
Schutzfaktor Sonne?
Viele Krebsarten treten in Sonnenländern seltener auf
Sonne und Krebs gehören zusammen, so lautet die landläufige Meinung. Medien warnen jedes Jahr aufs Neue vor zu langem Sonnenbaden und verweisen völlig zu Recht auf ständig steigende Hautkrebszahlen. Doch ganz meiden sollte man die Sonne trotzdem nicht. Denn ein kurzes Sonnenbad täglich tut nicht nur gut, sondern schützt möglicherweise sogar vor vielen Krebsarten, wie mehrere Studien nahe legen.
Der schützende Effekt der Sonne erklärt sich über das Vitamin D, das mithilfe von Sonnenlicht produziert und deshalb auch Sonnevitamin" genannt wird. Neue Erkenntnisse zeugen davon, dass die biologisch aktive Form des Vitamin D, das 1,25-Dihydroxivitamin D, nicht nur in der Niere, sondern auch in verschiedenen anderen Geweben gebildet wird, wo der Wirkkomplex das Zellwachstum reguliert: Vitamin D hemmt einerseits die Zellwucherung und löst andererseits die Zellreifung aus. Studien zufolge könnten diese Mechanismen auch dafür verantwortlich sein, dass die Krebsbildung verhindert bzw. gehemmt wird.
So fand William Grant vom Sunlight, Nutrition and Health Research Center in San Francisco bei einer Erhebung der Brustkrebsfälle in verschiedenen US-Bundesstaaten ein auffälliges Nord-Südgefälle: In den nordöstlichen sonnenärmeren Bundesstaaten wurden doppelt so viele Frauen mit Brustkrebs ermittelt wie in den sonnigen südwestlichen Staaten. Diese Phänomen war nicht mit der Ernährung zu erklären, sondern schien mit der unterschiedlichen Sonneneinwirkung zusammenzuhängen.
Weitere Forschungen in Europa, die auch andere Krebsarten einbezogen, ergaben ein ähnliches Bild. In sonnenreicheren Gefilden traten Dickdarm-, Eierstock-, Prostata- und Lymphknotenkrebs wesentlich seltener auf als in nördlichen Ländern. Zudem zeigte sich das Sterberisiko bei 17 Krebsarten gemindert, wenn die Betroffenen während ihres Lebens regelmäßigen Sonnenkontakt hatten.
Bereits geringe Dosen an Sonnenlicht reichen aus, damit der Körper die nötigen Mengen an Vitamin D bilden kann. Experten empfehlen im Hinblick auf das hohe Hautkrebsrisiko eher häufig und kurz in die Sonne zu gehen als selten und lange. Je nach Aufenthaltsort und Hauttyp sind zwischen 5 und 15 Minuten ungeschützter Sonnekontakt täglich optimal. Der Gang ins Sonnestudio bringt hingegen gar nichts, denn Vitamin D wird nur durch die im Sonnenlicht enthaltene UV-B-Strahlung erzeugt, nicht jedoch durch die UV-A-Strahlung, mit der Solarien arbeiten.
JNCI Journal of the National Cancer Institute 2006 98(7):451-459; doi:10.1093/jnci/djj101
Pressemitteilung des Max Rubner-Institutes vom 16.10.2009: Vitaminforschung up to date,
http://www.mri.bund.de/no_cache/de/service/pressemitteilungen/pressemitteilung-informationsseite/Pressemitteilung/vitaminforschung-up-to-date.html, Download vom 08.07.2010






