In der Diskussion
Pro & Contra "Vorgeburtliche Untersuchung"
Die Pränataldiagnostik schafft Wissen - manchmal auch Heilung. Doch die meisten Erkrankungen des Ungeborenen können nicht behandelt werden. So geht der Befund "Fehlbildung" für die Schwangere meist mit Gewissenskonflikten einher: Abtreibung oder bewusste Entscheidung für ein behindertes Kind. Aber Kritiker dieser Diagnostik haben noch andere Einwände.
Bernhard Sill, Professor für Moraltheologie und Sozialethik an der Katholischen Universität Eichstätt, warnt vor falschen Erwartungen an die pränatalen Untersuchungen. Da nur eine begrenzte Zahl der Erbkrankheiten vor der Geburt erfassbar sei, biete die Untersuchung keine Garantie für ein gesundes Kind.
Statt Sicherheit sei das Ergebnis einiger vorgeburtlicher Tests Verunsicherung, urteilt auch der Ultraschall-Experte Wolfgang Henrich von der Klinik für Geburtsmedizin der Berliner Charité. Vor allem bei Bluttests komme es durch falsche Messungen oder Auswertungen häufig zu Ergebnissen, die fälschlicherweise ein Problem aufzeigten und weitere Untersuchungen nach sich zögen.
Ein so genannter Missbildungsultraschall sei hingegen zu empfehlen. Denn diese Untersuchung liefere ein verhältnismäßig sicheres Ergebnis, ohne die Mutter und das Ungeborene zu gefährden.
Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit
Sabine Földi, Ärztin bei der Beratungsstelle Pro Familia, ist der Meinung, eine ausführliche Beratung könnte den Frauen viele Ängste und Sorgen nehmen. Doch dafür fehle es den Ärzten möglicherweise an Zeit. Genetische Beratungsstellen, die es unter anderem auch bei Pro Familia gibt, könnten das Defizit auffangen.
Es sei unnatürlich und entwerte zudem die Frau, wenn man sie ohne zwingende medizinische Gründe rundherum testet: "Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit", so Földi. Abhängig von der Lebenssituation der Frau könne die Pränataldiagnostik zwar sinnvoll sein, "aber wir sind dagegen, dass diese Untersuchungen zum Standardprogramm werden", sagt die Pro-Familia-Expertin.
Vorgeburtliche Untersuchung kann Kinderleben retten
Zu den Befürwortern der Pränataldiagnostik zählt Manfred Hansmann, Spezialist für pränatale Ultraschalldiagnostik an der Universitätsklinik Bonn. Im Falle von nicht-chromosomalen Störungen könne die vorgeburtliche Untersuchung Kinder retten, argumentiert Hansmann. Stelle man Missbildungen noch vor der Geburt fest, könne man die Kinder per Kaiserschnitt zur Welt bringen und rechtzeitig eine Operation vorbereiten. Die Kinder könnten so "zur richtigen Zeit, am richtigen Ort" entbunden werden.








