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Schwanger trotz HIV

Minimales Risiko für den Nachwuchs

Mithilfe bestimmter Vorsichtsmaßnahmen und einer guten medizinischen Betreuung lässt sich die Übertragung der HI-Viren auf den Nachwuchs weitgehend verhindern.

Eine HIV-Infektion ist heute kein Grund mehr, auf Nachwuchs zu verzichten. Heute ist es dank medizinischen Maßnahmen möglich, den Nachwuchs effektiv vor einer Erkrankung zu schützen. Jüngste Zahlen des Robert-Koch-Instituts belegen den Erfolg entsprechender Vorsichtsmaßnahmen. So konnte die Häufigkeit der Übertragung von 15-25 Prozent (ohne Stillen) auf bis unter 1 Prozent verringert werden. Frauen mit einer HIV-Infektion sollten jedoch auch aus anderen Gründen besonders intensiv betreut werden. Denn nicht zuletzt aufgrund ihrer erhöhten Anfälligkeit für Scheideninfektion ist ihr Risiko einer Frühgeburt erhöht.

Damit medizinische Maßnahmen greifen können, ist es wesentlich, die Infektion rechtzeitig zu diagnostizieren. Daher sollte spätestens in der Frühschwangerschaft ein Angebot zum HIV-Test durch den Gynäkologen oder Hausarzt erfolgen. Im Falle einer HIV-Diagnose sollte der Arzt die Schwangere über die geringen Risiken einer Ansteckung des Nachwuchses aufklären. Eine Beratung und Aufklärung darüber hinaus sollte intermediär und in einem spezialisierten Zentrum erfolgen.

Am häufigsten erfolgt die Übertragung des Virus bei der Geburt. Um das Risiko während der Schwangerschaft zu reduzieren, sollten Methoden der pränatalen Diagnostik nach Möglichkeit unterbleiben. Mit antiretroviralen Medikamenten wie Azidothymidin lässt sich die HIV-Transmissionsrate laut einer Studie aus dem Jahr 1994 um rund zwei Drittel reduzieren. Aktuelle Untersuchungen wiederum konnten zeigen, dass die Fehlbildungsrate bei Gabe von antiretroviralen Medikamenten nicht erhöht ist. Nach der Geburt kann entsprechend auch das Neugeborene ein antiretrovirales Präparat erhalten.

Dank der medikamentös herbeigeführten geringen Viruslast der Mutter bei der Entbindung scheint es keine Rolle mehr zu spielen, ob der Nachwuchs per Kaiserschnitt oder auf natürlichem Wege auf die Welt kommt. Was sich hingegen nicht geändert hat ist die Empfehlung, aufs Stillen zu verzichten, da weltweit 30-50 Prozent aller HIV infizierten Kinder über die Muttermilch infiziert werden.


Quelle: Dr. med. Bettina Hollwitz, MMW-Fortschritt Medizin Nr. 17 / 2010 (152. Jg.): Schwanger mit HIV-Infektion- Das Risiko fürs Kind ist minimal
Autor: Sibylle Fünfstück
Stand: May 20, 2010


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