) in Aachen, bedauert dies. "Functional Food ist nicht nur hoch sinnvoll, es ist auch bei dem Ernährungsverhalten der Bevölkerung notwendig."

Einzelne Zielgruppen unterschiedlich versorgen

Um Mangelerscheinungen oder chronischen Krankheiten vorzubeugen, sei es auch angebracht, Functional Food oder Vitaminpräparate gezielt an den weiblichen oder männlichen Stoffwechsel anzupassen, ist Müller überzeugt. Es bestehe sogar eine Notwendigkeit, einzelne Zielgruppen unterschiedlich zu versorgen. Denn durch Menstruation und Schwangerschaft haben Frauen nachweislich einen höheren Bedarf an Folsäure, Eisen oder Kalzium. Männer leiden dagegen eher unter einem Mangel an Zink. Wenn dieser besondere Bedarf nicht über eine ausgewogene Ernährung gedeckt werde, sei die Einnahme von geschlechtspezifischem Functional Food oder entsprechenden Vitaminpräparaten gerechtfertigt, sagt Sven-David Müller von DIET. Wer jedoch glaube, mit Functional Food oder Vitamintabletten einen ungesunden Ernährungsstil ausgleichen zu können, sei im Irrtum, warnt der Ernährungsexperte.


Autor: Springer Medizin
Stand: Oct 22, 2002


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