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Seltenere Diabetesformen

Symptomlosigkeit als Gefahr

Ein Schwangerschaftsdiabetes verursacht üblicherweise keine Beschwerden und wird daher leicht übersehen. Beim im Erwachsenenalter einsetzenden Typ-1Diabetes sind die Diabetes-typischen Krankheitszeichen schon eher zu finden.

Generell gilt, je weniger die Insulinmenge im Blut reduziert ist und je besser der Körper noch auf das zirkulierende Insulin anspricht, umso weniger spürt ein Diabetiker, dass sein Zuckerstoffwechsel aus dem Gleichgewicht ist. Denn der Körper kann weiterhin seine Energie aus dem im Blut enthaltenen Zucker (Glukose) gewinnen. Im letzten Drittel der Schwangerschaft kann es sein, dass der Körper davon überfordert ist, den durch die Schwangerschaftshormone gesteigerten Bedarf an Insulin zu decken. Dann steigt der Blutzucker an, was meist unbemerkt bleibt, da die Schwangere keine Symptome hat. Daher wird bei Frauen zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche üblicherweise ein Blutzuckertest durchgeführt. Wenn Frauen Risikofaktoren für dieses Stoffwechselproblem aufweisen, auch schon früher.

Mögliche Hinweise auf einen Schwangerschaftsdiabetes sind eine übermäßige Gewichtszunahme der werdenden Mutter, ein gesteigertes Durstgefühl (Polydipsie) oder häufige Harnwegs- und Nierenentzündungen. Die Frau sollte vorsichtshalber umgehend ihren Arzt aufsuchen und den Test auf erhöhte Blutzuckerwerte und auf Zucker im Urin durchführen lassen. Ein Schwangerschaftsdiabetes wird manchmal auch aufgrund von Symptomen des ungeborenen Kindes (Fötus) entdeckt. Beispiele sind eine sehr große Fruchtwassermenge und ein ungewöhnlich starkes Größenwachstum des Fötus.

Vier klassische Zeichen erfordern Arztbesuch

Beim sogenannten LADA (latent autoimmune diabetes of adults) können Diabetes-typische Symptome auftreten, müssen aber nicht. Der LADA ist dem Typ-1Diabetes sehr ähnlich, tritt aber erst nach dem 30. Lebensjahr auf. Jeder zehnte Diabetesfall im Erwachsenenalter gehört zu dieser Sonderform eines Typ-1 Diabetes, bei der in der Regel nicht sofort Insulin gespritzt werden muss. Je nach Ausmaß des Insulinmangels kann diese Form mit mehr oder weniger ausgeprägten Symptomen einhergehen. Dies sind häufiges Harnlassen (Polyurie), starker Durst (Polydipsie), Müdigkeit/Abgeschlagenheit und ungewollte Gewichtsabnahme. Der starke Durst und die Austrocknung (Exsikkose) gehen auf die große Menge an mit dem Urin ausgeschiedenen Zucker zurück. Denn ab einer Blutzuckerkonzentration von 160-200 Milligramm pro Zehntelliter (mg/dl), kann die Niere den Zucker nicht mehr aus dem Urin zurückgewinnen (resorbieren); er geht mit dem Harn ab und entzieht aufgrund seiner Neigung, Wasser zu binden (Osmose) dem Körper Wasser. Dieser trocknet daher aus, was im Extremfall zu Bewusstseinsstörungen führen kann.

Wenn die Diabetes-typischen Symptome auftreten, ist ein umgehender Besuch des Hausarztes angezeigt. Dies gilt umso mehr, wenn der Patient selbst oder Verwandte ersten Grades eine Autoimmunerkrankung haben, also eine Krankheit, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Das kann zum Beispiel eine bestimmte Schilddrüsenkrankheit sein (Hashimoto-Thyreoiditis), ein entzündliches Gelenkrheuma (rheumatoide Arthritis) oder eine Darmentzündung (Colitis ulcerosa). Der Arzt wird dann den Zuckergehalt in Blut und Urin bestimmen und bei Verdacht auf einen LADA auch einen Bluttest auf die Antikörper Glutamat-Decarboxylase (GADA) und zytoplasmatische Inselzellen (ICA) durchführen.

Auch für eine Zuckerkrankheit, die auf eine akute oder länger bestehende Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) zurückgeht, gilt, dass die vier Diabetes-typischen Symptome, also starker Durst, häufige Toilettengänge, Müdigkeit/Abgeschlagenheit und unerklärter Gewichtsverlust, auftreten können, aber nicht müssen.


Quelle: Alexander K. et al.: Thiemes Innere Medizin TIM, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 2005
Fourlanos S, Perry C, Stein MS et al.: A Clinical Screening Tool Identifies Autoimmune Diabetes in Adults. Diabetes Care 2006; 29: 970-975
Guder W. G.: Das Laborbuch für Klinik und Praxis, Urban & Fischer Verlag, 2005
Kerner W et al.: Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus.
Evidenzbasierte Leitlinie DDG. Aktualisierung 10/2004. Online veröffentlicht unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
Autor: Dr. Wiebke Kathmann
Stand: Jul 28, 2010


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