
Stress in der Schwangerschaft
Gestresste Mutter bekommt gestresstes Kind
Stress in der Schwangerschaft schadet dem Nachwuchs - zumindest bei Tieren. Werden trächtige Tiere unter Stress gesetzt, zeigen die Jungtiere nach der Geburt häufiger Störungen im Verhalten. Britische Forscher haben nun untersucht, ob es sich bei Menschen ähnlich verhält - natürlich nicht in einem Experiment, sondern durch Beobachtung. Das Ergebnis war positiv.
Ob Angststörungen in der Spätschwangerschaft Einfluss auf das Verhalten des Nachwuchses haben, war die Ausgangsfrage der Untersuchung. Dabei zeigte sich, dass der Stress offenbar einen Schaden an der zentralen Hypothalamus-Hypophysen-Achse (HPA) im Gehirn des Nachwuchses verursacht. Dies äußert sich nach der Geburt laut Studie in verändertem Verhalten, berichtet das British Journal of Psychiatry (06/2002).
Mütter mussten das Verhalten ihrer Kinder beurteilen
An der britischen Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) nahmen 12.998 schwangere Frauen aus Avon in England teil. Die Frauen ließen sich vor und nach der Geburt - insgesamt über einen Zeitraum von 20 Monaten - regelmäßig untersuchen. Dabei sammelten die Wissenschaftler auch Daten über Befindlichkeiten wie Angst und depressive Gemütslagen. Später fragten Mitarbeiter der Studie die Frauen nach Auffälligkeiten im Verhalten ihrer Kinder. Die Ergebnisse scheinen die aus den Tierexperimenten abgeleiteten Hypothesen zu bestätigen.
Allerdings sind die Ergebnisse mit einer gewissen Vorsicht zu beurteilen: Viele Fragebögen waren am Ende nicht vollständig, so dass nur die Antworten von 7.448 Frauen ausgewertet wurden. Obwohl die Versuchspersonen vorher nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden, kann es das Ergebnis verzerren, wenn am Ende nur ein Teil der Antworten auszuwerten ist. Eine weitere Einschränkung betrifft die Diagnose "Verhaltensstörung". Dabei mussten sich die Autoren auf die Angaben der Mütter zu den drei Kategorien "Aufmerksamkeitsstörungen/Hyperaktivität", "emotionale Probleme" und "Verhaltensstörungen" verlassen.
Angst in der Schwangerschaft wirkt sich langfristig auf das Kind aus
Die Wissenschaftler werten die Ergebnisse der Untersuchung als erstaunlich. Frauen, die während der Spätschwangerschaft viel Stress und Angst hatten, berichteten häufiger über Auffälligkeiten im Verhalten ihrer Vierjährigen. Dass diese Störungen auf Einflüsse nach der Geburt zurückzuführen sind, lässt sich durch die gewonnenen Daten der ALSPAC ausschließen. Die Mütter wurden nach der Geburt des Kindes noch vier Mal untersucht. Obwohl die Ärzte auch die dabei gewonnenen Daten berücksichtigten, ergab sich ein erhöhtes Risiko für Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern.
Die Autoren der Studie sehen daher ihre Vermutung bestätigt: Psychologische Faktoren während der Schwangerschaft haben einen langfristigen Einfluss auf das Verhalten des Kindes. Glücklicherweise scheinen die Störungen meist gering zu sein, erklären die Forscher. Welche Rolle mögliche Veränderungen zentraler Hirnregionen spielen, sollen weitere Studien zeigen.










