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Heilfasten

Gefährlicher Trend oder gesunde Maßnahme?

So manche schwören auf die positive Wirkung des kulinarischen Verzichts. Wieder andere halten das Fasten für Humbug und warnen vor möglichen Gesundheitsrisiken.

Seit Jahrtausenden trotzen Menschen einige Tage im Jahr jeder kulinarischen Verlockung und versuchen sich in der teilweisen oder totalen Askese. Ursprünglich diente das Fasten der Buße und dem Streben nach Erleuchtung oder Erlösung, und auch heute noch verklären sich die Augen so mancher Fasten-Anhänger, wenn sie von der spirituellen Erfahrung sprechen, die ihnen das Hungern nach Plan schenkt. Andere Fastenfreudige schwören auf zeitgemäßere Vorzüge des freiwilligen Hungers, allen voran das Purzeln überflüssiger Pfunde, die Reinigung des Körpers von Schlacken und die Steigerung der Leistungsfähigkeit. Doch was bringt Fasten nun wirklich für den Einzelnen ?

Die Mär von Schlacken und schlanken Taillen

Wer einmal im Jahr für ein paar Tage einen Bogen um feste Nahrung und Genussmittel wie Kaffee und Alkohol macht und überwiegend von Säften und Brühen lebt, nimmt zwangsläufig wenig Kalorien zu sich. Ernährungsexpertin Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) weiß zu berichten, dass Fasten dennoch keine geeignete Abspeckmethode ist. Der Grund: Kaum sind die Fastentage vorbei, huldigen die meisten wieder ihren alten Ernährungsgewohnheiten, und die Pfunde, die gerade erst gewichen sind, sitzen schon bald wieder an Bauch, Hüfte und Oberschenkeln. Wer dauerhaft abnehmen will, kommt um eine langfristige Umstellung der Ernährung und ein reges Bewegungsprogramm nicht herum, sagt die Ernährungsexpertin.

Ein weiterer Irrglaube rankt sich laut Restemeyer um die Annahme, dass sie im Körper Schlacken ansammeln, die mittels Hungerkur aus dem Körper geschwemmt werden müssten. Steht dem Körper genug Flüssigkeit zur Verfügung, ist er in der Lage, Stoffwechselendprodukte über die Niere, den Darm oder die Haut abzugeben. Die Ernährungsexpertin warnt außerdem vor typischen Begleiterscheinungen des Hungerns wie etwa Erschöpfung, Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Schlafstörungen. Wenn der Darm über Tage zur Untätigkeit verdonnert wird, könne es außerdem zur Bildung von Gallensteinen kommen.

Kinder und Normalgewichtigen sollten gänzlich auf das Fasten verzichten, denn bei ihnen könne es aufgrund der geringen Energiereserven des Körpers zu einem gefährlichen Abbau von Muskeleiweiß kommen. Auch Menschen mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Schilddrüsenüberfunktionen und Diabetes sollten nicht hungern. Gleiches gilt für Schwangere und kurz nach einer Infektionskrankheit oder Operation. Gesunde Menschen können nach einer Untersuchung und Beratung durch den Hausarzt durchaus allein fasten. Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten den Verzicht nur unter ärztlicher Aufsicht angehen.

Der Start in ein gesünderes Leben

Zeitgeister zu neuer Schaffenskraft. Außerdem schwärmen viele Fastenanhänger davon, dass die innere Einkehr neue Impulse für einen gesünderen Lebens- und Ernährungsstil mit sich bringt. Besonders das Fasten in der Gruppe, das den Austausch und die gegenseitige Motivation ermöglicht, könne so ein Anstoß für ein gesünderes Leben sein.

Viele Fasten-Anhänger berichten immer wieder über euphorische Hochstimmungen und Glücksgefühle, die sich nach den ersten Tagen der Enthaltsamkeit einstellen. Tatsächlich schüttet der Körper in dieser Phase vermehrt Serotonin aus, das den Hungernden nicht nur eine gute Stimmung, sondern trotz leerem Magen Sättigungsgefühle beschert. So mancher Fastenfan erlebt nach den ersten Hungertagen, in denen er mit Müdigkeit und Lustlosigkeit zu kämpfen hat, einen wahren Energiekick und eine ungeahnte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit.


Quelle: Nach Informationen der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
Autor: Sibylle Fünfstück
Stand: Jul 29, 2009


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