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Zielgerichtete Therapien

Neue Hoffnung für Lungenkrebspatienten

Die Anwendung medikamentöser zielgerichteter Therapien bietet Lungenkrebspatienten neue Perspektiven. Denn im Gegensatz zur Chemotherapie, die auf alle Körperzellen wirkt, greifen zielgerichtete Therapien spezifisch die Krebszellen an.

Neue Behandlungsmöglichkeit für Betroffene


Betroffenen steht damit neben der Operation, Strahlen- und Chemotherapie eine weitere Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung. Die zielgerichteten Therapien konnten erst in den letzten Jahren entwickelt werden. Möglich wurde dieser Fortschritt, weil heute viel mehr darüber bekannt ist, wie Krebszellen funktionieren.

Versorgung des Tumors soll unterbrochen werden


Zu den neuen Therapien gehören sogenannte Angiogenese-Hemmer, die den Tumor von seiner Nährstoffversorgung trennen und ihn so aushungern. Außerdem gibt es Wirkstoffe, die verhindern, dass die Krebszellen immer wieder Wachstumssignale erhalten, die dafür sorgen, dass sich die Krebszellen immer wieder teilen, sich dadurch vermehren und zu immer größeren Tumoren heranwachsen. Die Krebszellen empfangen diese Wachstumssignale über "Antennen", die im Fachjargon als EGF-Rezeptoren (abgekürzt EGFR) bezeichnet werden. Forscher haben EGFR-Hemmer entwickelt, die sich an die "Antennen? setzen, diese blockieren und somit verhindern, dass der Befehl "Teile dich!" übermittelt wird.

EGFR-Hemmer zur Behandlung von Lungenkrebs-Patienten


Derzeit gibt es bereits einen EGFR-Hemmer, der für die Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs zugelassen ist. Sein Wirkstoffname lautet "Erlotinib". Der zweiter EGFR-Hemmer "Gefitinib" wird voraussichtlich 2009 zugelassen. Die neuen zielgerichteten Medikamente werden bei Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) eingesetzt, deren Tumor lokal fortgeschritten ist oder Metastasen gestreut hat. Eine Therapie mit Erlotinib wird durchgeführt, wenn eine vorangegangene Chemotherapie nicht oder nicht mehr nennenswert anschlägt.

Die EGFR-Hemmung kann bewirken, dass der Tumor nicht weiter wächst oder sogar schrumpft, sodass die Betroffenen länger mit ihrer Krebserkrankung leben können. Typische Krankheitssymptome wie Husten, Atemnot und Schmerzen können gelindert werden. Dabei werden die EGFR-Hemmer besser vertragen als eine Chemotherapie, da sie im Gegensatz zur Chemotherapie keine gesunden Zellen angreifen. Die typischen Zytostatika-Nebenwirkungen wie Infektionen, Blutarmut, Erbrechen, Durchfall und Haarverlust treten somit nicht auf. Häufigste Nebenwirkung der EGFR-Hemmer ist ein akneähnlicher Hautausschlag, der allerdings in den meisten Fällen nur leicht bis mäßig ist und bei Bedarf gut behandelt werden kann.

Bei den Wirkstoffen Erlotinib und Gefitinib ist von Vorteil, dass sie als Tabletten eingenommen werden und die Therapie somit von den Patienten zu Hause durchgeführt werden kann, was für viele Betroffene einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität bedeutet.

Angiogenese-Hemmer "hungert" Tumor aus



Ein weiterer vielversprechender Ansatz in der zielgerichteten Krebstherapie ist die Entwicklung von Wirkstoffen, die bewirken, dass der Tumor keine Nährstoffe mehr erhält und somit "ausgehungert" wird. Das gelingt mit Medikamenten, die die Blutversorgung des Tumors unterbinden. Genutzt wird dabei der Umstand, dass Krebszellen den Wachstumsfaktor VEGF ausschütten, der Blutgefäße anregt, in Richtung auf das Tumorgewebe zu wachsen. Denn mit der Größe des Tumors wächst auch sein Bedarf an Sauerstoff und Nährstoffen, die er über Blutgefäße erhält. Die Bildung neuer Blutgefäße wird von Medizinern als "Angiogenese" bezeichnet. Zielgerichtete Medikamente, die die Ausschüttung des Wachstumsfaktors VEGF und damit die Bildung der Gefäßversorgung verhindern, werden deshalb als Angiogenese-Hemmer oder VEGF-Hemmer bezeichnet.

Der Wirkstoff "Bevacizumab" ist ein solcher VEGF-Hemmer. Bevacizumab ist zur Behandlung von Lungen-, Darm- und Nierenkrebs zugelassen. In der Lungenkrebs-Therapie wird Bevacizumab wie die EGFR-Hemmer bei Patienten mit einem NSCLC eingesetzt, deren Tumor lokal fortgeschritten ist oder Metastasen gestreut hat. Bevacizumab wird als Infusion in Kombination mit einer Chemotherapie verabreicht und wird im allgemeinen gut vertragen. Da der VEGF-Hemmer im Gegensatz zur Chemotherapie keine gesunden Zellen angreift, werden die Chemotherapie typischen Nebenwirkungen in der Kombinationstherapie nicht verstärkt. Häufigste Nebenwirkung von Bevacizumab sind Bluthochdruck und die vermehrte Ausscheidung von Eiweißkörpern in den Urin.


Quelle: Presse Workshop Onkologie, AstraZeneca
03.03.2009 in Alderley Park, Macclesfield, Cheshire, UK
Autor: Springer Medizin
Stand: Mar 24, 2009


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